KI-Kompetenz lehren · Linup: KI sicher am Arbeitsplatz
Artikel 4 EU AI Act: Schulungsinhalte am Einsatz ausrichten
Kurz gesagt
Richten Sie Lernfälle an den eingesetzten KI-Systemen, den Aufgaben und den möglichen Folgen von Fehlern aus. Lassen Sie den EU-Bezug und die geltenden Anforderungen fachlich prüfen; ein Kurszertifikat allein bestätigt keine Rechtskonformität.
Das Problem
Frau Keller soll für einen Schweizer Betrieb eine KI-Schulung vorbereiten. Die Leitung verweist auf Artikel 4 des EU AI Act, der europäischen KI-Verordnung. Gewünscht ist ein Kurs, der «alles abdeckt», obwohl Mitarbeitende sehr unterschiedliche Werkzeuge und Aufgaben haben.
Ein allgemeiner Vortrag kann gemeinsame Grundlagen schaffen. Er zeigt aber noch nicht, ob jemand eine falsche Kundeninformation erkennt, vertrauliche Daten zurückhält oder eine Ausgabe zur Freigabe weiterleitet. Lerninhalte brauchen deshalb einen nachvollziehbaren Bezug zum tatsächlichen Einsatz.
Zuerst ist die rechtliche Anwendbarkeit zu klären. Schweizer Organisationen fallen nicht allein wegen der Nutzung eines KI-Werkzeugs pauschal unter dieselben EU-Pflichten. Die Kursleitung sammelt dafür Informationen; die rechtliche Einordnung übernimmt eine zuständige Fachperson anhand des konkreten Falls.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Erfassen Sie die tatsächlichen Anwendungen. Öffnen Sie eine Tabelle mit den Spalten Tätigkeit, Werkzeug, nutzende Rolle, Eingaben, Ausgabe und Freigabe. Beschreiben Sie beispielsweise das Entwerfen einer Kundenantwort. Sammeln Sie keine echten Kundendaten, sondern nur den Ablauf und die zuständigen Funktionen.
- Klären Sie den Prüfauftrag zum EU-Bezug. Halten Sie fest, wo Systeme eingesetzt werden, für wen Ergebnisse bestimmt sind und welche organisatorischen Rollen bestehen. Übergeben Sie diese Angaben der zuständigen Rechts- oder Compliance-Fachstelle, also der Stelle für Regelkonformität. Lassen Sie auch offene Zuständigkeiten und mögliche Sonderanforderungen beurteilen.
- Beschreiben Sie die Folgen typischer Fehler. Fragen Sie zu jedem Ablauf, was eine falsche Ausgabe bewirken könnte. Unterscheiden Sie etwa einen unpassenden Textvorschlag von einer Entscheidung mit Folgen für Menschen. Die juristische Einstufung eines Systems als hochriskant lässt sich daraus nicht eigenständig oder per KI-Antwort ableiten.
- Formulieren Sie praktische Lernziele. Eine Person soll beispielsweise eine unbelegte Aussage erkennen, den vorgesehenen Prüfweg anwenden und eine Freigabe einholen. Nutzen Sie die Vorlage für beobachtbare Lernziele. Passen Sie Sprache und Unterstützung an Vorwissen und Aufgaben der jeweiligen Rolle an.
- Entwerfen Sie fiktive Einsatzfälle. Lassen Sie eine freigegebene KI aus Ihrer allgemeinen Ablaufbeschreibung Übungen entwickeln. Fordern Sie eine richtige Vorgehensweise, einen plausiblen Fehler und eine begründete Unterbrechung an. Geben Sie keine Verträge, Kundendossiers oder internen Zugangsdaten ein.
- Lassen Sie Fachverantwortliche gegenlesen. Die für den Arbeitsprozess zuständige Person prüft, ob die Lösung betrieblich stimmt. Die rechtliche Fachstelle beurteilt Aussagen über Pflichten und Anwendbarkeit. Trennen Sie diese Freigaben von der didaktischen Frage, ob Lernende die Handlung tatsächlich üben können.
- Dokumentieren Sie Inhalt und Weiterentwicklung. Halten Sie Zielgruppe, Lernziele, Fallversion, Durchführung und offene Fragen fest. Planen Sie eine Überarbeitung, wenn sich Werkzeug oder Einsatz verändert. Die vorgeschlagene Dokumentation ist eine organisatorische Arbeitshilfe und keine pauschale Aussage über gesetzlich vorgeschriebene Nachweisformen.

Wie wird aus einem Einsatz ein Lernfall?
| Einsatz | Zu übende Entscheidung | Geeigneter Lernbeleg |
|---|---|---|
| Entwurf einer Kundenantwort | Welche Aussage braucht eine geprüfte Grundlage? | Korrektur mit Begründung |
| Zusammenfassung eines Dokuments | Welche Inhalte dürfen eingegeben werden? | Auswahl eines freigegebenen Übungsdokuments |
| Vorschlag für einen Arbeitsablauf | Wann muss eine verantwortliche Person entscheiden? | Erläuterter Freigabeweg |
Die EU-Kommission betont in ihren Fragen und Antworten zur KI-Kompetenz den Bezug zu Rolle, Vorkenntnissen und Einsatzkontext. Sie nennt kein allgemein erforderliches Zertifikat. Verwenden Sie diese Orientierung mit dem geltenden Rechtsstand und lassen Sie Pflichten, Änderungen und Fristen im Einzelfall bestätigen.
Vorlage zum Kopieren
Entwirf Lernfälle für eine betriebliche KI-Schulung.
Rolle der Teilnehmenden: [Funktion ohne Namen]
Tatsächliche Aufgabe: [allgemeiner Ablauf]
Freigegebenes Werkzeug und Einsatzgrenze: [Rahmen]
Typischer Fehler: [Fehlerbild]
Vorgesehene menschliche Prüfung: [Verantwortung]
Erstelle einen vollständig fiktiven Fall, Arbeitsauftrag und Lösungshinweis.
Verlange eine begründete Entscheidung über Prüfen, Stoppen oder Freigeben.
Liste rechtlich offene Fragen separat auf. Beantworte sie nicht selbst.
Behaupte keine Rechtskonformität und keine verbindlichen Schulungsfristen.Ersetzen Sie die Platzhalter durch geprüfte Prozessangaben und lassen Sie rechtliche Aussagen ausserhalb der KI fachlich klären.
Worauf Sie achten müssen
- Verwenden Sie für die Vorbereitung erfundene Beispiele. Personendaten von Lernenden und vertrauliche Unterlagen gehören nicht in öffentliche KI-Dienste.
- Prüfen Sie KI-Vorschläge fachlich: Auch flüssig formulierte Antworten können Fehler oder erfundene Angaben enthalten. Die Lehrperson verantwortet Auswahl, Rückmeldung und Beurteilung.
- Planen Sie einen gleichwertigen Zugang ohne privates Konto ein. Berücksichtigen Sie Alter, Sprache und Unterstützungsbedarf, ohne Lernende öffentlich nach Schwierigkeiten einzuteilen.
- Klären Sie die Regeln Ihrer Institution und Ihres Kantons. Rechtliche Fragen zu einem konkreten Einsatz lassen Sie durch die zuständige Fachstelle prüfen.
- Trennen Sie pädagogische Empfehlungen von Rechtsanforderungen. Ein sinnvoller Lerncheck ist nicht allein deshalb gesetzlich vorgeschrieben, weil er im Kurskonzept steht.
- Nutzen Sie fiktive Übungsdaten. Auch scheinbar beiläufige Angaben können Betriebsgeheimnisse oder Personenbezüge offenlegen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Ein Schweizer Dienstleistungsbetrieb mit EU-Geschäft bittet Frau Keller um eine Schulung. Statt sofort einen vermeintlich verbindlichen Standardkurs festzulegen, sammelt sie die tatsächlichen Anwendungen. Kundenservice und interne Administration nutzen KI dabei unterschiedlich.
Die zuständige Fachstelle prüft den rechtlichen Bezug. Frau Keller erstellt parallel einen erfundenen Kundenfall: Ein KI-Entwurf verspricht eine Leistung, die im bereitgestellten Merkblatt nicht zugesagt wird. Die Teilnehmenden müssen die Aussage markieren, korrigieren und den Freigabeweg erklären.
Der Betrieb dokumentiert das Lernziel und die bearbeitete Fallfassung. Offene juristische Fragen bleiben ausdrücklich offen, bis die Fachstelle sie beantwortet. So entsteht eine überprüfbare Schulungsgrundlage ohne unbelegte Compliance-Zusage.
So hilft Ihnen Alpasana
Wenn Sie für einen KI-Einsatz passende Schulungsinhalte für Mitarbeitende suchen, behandelt Linup: KI sicher am Arbeitsplatz den Umgang mit Daten, die Prüfung von KI-Ergebnissen und das Erkennen von Betrugsversuchen. Ob die Inhalte zu Ihrem konkreten Einsatz passen, klären Sie separat.
Häufige Fragen
Brauchen alle Mitarbeitenden denselben Inhalt?
Gemeinsame Grundlagen sind hilfreich, die Übungsfälle können sich aber nach Rolle unterscheiden. Wer Ausgaben veröffentlicht, benötigt andere Handlungspraxis als jemand, der Systeme technisch betreut. Die Auswahl sollte sich nachvollziehbar aus den Aufgaben ergeben.
Kann die KI unseren rechtlichen Geltungsbereich bestimmen?
Sie kann Fragen strukturieren und fehlende Angaben sichtbar machen. Die abschliessende Einordnung gehört jedoch in fachkundige Hände. Besonders bei grenzüberschreitenden Tätigkeiten oder veränderten Rechtsgrundlagen reicht eine automatisierte Zusammenfassung nicht aus.
Wann sollten wir Inhalte auffrischen?
Pädagogisch sind Änderungen der Werkzeuge, neue Einsatzfälle oder beobachtete Unsicherheiten gute Anlässe. Daraus folgt keine hier festgelegte gesetzliche Wiederholungsfrist. Planen Sie eine gezielte Auffrischung anhand des tatsächlichen Bedarfs und der fachlich geprüften Anforderungen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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