Zum Inhalt springen

Berufe & Funktionen · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

Fragen fürs Vorstellungsgespräch mit KI vorbereiten

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Die KI schlägt aus Stellenprofil und Aufgaben passende Fragen vor und ordnet sie in einen Gesprächsleitfaden. Wählen Sie nur Fragen, die mit der Stelle zu tun haben, und stellen Sie allen Bewerbenden dieselben Kernfragen. Fragen zu Familienplanung, Religion oder Gesundheit sind in der Regel unzulässig.

Das Problem

Frau Müller soll morgen mit einer Bewerberin sprechen. Sie hat die Unterlagen gelesen, aber keine Ahnung, was sie fragen soll. «Erzählen Sie etwas über sich» ist ein Anfang, aber danach ist die Luft draussen. Ohne Plan werden Gespräche zufällig, und je nach Sympathie fragt man den einen mehr als die andere.

Gute Gespräche sind vorbereitet. Sie prüfen, ob die Person die Aufgaben der Stelle kann, ob sie zum Team passt und ob die Bedingungen für beide stimmen. Wer allen Bewerbenden dieselben Kernfragen stellt, kann sie fair vergleichen.

Wichtig sind auch die Grenzen. Der Arbeitgeber darf nur Fragen stellen, die für die Eignung oder die Durchführung des Arbeitsvertrags nötig sind (Art. 328b OR, in Verbindung mit dem Datenschutz). Eine KI kennt diese Grenze nicht zuverlässig, deshalb muss die Liste von Ihnen geprüft werden.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Stelle verstehen. Legen Sie Aufgaben und Muss-Kriterien der Stelle bereit. Sie sind Ihre Grundlage für jede Frage.
  2. Kriterien festlegen. Wählen Sie fünf bis sieben Punkte, die Sie prüfen wollen, zum Beispiel Fachwissen, Zuverlässigkeit, Zusammenarbeit, Umgang mit Kundschaft.
  3. Fragen sammeln lassen. Geben Sie der KI Stelle und Kriterien und lassen Sie sich pro Kriterium zwei bis drei Fragen vorschlagen, dazu eine Nachfrage.
  4. Verhaltensfragen bevorzugen. Fragen wie «Erzählen Sie von einer Situation, in der …» zeigen mehr als «Sind Sie teamfähig?».
  5. Unzulässiges streichen. Entfernen Sie Fragen zu Schwangerschaft, Familienplanung, Religion, Partei, Gesundheit, Vorstrafen ohne Stellenbezug oder Herkunft.
  6. Leitfaden erstellen. Ordnen Sie die Fragen in Phasen: Begrüssung, Einstieg, Fachliches, Zusammenarbeit, Fragen der Bewerberin, Ablauf. Planen Sie die Zeit ein.
  7. Bewertung vorbereiten. Legen Sie fest, woran Sie eine gute Antwort erkennen, und halten Sie die Bewertung schriftlich fest, mit einer Matrix wie bei Bewerbervergleich.
  8. Nachbereiten. Notieren Sie unmittelbar nach dem Gespräch Eindrücke und Fakten, siehe Gesprächsnotizen strukturieren.

Vorlage zum Kopieren

Du bereitest ein strukturiertes Vorstellungsgespräch für ein Schweizer KMU vor.
Stelle: [Bezeichnung], Branche: [Branche]
Wichtigste Aufgaben: [Aufgaben]
Muss-Kriterien: [Kriterien]
Zu prüfende Eigenschaften: [z. B. Fachwissen, Zuverlässigkeit, Zusammenarbeit]
Dauer des Gesprächs: [z. B. 45 Minuten]
Erstelle einen Gesprächsleitfaden:
1. Zu jeder Eigenschaft zwei Verhaltensfragen («Erzählen Sie von einer Situation …») und eine Nachfrage.
2. Zwei Fragen zur Motivation für diese Stelle.
3. Vorschlag für den Ablauf mit Zeitangaben.
4. Zu jeder Frage: Woran erkenne ich eine gute Antwort?
Regeln:
- Nur Fragen, die für die Eignung für die Stelle nötig sind.
- Keine Fragen zu Alter, Familienplanung, Schwangerschaft, Religion, politischer Haltung, Gesundheit oder Herkunft.
- Allen Bewerbenden werden dieselben Kernfragen gestellt.
- Einfaches Deutsch, Anrede «Sie».

Passen Sie Eigenschaften und Dauer an und fügen Sie bei Bedarf stellenspezifische Themen hinzu, etwa Schichtarbeit oder Kundenkontakt.

Worauf Sie achten müssen

  • Zulässigkeit. Der Arbeitgeber darf nur nach Dingen fragen, die für die Eignung oder den Vertrag nötig sind. Bei Fragen, die zu persönlich sind, darf die Bewerberin nach Ansicht vieler Fachleute auch unwahr antworten. Klären Sie Zweifelsfälle fachlich.
  • Verzerrung. KI-Fragen können unbewusst Stereotype enthalten. Prüfen Sie jede Frage darauf, ob sie für alle gleich fair ist.
  • Bewerberdaten. Geben Sie keine echten Lebensläufe oder Namen von Bewerbenden in ein KI-Werkzeug ein, wenn Ihr Betrieb das nicht freigegeben hat.
  • Keine automatische Auswahl. Die KI bereitet das Gespräch vor, aber sie bewertet keine Personen. Entscheidungen über Menschen treffen Sie.
  • Gleichbehandlung. Auch Gesprächsdauer und Atmosphäre sollten ähnlich sein.
  • Transparenz. Informieren Sie Bewerbende, wenn Sie Notizen speichern, und wie lange.
ZulässigHeikel oder unzulässig
Fachliche Erfahrung und AusbildungSchwangerschaft, Familienplanung
Verfügbarkeit, Pensum, ArbeitsortReligion, politische Meinung
Umgang mit konkreten AufgabenGesundheit ohne Stellenbezug
Motivation, ErwartungenHerkunft, Aufenthaltsstatus (ausser rechtlich nötig)
LohnvorstellungPrivatleben, Partnerschaft

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine Arztpraxis in Zug sucht eine Medizinische Praxisassistentin. Die Praxismanagerin hat bisher spontan gefragt und sich hinterher nicht erinnert, wer was gesagt hat.

Vorher: Zwei Bewerberinnen erhalten völlig verschiedene Fragen, und der Vergleich fällt schwer. Eine wird gefragt, ob sie Kinder plane.

Nachher: Mit der KI erstellt sie einen Leitfaden mit je zwei Verhaltensfragen zu Patientenkontakt, Zuverlässigkeit und Zusammenarbeit. Sie streicht eine Frage zur Familienplanung, die die KI vorgeschlagen hat. Alle Bewerberinnen erhalten dieselben Kernfragen, und die Antworten werden in einer Tabelle festgehalten.

So hilft Ihnen Alpasana

Die Kurse KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben von absofort behandeln Bewerbung, Recruiting und die faire Auswahlvorbereitung. Dort üben Sie, KI für Vorbereitung einzusetzen und die Ergebnisse kritisch zu prüfen.

Mit KI-Lerncoach, Praxisaufgaben und verifizierbarem Abschluss lernen Sie im eigenen Tempo. Eine rechtliche Beratung zu zulässigen Fragen im Einzelfall ersetzt der Kurs nicht.

Häufige Fragen

Darf ich nach dem bisherigen Lohn fragen?

Das ist in der Praxis üblich, kann aber heikel sein. Zulässig ist die Frage nach den Lohnvorstellungen. Für die Frage nach dem bisherigen Lohn lassen Sie sich im Zweifel fachlich beraten.

Wie viele Fragen sind genug?

Für ein Gespräch von etwa 45 Minuten genügen meist acht bis zehn Kernfragen mit Nachfragen. Lassen Sie Zeit für die Fragen der Bewerberin. Ein dichter Fragekatalog verhindert ein echtes Gespräch.

Kann die KI das Gespräch auch bewerten?

Davon raten wir ab. Bewertungen von Personen durch KI sind fehleranfällig und können diskriminieren. Lassen Sie die KI Fragen vorbereiten und Notizen ordnen, aber bewerten Sie selbst. Mehr zu den Grenzen unter Diskriminierung beim Recruiting.

Soll ich Notizen während des Gesprächs machen?

Ja, kurz und sachlich. Sagen Sie der Bewerberin, dass Sie mitschreiben. Notieren Sie nur, was mit der Stelle zu tun hat.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

Weiterlesen in der Galaxie