Didaktik & Methoden · Prompt Engineering
Forschendes Lernen: Forschungsfragen mit KI eingrenzen
Kurz gesagt
Beim forschenden Lernen entwickeln Lernende eine eigene Frage und untersuchen sie. Eine KI kann als Rückfragehilfe dienen, die prüft, ob eine Frage eng genug und untersuchbar ist, ohne sie umzuschreiben; die Frage bleibt die der Lernenden, und Sie behalten die Begleitung.
Das Problem
Frau Keller lässt ihre 8. Klasse im Fach Natur, Mensch, Gesellschaft eigene Fragen untersuchen. Die Fragen, die zusammenkommen, sind selten brauchbar: «Warum ist das Wetter so?», «Wie funktioniert das Internet?», «Ist Plastik schlecht?» Solche Fragen sind zu weit, nicht beantwortbar oder bestehen schon aus einem Urteil.
Forschendes Lernen bedeutet, dass Lernende eine eigene Frage entwickeln, Wege zur Beantwortung planen, Daten sammeln, auswerten und die Ergebnisse darstellen. Der Reiz liegt im eigenen Erkenntnisinteresse: Die Frage soll die Lernenden wirklich interessieren. Der Haken: Eine gute Forschungsfrage zu finden, ist die schwierigste Phase und braucht viel Begleitung.
Eine KI kann hier als Rückfragehilfe wirken. Sie nimmt die Frage der Lernenden nicht ab, sondern stellt Gegenfragen: Was genau meinst du? Woran würdest du es erkennen? Wie könntest du das untersuchen? Dazu muss sie ausdrücklich so angeleitet sein.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Kriterien für gute Fragen klären. Erarbeiten Sie mit der Klasse, woran sich eine gute Forschungsfrage erkennen lässt: Sie ist klar formuliert, eingegrenzt, in der verfügbaren Zeit untersuchbar und nicht schon mit Ja oder Nein beantwortet.
- Eigene Fragen sammeln. Lassen Sie die Lernenden zuerst allein Fragen aufschreiben. So bleibt das Erkenntnisinteresse bei ihnen.
- Rückfragehilfe vorbereiten. Erstellen Sie mit dem Prompt unten eine Anweisung, die die KI auf Rückfragen beschränkt. Probieren Sie sie vorher selbst aus.
- Einsatzform festlegen. Bei jüngeren Lernenden führen Sie das Gespräch gemeinsam an einem Gerät. Ältere Lernende können es zu zweit erproben. Persönliche Angaben dürfen nicht eingegeben werden.
- Frage überarbeiten lassen, aber nicht von der KI. Die Lernenden formulieren die Frage neu und halten fest, was sich geändert hat.
- Untersuchbarkeit prüfen. Fragen Sie: Welche Daten oder Beobachtungen brauchst du? Wie kommst du dazu? Wie lange dauert das? Wenn es nicht klar ist, wird die Frage nochmals eingegrenzt.
- Fachlich absichern. Prüfen Sie, ob die Frage fachlich sinnvoll ist, und klären Sie Sicherheit, Datenschutz und Zugang zu Material oder Personen.
- Festhalten und weiterarbeiten. Die Lernenden notieren Frage, Vermutung und Vorgehen. Damit startet die Untersuchung. Mehr zu Vermutungen: Hypothesen mit KI schärfen, Ergebnisse offenlassen.
Vorlage zum Kopieren
Du bist eine Rückfragehilfe für Lernende beim forschenden Lernen. Du schreibst NIE selbst eine Forschungsfrage und gibst keine Antworten auf die Frage. Du stellst nur Rückfragen.
Stufe: [Stufe]. Fach: [Fach]. Zeit für die Untersuchung: [z. B. 3 Wochen].
Die Frage der Lernenden lautet: «[Frage der Lernenden]»
Aufgabe:
1. Stelle höchstens drei Rückfragen, die helfen zu klären: Was genau ist gemeint? Woran würde man es erkennen? Wie könnte man das in der verfügbaren Zeit untersuchen?
2. Weise darauf hin, wenn die Frage schon ein Urteil enthält oder nur mit Ja/Nein beantwortbar ist, und frage, wie man sie offener fassen könnte.
3. Warte auf die Antwort, bevor du weitere Fragen stellst.
4. Verwende einfache Sprache für [Alter].Setzen Sie die Frage der Lernenden ein, ohne Namen. Nach jeder Rückfrage überarbeiten die Lernenden ihre Formulierung selbst.
| Zu weit | Eingegrenzt und untersuchbar |
|---|---|
| Ist Plastik schlecht? | Wie viele Plastikteile finden wir in einer Stunde Aufräumen am Bach neben dem Schulhaus? |
| Wie funktioniert das Internet? | Wie lange braucht ein Foto in unserer Schule zum Hochladen bei verschiedenen Dateigrössen? |
| Warum ist das Wetter so? | Wie unterscheidet sich die Temperatur auf Schulhof und im Schatten über zwei Wochen? |
Worauf Sie achten müssen
- Eigenständigkeit: Die KI darf Fragen stellen, nicht formulieren. Prüfen Sie, ob sich die Rückfragehilfe an die Anweisung hält; manche Dienste liefern trotzdem Fragevorschläge.
- Fachliche Richtigkeit: KI-Rückfragen können fachlich schief liegen. Beurteilen Sie, ob die Frage sachlich sinnvoll ist.
- Datenschutz und Alter: Viele KI-Dienste verlangen ein Konto und haben Altersgrenzen. Geben Sie keine Namen oder Schülerdaten ein und klären Sie die Regeln Ihrer Schule und Ihres Kantons.
- Sicherheit und Ethik: Untersuchungen mit Personen (Umfragen, Interviews) oder Experimenten brauchen Regeln. Klären Sie Einverständnis, Datenschutz und Sicherheit, bevor Lernende loslegen.
- Interessen respektieren: Wenn Sie zu stark steuern, verlieren Lernende die Motivation. Lassen Sie auch Fragen zu, die Sie selbst nicht gewählt hätten, solange sie untersuchbar sind.
- Gerechtigkeit: Nicht alle haben zu Hause Zugang zu Material oder Technik. Planen Sie Untersuchungen, die in der Schule möglich sind.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Ein Schüler möchte wissen, «ob Energydrinks gefährlich sind». Frau Keller lässt die Klasse am Gerät die Rückfragehilfe ausprobieren, die nur Gegenfragen stellt.
Vorher: Die Frage ist zu gross, eine seriöse Untersuchung im Schulrahmen ist nicht möglich. Nachher: Auf Rückfragen wie «Was meinst du mit gefährlich?» und «Woran erkennst du das?» formuliert er selbst um: «Wie viel Zucker steckt in den Getränken, die in unserer Klasse getrunken werden, im Vergleich zu den Angaben auf der Verpackung?» Frau Keller prüft, dass die Frage keine Gesundheitsdaten einzelner Mitschüler verlangt, und sie lässt ihn die Etiketten untersuchen, statt zu fragen, wer was trinkt.
So hilft Ihnen Alpasana
Eine Rückfragehilfe funktioniert nur, wenn die Anweisung präzise ist: Aufgabe, Rolle, Grenzen und Ausgabeformat müssen klar festgelegt sein. Im Online-Kurs Prompt Engineering von absofort lernen Sie, genau das zu formulieren, Prompts zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen. Datenschutz wird berücksichtigt; Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich, der Kurs schliesst mit einem Zertifikat.
Ob und wie KI mit Lernenden eingesetzt wird, entscheiden Sie im Rahmen der Vorgaben Ihrer Schule.
Häufige Fragen
Muss die KI überhaupt dabei sein?
Nein. Das Gespräch mit Mitlernenden oder der Lehrperson ist oft wirksamer. Die KI kann ergänzen, wenn Sie nicht bei allen gleichzeitig sein können, ersetzt aber das Fachgespräch nicht.
Wie viele Rückfragen sind sinnvoll?
Zwei bis drei pro Runde genügen. Mehr Fragen führen eher zu Verwirrung als zu Klarheit.
Was, wenn die Frage nicht untersuchbar bleibt?
Dann wählen Sie gemeinsam einen Teilaspekt, der mit den vorhandenen Mitteln beantwortbar ist. Auch das Scheitern einer Frage ist ein Lernergebnis.
Funktioniert das auch in der Hochschule?
Das Vorgehen ist übertragbar. Für Seminare finden Sie Anregungen bei Forschendes Lernen mit KI planen, ohne Ergebnisse vorzugeben.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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