Didaktik & Methoden · Prompt Engineering
Anderson und Krathwohl: Planungsmatrix mit KI ausfüllen
Kurz gesagt
Die Anderson-Krathwohl-Taxonomie ordnet Lernziele nach zwei Achsen: Was wird gewusst (Wissensdimension) und was wird damit getan (Prozessdimension). Eine KI kann Ihre Ziele vorsortieren und Lücken in der Matrix zeigen; ob eine Zuordnung stimmt, entscheiden Sie anhand Ihrer Aufgaben.
Das Problem
Frau Keller plant eine Unterrichtsreihe zum Thema Wasserkreislauf. Ihre Ziele klingen gut: «Die Lernenden kennen den Kreislauf», «verstehen Verdunstung», «beurteilen Wasserverbrauch». Beim Durchlesen fällt ihr auf, dass fast alle Ziele auf derselben Stufe liegen, nämlich beim Erinnern und Erklären. Anwenden und Beurteilen kommen kaum vor, und welche Art von Wissen gefragt ist, bleibt unklar.
Genau dafür wurde die Anderson-Krathwohl-Taxonomie entwickelt. Sie ist die 2001 veröffentlichte Überarbeitung der bekannten Bloom-Taxonomie (eine Ordnung von Lernzielen nach Denkanforderungen). Die Revision ordnet Wissens- und Prozessdimension in einer Matrix und trennt damit zwei Fragen, die sonst vermischt werden: Welche Art von Wissen brauchen die Lernenden, und welchen Denkprozess sollen sie damit ausführen?
Von Hand eine solche Matrix für eine ganze Reihe auszufüllen, ist mühsam. Eine KI kann dabei als Sortierhilfe dienen. Die fachliche Verantwortung bleibt bei Ihnen, denn die KI kennt weder Ihre Klasse noch Ihre Aufgaben.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Ziele sammeln. Schreiben Sie alle Lernziele der Reihe in einfacher Form auf, ein Ziel pro Zeile. Verwenden Sie Ihre eigenen Formulierungen, keine Lernendendaten.
- Die beiden Achsen kennen. Die Wissensdimension unterscheidet faktisches Wissen (Begriffe, Daten), konzeptuelles Wissen (Zusammenhänge, Modelle), prozedurales Wissen (Verfahren, Methoden) und metakognitives Wissen (Wissen über das eigene Lernen). Die Prozessdimension kennt sechs Stufen: erinnern, verstehen, anwenden, analysieren, beurteilen, erschaffen.
- Matrix als Tabelle anlegen. Vier Zeilen für das Wissen, sechs Spalten für die Prozesse ergeben 24 Felder. Lassen Sie die KI die Tabelle leer als Textvorlage erzeugen oder zeichnen Sie sie selbst.
- Vorschlag erzeugen lassen. Geben Sie die Ziele mit dem Prompt unten ein. Verlangen Sie für jede Zuordnung eine Begründung in einem Satz. So sehen Sie, worauf sich die KI stützt.
- Jede Zuordnung am Original prüfen. Schauen Sie nicht nur auf das Ziel, sondern auf die geplante Aufgabe oder Prüfungsfrage. Ein Ziel mit dem Verb «verstehen» kann je nach Aufgabe beim Erinnern oder beim Analysieren liegen.
- Leere und überfüllte Felder lesen. Häufen sich alle Ziele links oben (faktisches Wissen, erinnern), ist die Reihe oft zu wenig anspruchsvoll. Bleiben ganze Spalten leer, fehlen Denkprozesse, die Sie bewusst einplanen können.
- Ziele anpassen, nicht die Matrix. Ergänzen oder präzisieren Sie Ziele nur dort, wo es didaktisch Sinn ergibt. Nicht jedes Feld muss gefüllt sein.
- Mit Aufgaben und Beurteilung abgleichen. Prüfen Sie, ob Übungen und Prüfung dieselben Felder abdecken wie die Ziele. Das ist der Gedanke hinter Constructive Alignment mit KI: Vorlage für die Lehre.
Vorlage zum Kopieren
Du unterstützt mich als Lehrperson bei der Unterrichtsplanung. Stufe: [z. B. 6. Klasse]. Fach: [Fach]. Thema der Reihe: [Thema].
Hier sind meine Lernziele (ein Ziel pro Zeile):
[Ziel 1]
[Ziel 2]
[Ziel 3]
Aufgabe:
1. Ordne jedes Ziel in der Taxonomiematrix nach Anderson und Krathwohl ein: Wissensdimension (faktisch, konzeptuell, prozedural, metakognitiv) und Prozessdimension (erinnern, verstehen, anwenden, analysieren, beurteilen, erschaffen).
2. Begründe jede Zuordnung in einem Satz und nenne, woran du sie erkennst.
3. Wenn ein Ziel mehrdeutig ist, nenne zwei mögliche Einordnungen und die Frage, die ich klären muss.
4. Zeige am Ende die Matrix als Tabelle und nenne leere Bereiche, ohne neue Ziele zu erfinden.Passen Sie die Platzhalter an und ergänzen Sie, falls vorhanden, die geplante Prüfungsfrage zu jedem Ziel. Das verbessert die Zuordnung deutlich.
| Wissensart | Beispiel Wasserkreislauf | Passender Denkprozess |
|---|---|---|
| Faktisch | Namen der Stationen im Kreislauf | erinnern |
| Konzeptuell | Warum Wasser verdunstet und kondensiert | verstehen, analysieren |
| Prozedural | Ein Experiment zur Verdunstung durchführen | anwenden |
| Metakognitiv | Eigene Fehlvorstellungen zum Regen erkennen | beurteilen |
Worauf Sie achten müssen
- Fachliche Zuordnung: KI ordnet nach Wortlaut, nicht nach Ihrer Aufgabe. Ein Verb wie «kennen» kann Erinnern oder Verstehen bedeuten. Entscheidend ist die Aufgabe, an der das Ziel überprüft wird.
- Starre Hierarchie: Die Prozessstufen sind keine strenge Treppe. Aufgaben im Fach Gestalten können das Erschaffen verlangen, ohne dass viel Faktenwissen vorausgeht.
- Lehrplanbezug: Der Lehrplan 21 beschreibt Kompetenzen und Kompetenzstufen. Die Matrix ersetzt sie nicht, sie hilft nur beim Planen. Ziele müssen weiterhin zum Lehrplan passen.
- Datenschutz: Geben Sie keine Namen, Noten oder Leistungsdaten von Lernenden in öffentliche KI-Dienste ein. Für die Matrix genügen Ihre Zielformulierungen.
- Bildungsgerechtigkeit: Anspruchsvolle Prozessstufen gelten für alle Lernenden. Differenzieren Sie über Hilfen und Zeit, nicht indem Sie einzelnen Gruppen nur Erinnern zutrauen.
- Eigenständigkeit: Die KI soll Ihre Planung sichtbar machen, nicht erfinden. Übernehmen Sie nichts, was Sie nicht selbst begründen können.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller gibt der KI sieben Ziele zur Reihe «Wasserkreislauf» in einer 5. Klasse ein. Die Matrix zeigt, dass fünf Ziele im Feld «faktisch, erinnern» oder «konzeptuell, verstehen» liegen. Anwenden und Beurteilen kommen je einmal vor, metakognitives Wissen gar nicht.
Vorher: Die Prüfung am Ende fragt Begriffe ab. Nachher: Frau Keller ergänzt ein Experiment zur Verdunstung (prozedural, anwenden) und eine Reflexionsfrage «Was habe ich zuerst falsch vermutet und warum?» (metakognitiv). Die Prüfung enthält nun eine kleine Auswertung eines Versuchs. Zwei Zuordnungen der KI hatte sie vorher korrigiert, weil die geplante Aufgabe höhere Anforderungen stellte als das Verb im Ziel.
So hilft Ihnen Alpasana
Wie präzise die Matrix wird, hängt davon ab, wie klar Sie der KI Aufgabe, Kontext und Ausgabeformat vorgeben. Der Online-Kurs Prompt Engineering von absofort übt genau das: Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegen, Prompts überarbeiten und Ergebnisse prüfen. Datenschutz wird dabei berücksichtigt; Programmierkenntnisse sind nicht nötig, der Kurs schliesst mit einem Zertifikat.
Welche Ziele zu Ihrer Klasse und Ihrem Kanton passen, bleibt Ihre pädagogische Entscheidung. Der Kurs hilft Ihnen, die KI als Werkzeug dafür sauber zu führen.
Häufige Fragen
Muss ich die Taxonomiematrix für jede Lektion ausfüllen?
Nein. Sinnvoll ist sie für Reihen, Semesterplanungen oder Prüfungen, um die Verteilung der Anforderungen zu sehen. Für einzelne Lektionen genügt oft ein Blick auf Verb und Aufgabe.
Was ist der Unterschied zur Bloom-Taxonomie?
Die ursprüngliche Bloom-Taxonomie von 1956 kennt eine Reihe von Stufen mit Nomen. Die Fassung von Anderson und Krathwohl nutzt Verben und trennt die Wissensart vom Denkprozess, was die Planung genauer macht. Einen Überblick mit Beispielen finden Sie unter Bloom-Taxonomie: Lernaufgaben mit KI gezielt zuordnen.
Kann die KI meine Ziele automatisch verbessern?
Sie kann Formulierungen vorschlagen, etwa beobachtbarere Verben. Ob ein Ziel zu Ihrer Klasse passt, beurteilen Sie. Hinweise zur Formulierung finden Sie bei Lernziele mit KI formulieren: Was sollen Lernende können?.
Gilt das auch in der Erwachsenenbildung?
Ja, die Matrix ist nicht an das Schulalter gebunden. In Kursen für Erwachsene kann zusätzlich der Praxistransfer wichtig sein; die Ziele sollten dann auf konkrete Anwendungssituationen verweisen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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