Didaktik & Methoden · Prompt Engineering
Kollegiale Fallberatung: KI für gute Beratungsfragen nutzen
Kurz gesagt
Bei der kollegialen Fallberatung bringen Teilnehmende einen Fall aus der Praxis ein, und die Gruppe berät in festen Phasen. Eine KI kann allgemeine Fragen und Ablaufkarten für die Phasen vorbereiten; Fälle selbst, Namen und vertrauliche Details gehören nie in öffentliche KI-Dienste.
Das Problem
Frau Keller leitet an einer Berufsfachschule einen Weiterbildungskurs für Praxisbildnerinnen und Praxisbildner. Die Teilnehmenden bringen aus ihrem Berufsalltag schwierige Situationen mit: Eine Lernende kommt dauernd zu spät, ein Lernender stört den Betrieb. Im Kurs möchte sie diese Fälle nicht nur besprechen, sondern gemeinsam bearbeiten.
Die kollegiale Fallberatung ist ein Verfahren dafür. Eine Person (die Fallgeberin) schildert eine Situation aus der Praxis, die anderen stellen Fragen, sammeln Deutungen und machen Vorschläge. Der Ablauf ist in Phasen gegliedert, meist: Fall schildern, Fragen klären, Hypothesen sammeln, Lösungsideen entwickeln, Entscheidung und Abschluss. Eine Moderation sorgt für die Einhaltung der Phasen.
Der Haken: Es kommt auf die Fragen an. Wer zu früh Lösungen anbietet, verfehlt den Sinn. Eine KI kann Ihnen helfen, Fragen für die einzelnen Phasen vorzubereiten. Der Fall selbst darf niemals in einen öffentlichen KI-Dienst, denn Fälle enthalten oft vertrauliche Informationen über Menschen.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Ziel und Rahmen klären. Wählen Sie ein Fallberatungsmodell (zum Beispiel mit sechs Phasen) und legen Sie Zeit pro Phase fest. Das Verfahren muss allen bekannt sein.
- Vertraulichkeit vereinbaren. Besprechen Sie vor dem Start: Was im Raum besprochen wird, bleibt im Raum. Fälle werden anonymisiert, ohne Namen von Personen oder Betrieben.
- Allgemeine Fragen vorbereiten lassen. Bitten Sie die KI mit der Vorlage unten um Fragen pro Phase. Sie arbeitet dabei nur mit dem Kursthema und einer erfundenen, typischen Situation, nie mit echten Fällen.
- Fragen auswählen und anpassen. Streichen Sie Fragen, die bewerten, vorschnell lösen oder als Vorwurf wirken («Warum haben Sie nicht …?»). Gute Fragen sind offen und wertfrei.
- Ablaufkarte erstellen. Schreiben Sie die Phasen mit Zeit, Aufgabe der Fallgeberin und Aufgabe der Gruppe auf eine Karte. Die Moderation hat sie zur Hand.
- Fallberatung durchführen. Die Fallgeberin schildert ihren Fall, die Gruppe fragt nach. Notizen macht die Gruppe selbst, ohne digitale Hilfsmittel für den Fall.
- Ergebnis festhalten. Die Fallgeberin entscheidet, was sie aus den Vorschlägen mitnimmt. Sie formuliert einen nächsten Schritt in eigenen Worten.
- Verfahren auswerten. Fragen Sie: Hat uns der Ablauf geholfen? Welche Fragen waren hilfreich? So verbessern Sie die Ablaufkarte.
Vorlage zum Kopieren
Du unterstützt mich als Kursleiterin bei der Vorbereitung einer kollegialen Fallberatung. Zielgruppe: [z. B. Praxisbildnerinnen und Praxisbildner]. Thema: [z. B. Umgang mit Verspätungen im Betrieb] (allgemein, KEIN echter Fall).
Phasen: 1 Fall schildern, 2 Verständnisfragen, 3 Hypothesen sammeln, 4 Lösungsideen, 5 Entscheidung, 6 Abschluss.
Aufgabe:
1. Schlage für jede Phase drei bis vier Fragen vor, die offen, wertfrei und für Erwachsene mit Berufserfahrung geeignet sind.
2. Gib an, welche Fragen die Phase 2 (nur Verständnis, noch keine Lösung) vorbereiten.
3. Nenne drei typische Fehler der Gruppe (z. B. zu früh Ratschläge geben) und jeweils einen Hinweis für die Moderation.
4. Gib keine inhaltlichen Ratschläge zum Thema und verlange keine echten Fallschilderungen.Setzen Sie ein allgemeines Thema ein. Echte Fälle bleiben im Raum und werden nicht in die KI getippt.
| Phase | Zweck | Beispielfrage |
|---|---|---|
| Fall schildern | Situation erfassen | Was ist passiert, und was beschäftigt Sie daran? |
| Verständnisfragen | Klären | Wer war beteiligt, was wurde gesagt? |
| Hypothesen | Deutungen sammeln | Was könnte dahinterstecken? |
| Lösungsideen | Handlungsoptionen | Was wäre ein möglicher nächster Schritt? |
| Abschluss | Entscheidung | Was nehmen Sie mit? |
Worauf Sie achten müssen
- Vertraulichkeit: Fälle enthalten oft Angaben über Dritte, etwa Lernende, Klientinnen, Mitarbeitende. Nach dem Datenschutzgesetz sind Personendaten sorgfältig zu behandeln; das gilt auch für Angaben, die indirekt auf Personen schliessen lassen. Geben Sie keine echten Fälle in öffentliche KI-Dienste ein.
- Berufsgeheimnis: Wer einem Berufsgeheimnis untersteht, etwa in Gesundheit oder Beratung, darf Fälle nur anonymisiert und im Rahmen der Regeln besprechen. Klären Sie das im Einzelfall mit Ihrer Organisation.
- Vorschnelle Lösungen: KI neigt zu sofortigen Ratschlägen. Fallberatung lebt vom Fragen, Zuhören und Deuten. Lassen Sie die KI nur Fragen sammeln.
- Keine Ferndiagnosen: Weder die KI noch die Gruppe stellen Diagnosen über Personen. Es geht um Handlungsoptionen der Fallgeberin.
- Psychische Belastung: Wenn ein Fall stark belastet, gehört er in eine Supervision oder eine Beratung und nicht in eine Kursübung. Bei akuten Krisen verweisen Sie auf Fachstellen.
- Freiwilligkeit: Niemand muss einen Fall einbringen. Sie können mit erfundenen Beispielen üben.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller will in ihrem Kurs die Fallberatung einführen. Sie bittet die KI um Fragen zum allgemeinen Thema «Umgang mit Verspätungen» und um eine Ablaufkarte.
Vorher: Die Gruppe diskutiert Fälle frei, schon nach zwei Minuten kommen Ratschläge, die Fallgeberin fühlt sich bedrängt. Nachher: Die Ablaufkarte mit den Phasen und Fragen hängt an der Wand, der Moderator achtet auf die Reihenfolge. In der Verständnisphase fragt die Gruppe zum ersten Mal wirklich nach. Zwei KI-Fragen («Warum haben Sie das nicht früher gesagt?») hat Frau Keller gestrichen, weil sie vorwurfsvoll klingen. Der Fall der Teilnehmerin bleibt auf dem Papier und im Raum.
So hilft Ihnen Alpasana
Gute Fragen entstehen aus präzisen Aufträgen. Im Online-Kurs Prompt Engineering von absofort üben Sie, Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festzulegen, Ergebnisse zu prüfen und den Datenschutz zu berücksichtigen. Der Kurs setzt keine Programmierkenntnisse voraus und schliesst mit einem Zertifikat ab.
Für Fragen der Vertraulichkeit in Ihrem Berufsfeld sind Ihre Organisation und gegebenenfalls eine Fachstelle zuständig.
Häufige Fragen
Wie viele Personen braucht eine Fallberatung?
Eine Gruppe von vier bis acht Personen funktioniert gut. Dazu kommen eine Fallgeberin und eine Moderation. Bei grösseren Kursen bilden Sie mehrere Gruppen.
Darf ich echte Fälle in eine firmeninterne KI eingeben?
Das hängt von den Regeln Ihrer Organisation und der Art der Daten ab. Selbst bei internen Systemen gilt: nur anonymisiert und nach Rücksprache mit der Datenschutzstelle. Fälle gehören grundsätzlich in die Gruppe, nicht in eine KI.
Was ist der Unterschied zur Supervision?
Supervision wird von einer ausgebildeten Fachperson geleitet und vertieft die berufliche Rolle. Kollegiale Fallberatung geschieht unter Gleichgestellten nach einem festen Ablauf. Weitere Ideen für Kurse finden Sie bei Fallvignetten für Seminare mit KI entwickeln.
Wie gehe ich mit Konflikten in der Gruppe um?
Unterbrechen Sie, erinnern Sie an die Regeln und trennen Sie Sachfragen von persönlichen Vorwürfen. Bei Bedarf wechseln Sie zu einem erfundenen Fall.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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