Sicherheit · Prompt Engineering
Wie nutze ich KI für einen Faktencheck?
Kurz gesagt
Lassen Sie die KI die Behauptung in prüfbare Teile zerlegen und Suchbegriffe sowie mögliche Quellen vorschlagen, aber überprüfen Sie diese selbst im Original. KI darf nie das letzte Wort haben: Sie kann Quellen erfinden und veraltetes Wissen als aktuell darstellen.
Das Problem
In der Familiengruppe kursiert eine Meldung: «Ab nächstem Jahr ist dies und jenes verboten» oder «Forscher haben bewiesen, dass …». Sie sind skeptisch, haben aber wenig Zeit, und die Meldung klingt plausibel. Naheliegend ist, schnell die KI zu fragen: «Stimmt das?»
Das ist verständlich, aber riskant. Eine KI antwortet immer, auch wenn sie es nicht wissen kann. Sie kann Quellen erfinden, die gut klingen, aber nicht existieren. Sie kann veraltete Informationen als aktuell darstellen, und sie neigt dazu, Ihnen in der Formulierung der Frage recht zu geben. Wer die Antwort der KI einfach glaubt, ersetzt eine unbelegte Behauptung durch eine zweite.
Richtig eingesetzt, ist KI trotzdem eine gute Hilfe beim Faktencheck: Sie ordnet die Behauptung, schlägt Suchbegriffe vor und erklärt, wo man nachprüfen kann. Die eigentliche Prüfung machen Sie in den Quellen.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Formulieren Sie die Behauptung genau. Schreiben Sie den Satz so auf, wie er kursiert, mit Datum und Ort, wenn bekannt. Wer hat es behauptet, wo wurde es veröffentlicht? Je genauer, desto besser lässt sich prüfen.
- Zerlegen Sie sie in prüfbare Teile. Eine Meldung enthält oft mehrere Aussagen: ein Ereignis, eine Zahl, eine Ursache, eine Folge. Bitten Sie die KI, jede einzelne Aussage zu benennen. Eine Behauptung wie «Ab 2027 gilt X für alle» enthält mehrere prüfbare Teile (Datum, Gültigkeit, wer betroffen ist).
- Lassen Sie sich Suchbegriffe und Quellenarten nennen. Fragen Sie nicht «Stimmt das?», sondern: «Welche Quellen würden diese Aussage belegen oder widerlegen, und mit welchen Suchbegriffen finde ich sie?» So bleibt die Entscheidung bei Ihnen.
- Suchen Sie die Quellen selbst. Gehen Sie zu den Primärquellen: Gesetzestext, Mitteilung der Behörde, Studie, Original der Zeitung. Eine Zusammenfassung der KI genügt nicht. Prüfen Sie, ob die genannten Quellen wirklich existieren.
- Vergleichen Sie mit unabhängigen Faktenchecks. Suchen Sie, ob Redaktionen die Behauptung bereits geprüft haben; siehe Faktencheck-Seiten finden. Vergleichen Sie mindestens zwei unabhängige Quellen.
- Prüfen Sie Datum und Kontext. Ist die Meldung aktuell? Wurde sie aus dem Zusammenhang gerissen? Siehe Alte Nachricht als neu erkennen. Fragen Sie die KI auch nach Argumenten gegen die Behauptung, nicht nur nach Bestätigung.
- Halten Sie das Ergebnis fest und teilen Sie es mit Quelle. Schreiben Sie auf, was Sie geprüft haben, mit Links zu den Originalquellen. Teilen Sie das Ergebnis erst, wenn es belegt ist. Wo Sie nichts finden, sagen Sie «nicht belegt», nicht «falsch».
Was darf die KI, was nicht?
| Aufgabe | KI geeignet? |
|---|---|
| Behauptung in Teilaussagen zerlegen | Ja |
| Suchbegriffe und Quellenarten vorschlagen | Ja |
| Fachbegriffe und Zusammenhänge erklären | Ja, mit Gegenprüfung |
| Endgültig sagen, ob etwas wahr ist | Nein |
| Quellen und Zitate liefern | Nur zur Orientierung, immer prüfen |
| Aktuelle Ereignisse beurteilen | Nur mit nachprüfbaren Quellen |
Vorlage zum Kopieren
Ein Prompt ist der Arbeitsauftrag an die KI. Fügen Sie die Behauptung als Text ein, ohne Namen von Privatpersonen.
Ich möchte folgende Behauptung prüfen: [Behauptung, möglichst wörtlich]. Gefunden in: [Quelle/Kanal], Datum [Datum].
Du sollst nicht entscheiden, ob sie stimmt. Hilf mir stattdessen bei der Prüfung:
1. Zerlege die Behauptung in einzelne prüfbare Aussagen (Zahl, Datum, Ort, Ursache, Folge).
2. Nenne zu jeder Aussage, welche Art von Quelle sie belegen oder widerlegen würde (z. B. Gesetzestext, Behörde, Studie, Originalartikel) und welche Suchbegriffe ich verwenden kann.
3. Nenne mögliche Gründe, warum die Behauptung falsch oder irreführend sein könnte (Gegenargumente), und mögliche Gründe, warum sie stimmen könnte.
4. Weise ausdrücklich darauf hin, was du nicht wissen kannst (aktuelle Ereignisse, Details) und markiere Unsicheres mit [unsicher].
Erfinde keine Quellen, Zitate oder Links. Schweizer Rechtschreibung, einfache Sprache.Fragen Sie beim zweiten Durchgang gezielt nach der Gegenposition, damit die KI nicht nur zustimmt.
Worauf Sie achten müssen
- KI kann Quellen erfinden: Sprachmodelle erzeugen plausible Titel, Zitate und Links, die es nicht gibt. Solche Erfindungen heissen Halluzinationen. Prüfen Sie jede genannte Quelle selbst; siehe Halluzinationen reduzieren.
- Zustimmungsneigung: Wer fragt «Stimmt es, dass …?», erhält leicht eine bestätigende Antwort. Formulieren Sie neutral und bitten Sie um Argumente für und gegen die Behauptung.
- Wissensstand: Das Wissen der KI endet an einem bestimmten Zeitpunkt und enthält Lücken. Bei aktuellen Ereignissen ist sie ohne nachprüfbare Quellen unzuverlässig; siehe KI-Suchantworten: Quellen prüfen.
- Vorlage nutzen: Eine fertige Vorlage mit weiteren Schritten finden Sie unter Faktencheck-Prompt.
- Keine persönlichen Daten: Geben Sie keine Namen oder vertraulichen Inhalte ein, wenn es nicht nötig ist.
- Grenzen des Prüfens: Nicht jede Behauptung lässt sich klären. Manche bleiben offen. Das auszuhalten, gehört zu einem sauberen Faktencheck.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Müller sieht im Vereinschat die Meldung «Ab Januar müssen alle Vereine Beiträge an eine neue Stelle zahlen, sonst drohen Bussen». Der Kassier ist beunruhigt. Frau Müller fragt zunächst «Stimmt das?» und erhält eine ausführliche, überzeugende Antwort mit einem Gesetzesverweis.
Beim Nachprüfen findet sie das Gesetz nicht. Mit der zweiten Methode zerlegt sie die Behauptung: Wer führt das ein, wann, für wen, auf welcher Grundlage? Sie findet die Mitteilung einer Behörde, die nur grössere Organisationen betrifft. Der Verein gehört nicht dazu. Sie schreibt dem Chat eine Antwort mit dem Link zur Quelle und erklärt, dass die erste KI-Antwort einen erfundenen Verweis enthielt.
So hilft Ihnen Alpasana
Wie Sie KI so beauftragen, dass sie neutral arbeitet und Quellen kennzeichnet, lernen Sie im Prompt-Engineering-Kurs von absofort: Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegen, komplexe Aufgaben schrittweise bearbeiten, Prompts überarbeiten und Ergebnisse prüfen. Datenschutz wird berücksichtigt. Der Kurs ist online, braucht keine Programmierkenntnisse und führt zu einem Zertifikat.
Ein gesicherter Faktencheck einzelner Behauptungen ist nicht Teil des Angebots; dafür gibt es unabhängige Redaktionen.
Häufige Fragen
Kann ich der KI sagen, sie solle nur Fakten nennen?
Das hilft, löst das Problem aber nicht. Auch bei «nur Fakten» kann die KI sich irren oder Quellen erfinden. Verlangen Sie Quellen, markieren Sie Unsicheres und prüfen Sie im Original.
Wie viele Quellen genügen?
Mindestens zwei unabhängige, möglichst eine Primärquelle. Wenn nur eine einzige Quelle existiert, die alle übrigen kopieren, ist Vorsicht angebracht.
Was mache ich, wenn ich nichts finde?
Sagen Sie «nicht belegt» und teilen Sie die Behauptung nicht weiter. Sie müssen nicht alles klären; wichtig ist, nichts Ungeprüftes zu verbreiten.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
Weiterlesen in der Galaxie
- Faktencheck-Prompt: Vorlage zum Prüfen von BehauptungenFaktencheck Prompt Vorlage zum Kopieren: So lassen Sie ChatGPT und andere KI Behauptungen in Prüffragen zerlegen und Unsicherheiten offen benennen.
- Wo finde ich unabhängige Faktenchecks auf Deutsch?Faktencheck Seiten deutsch: Wo Sie geprüfte Meldungen finden, wie Sie Redaktionen vergleichen und die Glaubwürdigkeit einer Faktenprüfung einschätzen.
- Wie prüfe ich Quellen in ChatGPT- und Perplexity-Antworten?KI Suchantwort Quellen prüfen: So kontrollieren Sie, ob die Links unter ChatGPT- oder Perplexity-Antworten die Aussage wirklich belegen. Mit Prüfvorlage.
- Wie erkenne ich Fake News im Alltag?Fake News erkennen: Prüfen Sie Ursprung, Datum und Belege überraschender Nachrichten. Nutzen Sie KI für Prüffragen und vermeiden Sie vorschnelles Teilen.
- Wie kann ich erfundene KI-Angaben durch Prompts reduzieren?Halluzinationen Prompt vermeiden: Begrenzen Sie KI-Antworten auf prüfbare Grundlagen, erlauben Sie Wissenslücken und kontrollieren Sie wichtige Fakten.
- Was ist ein Deepfake? Einfach erklärtWas ist ein Deepfake? Verstehen Sie künstliche Stimmen und manipulierte Videos und erfahren Sie, wie Sie verdächtige Inhalte im Alltag ruhig prüfen.