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Hochschule & Studium · Prompt Engineering

Vorwissen im Studium mit KI-Aufgaben sichtbar machen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Zu Studienbeginn unterscheiden sich die Vorkenntnisse stark. Kurze Diagnoseaufgaben ohne Note zeigen, wo Studierende stehen und was sie brauchen. Eine KI kann solche Aufgaben entwerfen; Auswertung und Konsequenzen bleiben bei den Dozierenden, und niemand sollte aufgrund einer einzigen Aufgabe eingestuft werden.

Das Problem

Herr Meier unterrichtet im ersten Semester «Grundlagen der Informatik» an einer Fachhochschule. Seine Gruppe von 60 Studierenden ist bunt: Einige haben eine Informatiklehre mit Berufsmaturität absolviert, andere kommen aus der Gymnasialmatura, einige haben nie programmiert. In einem fiktiven Szenario erklärt er in der ersten Woche Variablen; dabei zeigt sich, dass ein Teil der Gruppe bereits vertraut damit ist und andere noch Unterstützung benötigen.

Vorwissen ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf das Lernen. Wer an Bekanntes anknüpfen kann, lernt Neues leichter. Wer Lücken hat, kommt schnell ins Hintertreffen. Dozierende wissen aber zu Beginn oft nicht, was wirklich vorhanden ist. Ein Blick auf die Vorbildung genügt nicht: Eine Matura sagt wenig über Programmierkenntnisse, eine Lehre wenig über Mathematik.

Diagnoseaufgaben (kurze Aufgaben, die zeigen, was Lernende schon können) schaffen Klarheit. Sie werden formativ eingesetzt, also zur Förderung und nicht zur Benotung. KI kann beim Entwerfen helfen. Wichtig: Die Aufgaben sollen nicht einstufen, sondern Orientierung geben, für Dozierende und für Studierende.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Voraussetzungen benennen. Schreiben Sie auf, welche Kenntnisse Ihr Modul wirklich voraussetzt. Fünf bis acht Punkte genügen, etwa «Variablen verstehen» oder «Prozentrechnen».
  1. Aufgabenformate wählen. Wählen Sie Verständnisfragen, kleine Rechnungen oder Erklärungsaufgaben. Umfang und Bearbeitungszeit richten sich nach Lernziel, Gruppe und verfügbarem Rahmen. Ohne Note und möglichst ohne unnötigen Zeitdruck.
  1. Aufgaben entwerfen lassen. Geben Sie der KI mit der Vorlage unten Ihre Voraussetzungen. Sie liefert pro Punkt zwei bis drei Aufgaben mit Lösungen und einer Rückmeldung, die auf die Lücke hinweist.
  1. Aufgaben selbst lösen. Prüfen Sie jede Aufgabe, ihre Lösung und die Rückmeldung. Streichen Sie mehrdeutige oder zu schwere Aufgaben.
  1. Rahmen kommunizieren. Sagen Sie den Studierenden, wozu die Aufgaben dienen: Orientierung, keine Prüfung, keine Auswirkungen auf die Note. Erklären Sie, was mit den Ergebnissen geschieht.
  1. Anonym oder freiwillig durchführen. Lassen Sie die Studierenden selbst auswerten oder werten Sie anonym aus. So fühlen sich weniger Studierende bewertet.
  1. Auswerten und Konsequenzen ziehen. Schauen Sie, welche Voraussetzungen fehlen, und planen Sie Hilfen: Auffrischungsmaterial, Übungsstunde, Brückenangebot, Anpassung der ersten Wochen.
  1. Rückmeldung geben. Zeigen Sie den Studierenden, was sie nachholen können, und wo sie Unterstützung finden. Bieten Sie Gespräche an.

Vorlage zum Kopieren

Du unterstützt mich als Dozentin bei der Entwicklung von Diagnoseaufgaben zum Studienbeginn. Modul: [Modul]. Studiengang: [Studiengang]. Fachliche Voraussetzungen, die ich prüfen möchte:
1. [Voraussetzung 1]
2. [Voraussetzung 2]
3. [Voraussetzung 3]

Aufgabe:
1. Entwirf pro Voraussetzung zwei kurze Aufgaben (maximal fünf Minuten), die zeigen, ob die Kenntnis vorhanden ist. Eine Aufgabe soll Erklären in eigenen Worten verlangen, nicht nur Auswählen.
2. Gib zu jeder Aufgabe die Lösung an.
3. Formuliere zu jeder Aufgabe eine Rückmeldung, die Studierenden zeigt, was sie bei einer falschen Antwort nachschauen können (ohne wertende Etikettierung wie «schwach»).
4. Formuliere alles ohne Notenbezug und ohne Hinweis auf ein «Niveau».
5. Weise auf Aufgaben hin, die ich fachlich prüfen muss. Erfinde keine Daten.

Ersetzen Sie die Platzhalter. Probieren Sie die Aufgaben mit einer Hilfsassistentin oder einem Kollegen aus.

AufgabentypZeigtBeispiel
ErklärenVerstehenErkläre, was eine Variable ist
AnwendenKönnenRechne 15 % von 80
Fehler findenTiefenverständnisWelcher Schritt in dieser Rechnung ist falsch?
SelbsteinschätzungSicherheitWie sicher bist du? (1–4)

Worauf Sie achten müssen

  • Keine voreilige Einstufung: Eine Aufgabe zeigt eine Momentaufnahme. Prüfungsangst, Fremdheit mit dem Format oder Zeitdruck verzerren. Stufen Sie niemanden aufgrund eines einzelnen Ergebnisses ein und verwenden Sie Etiketten wie «schwach» nicht.
  • Fachliche Richtigkeit: KI-Aufgaben können mehrdeutig sein oder falsche Lösungen enthalten. Prüfen Sie sie selbst.
  • Datenschutz: Ergebnisse einzelner Studierender sind Personendaten. Geben Sie sie nicht in öffentliche KI-Dienste ein und sammeln Sie nur, was nötig ist. Fragen Sie bei Ihrer Hochschule nach den Regeln für Lerndaten.
  • Fairness: Unterschiedliche Vorbildung ist normal. Die Aufgaben sollten fachliche Kenntnisse zeigen, nicht Sprachkompetenz oder Testroutine. Berücksichtigen Sie Studierende mit Nachteilsausgleich oder anderer Erstsprache.
  • Eigenständigkeit: Die Aufgaben dienen der ehrlichen Standortbestimmung. Wenn Studierende sie mit KI lösen, verliert sie ihren Sinn. Erklären Sie das und führen Sie sie, wenn möglich, in Präsenz durch.
  • Nutzen für die Studierenden: Wer eine Rückmeldung ohne Hilfe erhält, bleibt frustriert zurück. Verbinden Sie jede Diagnose mit konkreten Angeboten.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Herr Meier will in der ersten Woche feststellen, was seine Studierenden mitbringen. Er nennt der KI fünf Voraussetzungen und erhält zehn Aufgaben, von denen er sieben behält.

Vorher: Er unterrichtet für die Mitte der Gruppe, ein Drittel wird abgehängt, ein Drittel gelangweilt. Nachher: Die Studierenden lösen die Aufgaben anonym in 15 Minuten und sehen am Bildschirm eine Rückmeldung. Die Auswertung zeigt, dass viele Prozentrechnen beherrschen, aber nur wenige Variablen erklären können. Er plant in der zweiten Woche eine Übungsstunde und stellt Auffrischungsmaterial bereit. Eine Aufgabe der KI mit unklarer Lösung hat er gestrichen. Wer will, spricht in der Sprechstunde über die Ergebnisse.

So hilft Ihnen Alpasana

Gute Diagnoseaufgaben entstehen mit präzisen Anfragen an die KI. Der Online-Kurs Prompt Engineering von absofort übt, Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festzulegen, schrittweise zu arbeiten, Prompts zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen. Er berücksichtigt den Datenschutz, verlangt keine Programmierkenntnisse und endet mit einem Zertifikat.

Die didaktischen Entscheidungen für Ihr Modul treffen Sie.

Häufige Fragen

Soll die Diagnose benotet werden?

Eine Benotung kann die Bereitschaft beeinflussen, Unsicherheiten offen zu zeigen; die Wirkung hängt jedoch von Aufgabe und Rahmen ab. Klären Sie, ob eine Bewertung nötig ist, und kommunizieren Sie Zweck und Verwendung der Ergebnisse transparent. Für eine formative Standortbestimmung steht die Rückmeldung und Förderung im Vordergrund.

Wie viele Aufgaben sind sinnvoll?

Die passende Bearbeitungszeit hängt von Lernziel, Aufgabenart und Gruppe ab. Halten Sie die Aufgabe so kurz wie möglich und erproben Sie, ob die verfügbare Zeit für eine aussagekräftige Bearbeitung genügt.

Was geschieht mit den Ergebnissen?

Sie nutzen sie für die Planung und geben Studierenden Hilfe. Weitere Ideen für den Einstieg in Lehrveranstaltungen: Vorwissen aktivieren: Mit KI passende Einstiege entwickeln.

Wie gehe ich mit grossen Unterschieden um?

Differenzieren Sie mit Wahlaufgaben, Hilfeangeboten und einem Brückenkurs. Dazu Brückenkurse mit KI auf unterschiedliche Wissenslücken abstimmen.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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