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Coaching verstehen · Prompt Engineering

Wertequadrat verstehen: Mit KI Balance statt Etiketten suchen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Das Wertequadrat zeigt, dass jede Stärke eine ergänzende Qualität braucht und bei Übertreibung ins Gegenteil kippen kann. Es hilft, Balance zu suchen statt sich oder andere zu etikettieren. Mit KI üben Sie an erfundenen Beispielen, bevor Sie es im Coaching einsetzen.

Das Problem

Eine Teamleiterin gilt als «sehr direkt». Für die einen ist das erfrischend, für die anderen verletzend. Ein Mitarbeiter wird als «harmoniebedürftig» bezeichnet, und niemand weiss, ob das ein Lob oder ein Vorwurf ist. Im Coaching geraten solche Beschreibungen schnell zu Etiketten, die festlegen, statt zu öffnen.

Das Wertequadrat ist ein Modell aus der Kommunikationspsychologie, das der Psychologe Friedemann Schulz von Thun bekannt gemacht hat. Die Grundidee: Jede Qualität (etwa Offenheit) braucht eine ergänzende Qualität (etwa Rücksicht), damit sie nicht kippt. Fehlt die Ergänzung, rutscht die Stärke in eine Übertreibung (etwa Taktlosigkeit). Die entgegengesetzte Übertreibung der Ergänzung wäre zum Beispiel Beliebigkeit.

Das Modell wird im Coaching häufig genutzt, ist aber ein Denkwerkzeug und keine Messmethode. Es hilft, Eigenschaften nicht als gut oder schlecht zu sehen, sondern als etwas, das Balance braucht. Eine KI kann beim Üben helfen, indem sie fiktive Beispiele entwirft. Auf reale Menschen angewandt, bleibt es eine Hypothese.

Einfach erklärt

Das Wertequadrat hat vier Ecken:

  • Oben links: die Qualität, um die es geht (z. B. Sparsamkeit).
  • Oben rechts: die ergänzende Qualität (z. B. Grosszügigkeit).
  • Unten links: die Übertreibung der ersten Qualität (z. B. Geiz).
  • Unten rechts: die Übertreibung der zweiten Qualität (z. B. Verschwendung).

Die Diagonalen zeigen die Gegensätze: Sparsamkeit steht im Gegensatz zu Verschwendung, Grosszügigkeit zu Geiz. Der Weg zur Balance führt nicht in die entgegengesetzte Ecke, sondern zur ergänzenden Qualität.

QualitätErgänzung
PositivOffenheitRücksicht
ÜbertreibungTaktlosigkeitÜbermässige Rücksichtnahme, die wichtige Anliegen verschweigt

Ein fiktives Beispiel für Ihre Übung: Nina, Projektleiterin in einem Planungsbüro, schätzt Verlässlichkeit. Sie plant alles, hält Termine ein und sagt selten Nein. Übertreibung: Starrheit, wenn sie keine Änderungen zulässt. Ergänzung: Flexibilität. Übertreibung dort: Beliebigkeit. Die Frage im Coaching lautet nicht «Warum sind Sie starr?», sondern «Wann hilft Ihnen Ihre Verlässlichkeit, und wann würde etwas Flexibilität sie ergänzen?»

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Modell zuerst selbst verstehen: Zeichnen Sie das Quadrat mit einem eigenen Beispiel von Hand, bevor Sie die KI einsetzen.
  2. Fiktiven Fall wählen: Beschreiben Sie in zwei Sätzen eine erfundene Person mit einer ausgeprägten Stärke, zum Beispiel Gründlichkeit.
  3. KI Beispiele erstellen lassen: Verwenden Sie die Vorlage unten und erbitten Sie drei Fälle mit Fantasienamen.
  4. Ecken prüfen: Stimmen Qualität, Ergänzung und beide Übertreibungen? Ändern Sie Begriffe, die Sie unpassend finden.
  5. Fragen sammeln: Formulieren Sie pro Fall zwei offene Fragen, die zur Balance führen, nicht zum Urteil.
  6. Mit einer Kollegin üben: Spielen Sie ein kurzes Gespräch durch und achten Sie darauf, ob Fragen als Vorwurf ankommen.
  7. Im Coaching als Angebot einsetzen: Fragen Sie die Klientin, ob das Modell hilfreich sein könnte. Zwingen Sie es niemandem auf.
  8. Auswerten: Notieren Sie nach dem Gespräch, was funktioniert hat und was Sie anpassen.

Vorlage zum Kopieren

Ich übe das Wertequadrat nach Schulz von Thun an erfundenen Beispielen.
Erstelle drei fiktive Fallbeispiele aus dem Arbeitsalltag (je 3–4 Sätze,
Fantasienamen), in denen eine Stärke übertrieben wirkt.
Für jedes Beispiel:
1. Nenne die Qualität, die ergänzende Qualität und beide Übertreibungen
   in einer Tabelle mit vier Feldern.
2. Formuliere drei offene Coachingfragen, die zur Balance führen.
3. Weise darauf hin, dass dies ein fiktives Beispiel ist und keine Diagnose.
Verwende keine realen Personen oder Daten. Sprache: Deutsch (Schweiz).

Setzen Sie bei Bedarf eine Branche ein, damit die Beispiele zu Ihrer Praxis passen.

Worauf Sie achten müssen

  • Hypothese, nicht Wahrheit: Wenn Sie das Modell mit Klientinnen nutzen, bieten Sie es als Angebot an und lassen Sie die Person entscheiden, ob es passt.
  • Keine Etiketten: Sätze wie «Sie sind zu starr» sind Urteile. Fragen Sie stattdessen nach Situationen.
  • Klientendaten schützen: Geben Sie keine realen Fälle in öffentliche KI-Dienste ein. Üben Sie an erfundenen Beispielen.
  • Kulturelle Wertungen: Was als Stärke oder Übertreibung gilt, hängt von Kultur und Kontext ab. Prüfen Sie die Bezeichnungen mit der betroffenen Person.
  • Keine Therapie: Das Modell eignet sich für Alltagsthemen, nicht für die Bearbeitung von Belastungen. Bei Krisen verweisen Sie auf Fachstellen: Hausärztin, Psychotherapie, «Die Dargebotene Hand» unter 143.
Fehler im GebrauchBesserer Umgang
Person als «übertreibend» abstempelnVerhalten in konkreter Situation besprechen
Nur die Übertreibung sehenauch den Nutzen der Stärke würdigen
In die Gegenecke wechselnzur ergänzenden Qualität gehen

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine Ausbilderin aus Olten übt das Wertequadrat in einem Coaching-Kurs.

Vorher: Sie sagt einem Kursteilnehmer, er sei «zu ehrgeizig», und merkt, dass er sich verschliesst.

Nachher: Sie bereitet mit der KI drei fiktive Beispiele vor und übt die Fragen mit einer Kollegin. Im nächsten Gespräch fragt sie: «Wann hilft Ihnen Ihr Ehrgeiz, und wann wünschen Sie sich mehr Gelassenheit?» Der Teilnehmer erkennt beide Seiten, nennt selbst einen Moment, in dem er zu hart war, und überlegt, wie er etwas gelassener sein könnte, ohne Ehrgeiz abzulegen.

So hilft Ihnen Alpasana

Das Üben mit fiktiven Beispielen setzt gute Aufträge an die KI voraus. Der Kurs Prompt Engineering von absofort.ch behandelt laut Beschreibung Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat, das Überarbeiten von Prompts und das Prüfen von Ergebnissen sowie Datenschutz. Es ist ein Online-Kurs mit Zertifikat, ohne Programmierkenntnisse.

Für eigene Klärungen in einem Gespräch bietet my-coach.ch ein kostenloses, unverbindliches Erstgespräch.

Häufige Fragen

Wer hat das Wertequadrat entwickelt?

Es wird meist mit Friedemann Schulz von Thun in Verbindung gebracht, der das Modell in der Kommunikationspsychologie bekannt machte. Die Idee geht auf frühere philosophische Gedanken zurück.

Passt das Modell zu jedem Thema?

Nein. Es eignet sich für Eigenschaften und Haltungen, nicht für Sachfragen oder Konflikte mit klaren Regeln.

Kann die KI ein Wertequadrat für meine Klientin erstellen?

Das raten wir ab. Sie kennt die Person nicht, und Klientendaten gehören nicht in öffentliche Dienste. Entwickeln Sie das Quadrat gemeinsam im Gespräch.

Wie unterscheidet es sich von Reframing?

Reframing deutet eine Situation neu, das Wertequadrat sucht Balance. Dazu: Reframing im Coaching prüfen.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

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