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Prüfen & Bewerten · Prompt Engineering

Maturaarbeit: KI-Nutzung im Arbeitsjournal nachvollziehen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Nutzen Sie KI für kurze Reflexionsfragen und lassen Sie tatsächliche Entscheidungen zeitnah selbst festhalten. Einträge verweisen auf vorhandene Belege; spätere Ergänzungen bleiben als Nachtrag erkennbar.

Das Problem

Frau Keller begleitet eine Maturaarbeit und liest im Arbeitsjournal immer wieder: «Weiter recherchiert» oder «KI gefragt». Daraus erkennt sie weder die Schwierigkeit noch die Entscheidung. Beim nächsten Gespräch weiss auch die lernende Person nicht mehr genau, weshalb sie eine Idee verworfen hat.

Ein Arbeitsjournal soll den tatsächlichen Lernprozess sichtbar machen. Dazu gehören Unsicherheit, Quellenprüfung und Sackgassen. Wird es erst kurz vor der Abgabe mit KI ausgeschmückt, entsteht leicht eine überzeugende Geschichte, die mit dem damaligen Vorgehen wenig zu tun hat.

KI kann Fragen für kurze, zeitnahe Einträge vorbereiten. Die Antworten schreibt die lernende Person selbst anhand ihrer Notizen und Belege. Ziel ist die Reflexion, also das bewusste Nachdenken über das eigene Vorgehen, und kein möglichst umfangreiches Chatarchiv.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Klären Sie den Zweck des Journals. Öffnen Sie den Leitfaden Ihrer Schule und markieren Sie die Anforderungen an Prozessdokumentation und Hilfsmittel. Vereinbaren Sie, welche Einträge in Betreuungsgesprächen besprochen werden. Die Betreuungsvereinbarung zur Maturaarbeit hilft beim Festlegen dieses Rahmens; schulische und kantonale Vorgaben können unterschiedlich ausfallen.
  1. Legen Sie eine einfache Datei an. Erstellen Sie in der freigegebenen Textverarbeitung eine Tabelle mit Datum, Arbeitsschritt, Schwierigkeit, Entscheidung, Beleg und nächstem Schritt. Ergänzen Sie ein Feld «KI-Unterstützung». Bewahren Sie Originalnotizen und frühere Fassungen am vereinbarten schulischen Ablageort auf, statt sie laufend zu überschreiben.
  1. Lassen Sie Fragen statt Antworten erzeugen. Öffnen Sie das institutionell freigegebene KI-Werkzeug und geben Sie die untenstehende Vorlage ein. Beschreiben Sie nur die allgemeine Arbeitsphase, etwa Literaturvergleich. Übermitteln Sie weder Schülerdaten noch unveröffentlichte Arbeitstexte an öffentliche KI-Dienste. Prüfen Sie, ob die Fragen eine konkrete Entscheidung statt blosser Tätigkeitslisten anregen.
  1. Lassen Sie unmittelbar nach dem Arbeiten schreiben. Die lernende Person beantwortet ausgewählte Fragen in eigenen Worten. Ein nützlicher Eintrag unterscheidet «Die KI schlug vor», «Ich habe geprüft» und «Ich entschied». Ergänzungen aus späterer Erinnerung erhalten ein eigenes Datum und werden als Nachtrag bezeichnet; fehlende Erinnerungen bleiben ausdrücklich offen.
  1. Verknüpfen Sie Entscheidungen mit Belegen. Lassen Sie auf eine Fundstelle, eine Entwurfsfassung oder eine tatsächlich angelegte Versuchsskizze verweisen. Bei Literatur genügt keine von KI erzeugte Quellenangabe: Die Person muss die Quelle öffnen und die betreffende Aussage finden. Ein verworfener Vorschlag gehört ins Journal, wenn sein Scheitern den weiteren Weg erklärt.
  1. Besprechen Sie einen aussagekräftigen Eintrag. Fragen Sie im Betreuungsgespräch nach einer Alternative und dem Grund für die Wahl. Das ist formative Rückmeldung, also Unterstützung für den nächsten Lernschritt. Lassen Sie die Person ihre Erklärung zuerst ohne KI formulieren, damit eigene Überlegungen hörbar werden und sprachlich glatte Antworten nicht das Verständnis verdecken.
  1. Prüfen Sie die Anschlussfähigkeit. Am nächsten Termin wird der angekündigte Schritt mit dem tatsächlichen Verlauf verglichen. Änderungen werden ergänzt und begründet. Vor der Abgabe prüfen Sie gemeinsam, ob ausgewählte Einträge den Arbeitsweg nachvollziehbar machen, ohne intime Selbstauskünfte oder eine lückenlose Überwachung des Lernalltags zu verlangen.

Vorlage zum Kopieren

Ich bin Betreuungsperson einer Maturaarbeit. Entwickle kurze Fragen
für ein Arbeitsjournal, keine fertigen Journaleinträge.
Arbeitsphase: [allgemeine Phase]
Lernziel: [welche eigene Entscheidung sichtbar werden soll]
Schulische Anforderungen in eigenen Worten: [freigegebene Vorgaben]
Frage nach Ausgangslage, Schwierigkeit, erwogener Alternative,
Quellenprüfung, tatsächlicher Entscheidung und nächstem Schritt.
Trenne KI-Vorschlag, eigene Prüfung und eigene Entscheidung.
Erfinde keine Ereignisse, Gefühle, Belege oder Ergebnisse.
Gib eine kurze Grundvorlage und eine optionale Vertiefungsfrage aus.
Verlange keine Personendaten und keine Originalarbeit.

Ersetzen Sie die Platzhalter durch allgemeine Angaben und wählen Sie nur Fragen aus, die zur aktuellen Arbeitsphase passen.

EintragWas daran noch fehltHilfreiche Rückfrage
«KI hat geholfen»Art der HilfeWelcher Vorschlag wurde geprüft?
«Quelle war schlecht»PrüfkriteriumWelche Aussage liess sich nicht belegen?
«Methode geändert»EntscheidungsgrundWas konnte der bisherige Ansatz nicht klären?

Worauf Sie achten müssen

  • Datenschutz: Das Journal bleibt in der schulisch vorgesehenen Umgebung. Namen, persönliche Konflikte, Rückmeldungen über Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Originalinterviews gehören nicht in öffentliche KI-Dienste.
  • Falsche Ergänzungen: KI kann plausible Gründe erfinden. Übernehmen Sie keine automatisch vervollständigte Erinnerung als tatsächlichen Vorgang und kennzeichnen Sie verbleibende Unsicherheit.
  • Eigenständigkeit: Bewerten Sie nicht die sprachliche Eleganz eines Journals als Beweis für selbstständiges Denken. Fragen Sie nach konkreten Entscheidungen und akzeptieren Sie verständliche Stichworte, soweit die Schulvorgaben dies zulassen.
  • Bildungsgerechtigkeit: Stellen Sie die geprüften Fragen auch auf Papier bereit. Ein privates KI-Abonnement darf für diese Reflexionsaufgabe nicht nötig sein; bei minderjährigen Lernenden berücksichtigen Sie zusätzlich die schulischen Alters- und Zugangsregeln.
  • Verhältnismässigkeit: Halten Sie den Dokumentationsaufwand überschaubar. Bei rechtlichen oder datenschutzbezogenen Unklarheiten ziehen Sie die zuständige schulische Fachstelle für die Prüfung des Einzelfalls bei.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Frau Keller begleitet an einer Schweizer Kantonsschule eine Maturaarbeit über die Gestaltung öffentlicher Aufenthaltsorte. Zunächst enthält das Journal nur Tätigkeiten. Eine spätere Änderung der Fragestellung wirkt dadurch unbegründet.

Mit den vorbereiteten Rückfragen hält die lernende Person fest, dass die ursprüngliche Frage Beobachtungen verlangt hätte, die sie nicht zuverlässig durchführen konnte. Sie verweist auf ihre erste Beobachtungsskizze und formuliert eine engere Frage. Der KI-Vorschlag zur Eingrenzung wird separat erwähnt; die begründete Auswahl stammt von ihr.

Im Gespräch fragt Frau Keller, welche Erkenntnisse durch die Eingrenzung verloren gehen. So wird ein fachlicher Lernschritt sichtbar, ohne den misslungenen ersten Ansatz zu verstecken. Für die allgemeine Gestaltung bietet die Seite zum Forschungsjournal eine ergänzende Perspektive.

So hilft Ihnen Alpasana

Im Online-Kurs Prompt Engineering lernen Sie, Aufgaben, Kontext und Ausgabeformat einer KI-Anweisung klar festzulegen und Antworten zu prüfen. Das hilft Ihnen, aus allgemeinen Aufforderungen konkrete Reflexionsfragen für Ihre Betreuung zu entwickeln.

Der Kurs umfasst das Überarbeiten von Prompts und ein getestetes Vorlagenset für wiederkehrende Aufgaben. Die schulischen Anforderungen und die Beurteilung des Arbeitsjournals legen weiterhin die zuständigen Lehrpersonen und Institutionen fest.

Häufige Fragen

Muss jeder Chat vollständig ins Journal?

Das richtet sich nach den Vorgaben Ihrer Schule. Für das Verständnis einer Entscheidung sind der verwendete Vorschlag, die eigene Prüfung und der zugehörige Beleg besonders hilfreich. Vereinbaren Sie ausdrücklich, ob zusätzliche Chatnachweise verlangt werden und wo diese aufbewahrt werden.

Was geschieht mit einer längeren Dokumentationslücke?

Lassen Sie vorhandene Notizen und Dateifassungen sichten. Ein späterer Rückblick wird als solcher gekennzeichnet und enthält nur rekonstruierbare Vorgänge. Nicht belegbare Einzelheiten werden nicht mit KI ergänzt.

Wie bereitet das Journal auf die Präsentation vor?

Die lernende Person kann daraus eine Entscheidung auswählen und frei erläutern. Nutzen Sie anschliessend kritische Nachfragen zur Präsentation, um die Begründung zu vertiefen. Das Journal liefert Anknüpfungspunkte, ersetzt aber kein eigenes Verständnis.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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