KI im Coaching · Prompt Engineering
KI stellt zu viele Fragen: Coaching-Prompt für einzelne Impulse
Kurz gesagt
Viele KI-Assistenten schütten fünf Fragen auf einmal aus, was im Coaching-Kontext überfordert. Mit einem klaren Prompt weisen Sie den Übungsbot an, nur einen Impuls pro Antwort zu geben und die Antwort abzuwarten. Als Übung ist das sinnvoll, ein Coaching ersetzt es nicht.
Das Problem
Sie probieren aus, wie ein KI-Assistent als Übungsgegenüber für Reflexion oder Coaching-Fragen funktioniert. Auf Ihren Satz «Ich bin unsicher, ob ich die Stelle wechseln soll» antwortet er mit einer langen Liste: sechs Fragen, drei Methoden, zwei Tipps und eine Zusammenfassung. Sie fühlen sich überfahren, lesen die Hälfte und beantworten keine Frage wirklich.
Das liegt an der Art, wie viele Sprachmodelle trainiert sind: Sie liefern gern umfassende, hilfsbereite Antworten. Im Coaching ist das hinderlich. Dort gilt als Grundsatz, dass eine gute Frage Raum lässt und die Antwort der anderen Person abgewartet wird. Eine Frage nach der anderen, im Tempo des Gegenübers.
Mit einem sorgfältigen Prompt, also einer schriftlichen Anweisung an die KI, können Sie das Verhalten für eine Übung steuern. Das gelingt nicht immer zuverlässig, und ein solcher Bot ist kein Coach. Er eignet sich für Übungen und zum Sammeln von Fragen, nicht für den Umgang mit Krisen oder sensiblen Klientendaten.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Zweck festlegen: Wofür soll der Bot dienen? Zum Beispiel zum Üben offener Fragen oder zur eigenen Reflexion, nicht als Ersatz für Coaching.
- Regel formulieren: «Stelle genau eine Frage pro Antwort und warte auf meine Antwort.» Schreiben Sie sie an den Anfang des Prompts.
- Länge begrenzen: Setzen Sie eine Obergrenze, zum Beispiel höchstens zwei Sätze pro Antwort.
- Verbote nennen: Keine Ratschläge, keine Listen, keine Deutungen, keine Zusammenfassungen, ausser auf ausdrücklichen Wunsch.
- Abbruchregel setzen: Der Bot soll bei Belastungshinweisen die Übung beenden und auf menschliche Hilfe hinweisen.
- Testlauf: Antworten Sie mit erfundenen Beispielen und beobachten Sie, ob sich der Bot daran hält. Keine echten Klientendaten.
- Nachschärfen: Wenn der Bot abweicht, formulieren Sie die Regel klarer oder wiederholen Sie sie nach einigen Antworten.
- Grenzen dokumentieren: Notieren Sie, wofür der Bot gut ist und wofür nicht, und geben Sie es Ihren Übungspartnern weiter.
Vorlage zum Kopieren
Du bist ein Übungsgegenüber für Coaching-Fragen. Du bist kein Coach und
kein Therapeut.
Regeln, die du in JEDER Antwort einhältst:
1. Stelle genau EINE offene Frage und nichts anderes.
2. Schreibe höchstens zwei Sätze.
3. Warte auf meine Antwort, bevor du weiterfragst.
4. Gib keine Ratschläge, keine Listen, keine Deutungen, keine
Zusammenfassungen, ausser ich bitte ausdrücklich darum.
5. Wenn ich Hinweise auf Krise, Hoffnungslosigkeit, Selbst- oder
Fremdgefährdung gebe, beende die Übung, bleibe ruhig und weise auf
menschliche Hilfe hin: Hausärztin, Psychotherapie, «Die Dargebotene
Hand», Telefon 143.
Thema der Übung: [erfundenes Beispiel oder eigene, nicht sensible Frage].
Beginne mit einer ersten Frage. Sprache: Deutsch (Schweiz), Anrede «Sie».Wiederholen Sie die Regeln nach einigen Antworten mit «Erinnerung: eine Frage, zwei Sätze». Prüfen Sie den Bot immer wieder.
Worauf Sie achten müssen
- Keine Klientendaten: Geben Sie keine realen Gesprächsinhalte, Namen oder sensiblen Angaben in öffentliche KI-Dienste ein. Für Übungen nutzen Sie erfundene Beispiele.
- Kein Coaching-Ersatz: Ein Übungsbot kennt weder die Person noch ihre Situation und trägt keine Verantwortung. Siehe Chatbot und menschliche Hilfe.
- Regeln werden vergessen: Sprachmodelle halten Anweisungen in längeren Gesprächen nicht immer ein. Erinnern Sie an die Regeln oder beginnen Sie neu.
- Krisen: Der Bot erkennt Belastungshinweise nicht verlässlich. Wenn jemand in einer akuten Krise ist, braucht es einen Menschen. «Die Dargebotene Hand» ist rund um die Uhr unter 143 erreichbar. Coaching ist keine Therapie.
- Zustimmung und Ratschläge: Auch bei einer Frage pro Antwort kann der Bot lenken. Mehr dazu: Zu viele Ratschläge.
- Datenschutz des Dienstes prüfen: Bedingungen und Einstellungen unterscheiden sich. Lesen Sie sie, bevor Sie persönliche Inhalte eingeben.
| Problem | Ursache | Gegenmassnahme im Prompt |
|---|---|---|
| Fünf Fragen auf einmal | Hilfsbereitschaft des Modells | «Genau eine Frage» |
| Lange Antworten | Standardverhalten | «Höchstens zwei Sätze» |
| Ratschläge | Tendenz zum Helfen | «Keine Ratschläge ohne Wunsch» |
| Regeln vergessen | langes Gespräch | Regeln wiederholen |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Eine angehende Coachin aus St. Gallen möchte offene Fragen üben und nutzt dafür einen KI-Assistenten.
Vorher: Sie schreibt «Ich möchte offene Fragen üben» und erhält zehn Fragen und drei Tipps auf einmal. Sie liest sie flüchtig und fühlt sich überfordert.
Nachher: Sie verwendet die Vorlage mit einem erfundenen Thema («eine Person möchte ihre Arbeitszeiten ändern»). Der Bot stellt eine Frage pro Antwort. Sie übt, wie sie auf Antworten reagiert, und merkt, wie oft sie selbst dazu neigt, mehrere Fragen zu stellen. Nach der Übung notiert sie zwei Erkenntnisse und bespricht sie in der Intervisionsgruppe. Mit realen Klientinnen verwendet sie den Bot nicht.
So hilft Ihnen Alpasana
Klare Anweisungen sind die Grundlage für steuerbare KI-Antworten. Der Kurs Prompt Engineering von absofort.ch behandelt laut Beschreibung Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat, das schrittweise Bearbeiten komplexer Aufgaben, das Überarbeiten von Prompts und das Prüfen von Ergebnissen sowie den Datenschutz. Es ist ein Online-Kurs mit Zertifikat, ohne Programmierkenntnisse; ein getestetes Prompt-Set für einen wiederkehrenden beruflichen Prozess wird als Lernergebnis genannt.
Wenn Sie eine persönliche Begleitung wünschen, finden Sie bei my-coach.ch ein kostenloses, unverbindliches Erstgespräch.
Häufige Fragen
Hält sich die KI immer an «eine Frage pro Antwort»?
Nein. Gerade bei langen Gesprächen kann sie zurückfallen. Erinnern Sie an die Regel oder starten Sie ein neues Gespräch.
Kann ich so einen Bot für Klienten einsetzen?
Das raten wir ab, ohne sorgfältige Prüfung, Einwilligung und Datenschutzklärung. Für Übungen mit erfundenen Beispielen ist er geeignet. Siehe auch Chatbot-Übungsauftrag.
Was ist besser: ein langer oder ein kurzer Prompt?
So lang wie nötig, so kurz wie möglich. Wichtige Regeln stehen am Anfang und werden bei Bedarf wiederholt.
Kann der Bot vertiefen, statt nur zu fragen?
Ja, mit einer zusätzlichen Regel. Eine Anleitung dazu: Nachfragen vertiefen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
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