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Warum sehe ich Werbung für Dinge, die mich beschäftigen?
Kurz gesagt
Werbeplattformen sammeln Spuren wie Suchanfragen, Klicks, besuchte Websites, Standort und Käufe und lassen KI daraus Ihre vermuteten Interessen errechnen. Passt eine Anzeige verblüffend gut, steckt meist dieses Profil dahinter. In den Werbeeinstellungen von Google, Meta und Ihrem Handy können Sie die Personalisierung stark einschränken.
Das Problem
Sie haben gestern mit Ihrer Schwester über neue Gartenmöbel gesprochen, und heute zeigt Ihnen das Handy Anzeigen für Lounge-Sets. Oder Sie haben sich über Rückenschmerzen informiert, und seither folgen Ihnen Matratzen-Angebote durchs Internet.
Das fühlt sich an, als würde jemand mitlesen oder mithören. Es ist unangenehm, besonders wenn es um persönliche Themen wie Gesundheit, Geld oder Trauer geht.
Wer nicht weiss, wie diese Treffsicherheit entsteht, kann weder einschätzen, was harmlos ist, noch gezielt etwas dagegen tun. Die gute Nachricht: Sie haben mehr Einfluss, als Sie denken.
Wie entsteht ein Werbeprofil?
Grosse Werbeplattformen verbinden viele kleine Spuren zu einem Werbeprofil, einer Sammlung vermuteter Interessen, Lebensumstände und Kaufabsichten. KI-Modelle, also Programme, die aus riesigen Datenmengen Muster lernen, schätzen dann ab, welche Anzeige Sie am wahrscheinlichsten anklicken.
Typische Quellen sind:
| Spur | Beispiel | Was die KI daraus ableiten kann |
|---|---|---|
| Suchanfragen | «Rückenschmerzen nach dem Aufstehen» | Interesse an Gesundheit, Matratzen, Physiotherapie |
| Besuchte Websites | Möbelhaus, Gartencenter | konkrete Kaufabsicht |
| Klicks und Verweildauer | Sie schauen ein Video lange an | starkes Interesse am Thema |
| Standort | regelmässig im Fitnesscenter | Lebensstil, Wohnregion |
| App-Nutzung | Wetter-, Garten- und Kochapps | Hobbys und Tagesablauf |
| Käufe und Kundenkarten | Online-Bestellungen | Haushalt, Budget, Lebensphase |
Dazu kommt das «Verhalten ähnlicher Menschen»: Wer sich wie Sie verhält und später Gartenmöbel gekauft hat, macht Sie zum Ziel derselben Anzeigen. Das Prinzip ist dasselbe wie bei Empfehlungssystemen, die Ihnen Filme oder Produkte vorschlagen.
Oft wird vermutet, das Handy höre Gespräche ab. Die grossen Plattformen bestreiten das. Für die verblüffenden Treffer ist es meist auch nicht nötig: Ihre Schwester hat vielleicht selbst nach Gartenmöbeln gesucht, Sie waren im selben WLAN, und die Saison passt.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Fragen Sie die Anzeige selbst. Tippen Sie bei einer Anzeige auf die drei Punkte oder das kleine «i» und wählen Sie «Warum sehe ich diese Anzeige?». Dort steht oft, welche Merkmale verwendet wurden.
- Öffnen Sie Ihr Google-Werbecenter. Melden Sie sich bei Google an und öffnen Sie myadcenter.google.com. Dort können Sie personalisierte Werbung ausschalten oder einzelne Themen ausblenden.
- Prüfen Sie Facebook und Instagram. Öffnen Sie in der App Einstellungen → Kontenübersicht → Werbepräferenzen. Entfernen Sie Interessen, die Sie nicht mehr beworben haben möchten, und prüfen Sie, welche Daten von Partnern stammen. Die Menünamen können sich ändern.
- Schränken Sie das Handy ein. Auf dem iPhone: Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Tracking und den Schalter «Apps erlauben, Tracking anzufordern» ausschalten. Bei Android unter Einstellungen → Google → Alle Dienste → Werbung die Werbe-ID löschen (die Werbe-ID ist eine Nummer, mit der Apps Sie wiedererkennen).
- Lehnen Sie Cookies bewusst ab. Cookies sind kleine Dateien, die Websites im Browser speichern. Klicken Sie bei Cookie-Hinweisen auf «Nur notwendige» statt «Alle akzeptieren».
- Lassen Sie sich Unklares von einer KI erklären. Kopieren Sie den Text aus «Warum sehe ich diese Anzeige?» in einen KI-Chat und bitten Sie um eine einfache Erklärung, ohne dabei Namen oder Kontodaten einzufügen.
- Verlangen Sie Auskunft, wenn Sie es genau wissen wollen. Nach dem Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) dürfen Sie bei einem Unternehmen anfragen, welche Daten es über Sie bearbeitet. Ein KI-Chat hilft Ihnen beim Entwurf, siehe Vorlage.
Vorlage zum Kopieren
Hilf mir, ein kurzes, höfliches Auskunftsbegehren nach dem Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) zu schreiben.
Empfänger: [Name des Unternehmens, z. B. Online-Shop oder Plattform]
Mein Anliegen: Ich möchte wissen, welche Personendaten über mich gespeichert sind, woher sie stammen, wofür sie genutzt werden (insbesondere für Werbung und Profilbildung) und an wen sie weitergegeben werden.
Mein Kundenkonto läuft auf die E-Mail-Adresse: [Ihre E-Mail-Adresse – erst im fertigen Brief einsetzen]
Schreibe in einfachem Deutsch, ohne Drohungen, maximal 150 Wörter.
Weise mich am Ende darauf hin, welche Angaben ich selbst prüfen oder ergänzen muss.Lassen Sie im Chat Platzhalter für Name und Adresse stehen und setzen Sie Ihre echten Angaben erst im fertigen Brief oder Formular ein.
Worauf Sie achten müssen
- Keine Personendaten in den Chat: Kopieren Sie keine Kontonummern, Passwörter oder ganzen Werbeprofile mit Ihrem Namen in einen KI-Chat. Die Erklärung funktioniert auch ohne.
- Werbung verschwindet nicht: Wenn Sie Personalisierung ausschalten, sehen Sie gleich viel Werbung, nur weniger passend. Das ist so gewollt.
- Einstellungen gelten pro Konto und Gerät: Was Sie bei Google ändern, gilt nicht automatisch für Facebook, den Online-Shop oder Ihren zweiten Browser.
- Sensible Themen: Gesundheit, Religion oder politische Ansichten sind besonders schützenswerte Daten. Wer nicht möchte, dass dazu Werbeinteressen entstehen, sucht dazu besser nicht eingeloggt oder in einem privaten Browserfenster.
- Rechtliches im Einzelfall: Ob ein bestimmtes Unternehmen Ihre Daten rechtmässig für Profile nutzt, lässt sich nur im Einzelfall beurteilen. Auskunft geben der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) und die Seite Profiling und Datenschutz.
- KI-Erklärungen sind Vermutungen: Ein Chatbot kennt das echte Profil nicht. Er kann nur erklären, wie es typischerweise entsteht.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Ein pensionierter Schreiner aus Burgdorf hat online nach einem Hörgerät gesucht. Seither sieht er auf jeder Nachrichtenseite Hörgeräte-Werbung, auch auf dem Tablet seiner Frau.
Vorher: Er ärgert sich, dass «alle Welt» von seinem Hörproblem weiss, und vermutet, sein Handy höre mit.
Nachher: Über «Warum sehe ich diese Anzeige?» erfährt er, dass seine Suchen und sein Alter verwendet wurden. Im Google-Werbecenter blendet er das Thema aus, auf dem Tablet lehnt er künftig Cookies ab. Nach einigen Tagen wird die Werbung deutlich allgemeiner. Er versteht jetzt, dass das gemeinsame WLAN und dasselbe Google-Konto die Verbindung erklärt hatten.
So hilft Ihnen Alpasana
Damit Sie solche Mechanismen nicht nur bei der Werbung, sondern überall im Alltag durchschauen, bietet sich der KI-Kurs mit Zertifikat von absofort an. Die Foundation-Angebote setzen keine Vorkenntnisse voraus.
Sie lernen online in Ihrem Tempo, üben mit Praxisaufgaben und kontrollieren Ihr Wissen mit Modul-Quizzen. Zum Abschluss erhalten Sie ein Zertifikat mit eindeutiger ID, das sich öffentlich überprüfen lässt.
Häufige Fragen
Darf ein Unternehmen in der Schweiz einfach ein Werbeprofil über mich anlegen?
Das revidierte Datenschutzgesetz regelt das Profiling und verlangt unter anderem Transparenz über die Bearbeitung. Was im konkreten Fall erlaubt ist, hängt von Einwilligung, Zweck und Art der Daten ab. Für eine verbindliche Einschätzung braucht es eine fachliche Prüfung.
Hilft der private Modus im Browser?
Teilweise. Im privaten Fenster werden Cookies nach dem Schliessen gelöscht. Sind Sie aber im Fenster bei Google oder Facebook angemeldet, werden die Spuren trotzdem Ihrem Konto zugeordnet.
Ist personalisierte Werbung immer schlecht?
Nicht unbedingt. Manche Menschen finden passende Angebote praktisch. Wichtig ist, dass Sie bewusst entscheiden, wie viel Sie preisgeben wollen, statt dass das Profil unbemerkt wächst.
Wie verhindere ich, dass Werbung auf andere Geräte im Haushalt überspringt?
Verwenden Sie eigene Konten pro Person und melden Sie sich auf gemeinsam genutzten Geräten ab. Plattformen ordnen Geräte im selben Netzwerk oder mit demselben Konto oft einem Haushalt zu.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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