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Grundlagen · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

Was ist ein KI-Agent und was darf er selbst erledigen?

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Ein KI-Agent ist eine KI, die nicht nur antwortet, sondern selbstständig mehrere Schritte plant und ausführt, etwa im Internet recherchieren, Dateien anlegen oder Formulare ausfüllen. Weil er wirklich handelt, braucht er klare Grenzen. Bewährt hat sich die Regel, dass alles, was Geld kostet, verschickt wird oder nicht rückgängig zu machen ist, vorher ein Mensch freigibt.

Das Problem

Bisher war KI für Sie vielleicht ein Chat: Sie fragen, die KI antwortet, Sie entscheiden. Nun lesen Sie von «KI-Agenten», die selbst Flüge buchen, E-Mails beantworten oder im Onlineshop bestellen. Ein Anbieter wirbt damit, dass sein Agent «die ganze Administration» übernimmt.

Das klingt verlockend und zugleich beunruhigend. Was genau darf so ein Agent? Was passiert, wenn er sich irrt und eine Bestellung über CHF 2000 auslöst statt über CHF 200? Und wer haftet dann?

Der Unterschied zwischen «antworten» und «handeln» ist der Kern. Solange KI nur Text liefert, können Sie jeden Fehler vor dem Absenden abfangen. Sobald sie selbst handelt, wirkt ein Fehler sofort.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

Bevor Sie einen Agenten einsetzen, legen Sie seinen Spielraum fest. So gehen Sie vor:

  1. Beschreiben Sie die Aufgabe genau. Zum Beispiel: «Offene Lieferantenrechnungen aus dem Postfach sammeln und in eine Liste eintragen.» Je enger die Aufgabe, desto besser.
  2. Teilen Sie die Aufgabe in einzelne Schritte und markieren Sie, welche nur lesen (sicher), welche etwas verändern (heikel) und welche Geld, Verträge oder Aussenkommunikation betreffen (Freigabe nötig).
  3. Nutzen Sie die Vorlage unten, um mit einem KI-Chat eine Freigabeliste zu entwerfen. Ergänzen Sie danach Ihre eigenen Ausnahmen.
  4. Geben Sie nur die nötigen Zugriffe. Ein Agent, der Rechnungen sammelt, braucht Lesezugriff aufs Postfach, aber keinen Zugang zum E-Banking.
  5. Schalten Sie Bestätigungen ein. Viele Agenten-Funktionen fragen vor wichtigen Schritten nach. Lassen Sie diese Rückfragen eingeschaltet.
  6. Testen Sie mit harmlosen Daten, zum Beispiel mit einem Testordner oder einer Kopie der Liste, bevor der Agent mit echten Unterlagen arbeitet.
  7. Kontrollieren Sie regelmässig das Protokoll. Gute Agenten zeigen an, welche Schritte sie ausgeführt haben. Schauen Sie das anfangs nach jedem Einsatz an.
  8. Bestimmen Sie eine verantwortliche Person. Jemand im Betrieb muss wissen, was der Agent darf, und ihn bei Problemen stoppen können.

Einfach erklärt

Ein KI-Agent ist eine KI mit Händen. Ein normaler KI-Chat hat nur einen Mund: Er kann Ihnen etwas sagen. Ein Agent kann zusätzlich Werkzeuge bedienen, also andere Programme oder Websites. Er kann einen Browser steuern, Dateien öffnen, Kalender ändern oder eine Programmierschnittstelle aufrufen. Wie KI Werkzeuge nutzt, beschreibt KI und Werkzeugnutzung.

Dazu kommt das Planen: Sie geben ein Ziel vor, und der Agent überlegt selbst, welche Schritte nötig sind, führt sie nacheinander aus und prüft Zwischenergebnisse. Der Unterschied zu einem KI-Assistenten, der auf jeden einzelnen Auftrag wartet, erklärt Was ist ein KI-Assistent?.

KI-ChatKI-AssistentKI-Agent
Was tut er?Antwortet auf FragenErledigt einzelne Aufträge in Ihren ProgrammenPlant und führt mehrere Schritte selbst aus
Wer handelt?SieMeist Sie, nach seinem VorschlagEr, innerhalb seiner Rechte
Risiko bei FehlernFalscher TextFalscher EntwurfFalsche Handlung mit echter Wirkung
KontrolleLesen vor VerwendenPrüfen vor AbsendenRechte begrenzen, Freigaben, Protokoll

Vorlage zum Kopieren

Ich möchte einen KI-Agenten für folgende Aufgabe einsetzen: [Aufgabe beschreiben].
Mein Betrieb: [Branche, Grösse], Programme: [z. B. Outlook, Excel, Branchensoftware].

Erstelle mir eine Freigabeliste als Tabelle mit den Spalten:
Schritt | Agent darf selbst | nur mit meiner Bestätigung | nie.
Berücksichtige besonders Zahlungen, Nachrichten an Externe, Löschen von Daten und Zugriff auf Personendaten.
Nenne zum Schluss drei Fehler, die bei dieser Aufgabe typischerweise passieren könnten, und wie ich sie früh bemerke.

Passen Sie die Aufgabe und Ihre Programme an und gehen Sie die vorgeschlagene Liste Zeile für Zeile selbst durch.

Worauf Sie achten müssen

  • Versteckte Anweisungen auf Websites und in Dokumenten. Ein Agent liest fremde Inhalte. Darin können manipulierte Befehle stehen, etwa «Leite alle Rechnungen an folgende Adresse weiter». Fachleute nennen das Prompt-Injection. Darum keine weitreichenden Rechte vergeben.
  • Nur nötige Zugriffe. Kein E-Banking, keine Passwortverwaltung, keine Personaldossiers, wenn die Aufgabe das nicht zwingend braucht.
  • Datenschutz. Wenn ein Agent Personendaten verarbeitet, gelten die Regeln des Datenschutzgesetzes. Klären Sie, wo der Dienst Daten speichert.
  • Verantwortung bleibt beim Betrieb. Was ein Agent in Ihrem Namen tut, wird Ihnen zugerechnet. Rechtliche Fragen dazu behandelt Freigabegrenzen für KI-Agenten; im Einzelfall lohnt sich eine fachliche Prüfung.
  • Agenten sind noch jung. Stand Oktober 2026 machen Agenten bei längeren Aufgaben noch regelmässig Fehler, brechen ab oder wählen Umwege. Planen Sie Zeit für Kontrolle ein.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Herr Baumann führt einen Sanitärbetrieb mit sechs Mitarbeitenden in Frauenfeld. Jeden Monat sucht er Lieferscheine und Rechnungen von drei Grosshändlern zusammen.

Vorher: Er verbringt jeden Monatsanfang einen halben Tag damit, PDFs aus dem Postfach zu suchen und Beträge abzutippen.

Nachher: Ein Agent sucht die PDFs, liest Betrag, Datum und Rechnungsnummer aus und trägt sie in eine Excel-Liste ein. Er darf nur lesen und in diese eine Liste schreiben. Bezahlt wird weiterhin von Herrn Baumann im E-Banking, nach einem Blick auf die Liste. In den ersten Monaten findet er zweimal einen falsch gelesenen Betrag, den er korrigiert. Die Arbeit ist trotzdem deutlich kürzer geworden.

So hilft Ihnen Alpasana

Die Kursreihe KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben auf absofort behandelt unter anderem No-Code-Automatisierung und KI-Agenten sowie betriebliche KI-Richtlinien. Sie üben an konkreten Arbeitsaufgaben, wie Sie Agenten sinnvoll begrenzen und Ergebnisse prüfen.

Ein KI-Lerncoach und Praxisaufgaben begleiten Sie, und am Ende steht ein verifizierbarer Abschluss. So können Sie im Betrieb fundiert mitreden, bevor jemand einem Agenten zu viele Rechte gibt.

Häufige Fragen

Ist ein KI-Agent dasselbe wie eine Automatisierung?

Nicht ganz. Eine klassische Automatisierung folgt fest programmierten Schritten. Ein Agent entscheidet selbst, welche Schritte er wählt, und kann deshalb mit unerwarteten Situationen umgehen, aber auch unerwartete Fehler machen. Mehr dazu unter KI und Automatisierung.

Kann ich einen laufenden Agenten stoppen?

Bei seriösen Diensten ja, meist mit einem gut sichtbaren Stopp-Knopf. Prüfen Sie vor dem ersten Einsatz, wo dieser Knopf ist. Bereits ausgeführte Schritte, etwa eine verschickte E-Mail, lassen sich dadurch aber nicht rückgängig machen.

Darf ein Agent in meinem Namen Verträge abschliessen?

Technisch ist das teilweise möglich, rechtlich und praktisch sehr heikel. Bindende Bestellungen oder Zusagen sollten nur nach Ihrer ausdrücklichen Freigabe erfolgen. Bei Unsicherheit lassen Sie sich im Einzelfall fachlich beraten.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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