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Hochschule & Studium · Prompt Engineering

MAS mit KI: Berufserfahrung wissenschaftlich hinterfragen

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Nutzen Sie KI, um berufliche Annahmen in prüfbare Fragen zu übersetzen und alternative Erklärungen zu sammeln. Wissenschaftliche Belege müssen Sie selbst recherchieren und im Original prüfen; Erfahrung ist ein Ausgangspunkt, kein allgemeiner Nachweis.

Das Problem

Frau Keller begleitet einen MAS, einen weiterführenden Hochschulabschluss der Weiterbildung. Viele Teilnehmende bringen umfangreiche Berufserfahrung mit. Eine Person schreibt: «In unserer Branche funktionieren Veränderungen nur mit klarer Führung.» Die Aussage klingt plausibel, bleibt aber unbestimmt und wird durch die persönliche Erfahrung allein nicht allgemein belegt.

Wissenschaftliches Arbeiten verlangt, Aussagen nachvollziehbar zu begründen und ihre Reichweite zu begrenzen. Evidenz meint hier überprüfbare Belege, die eine Aussage stützen oder infrage stellen können. Berufserfahrung liefert wertvolle Beobachtungen und Fragen, ist aber durch den eigenen Kontext und die eigene Perspektive geprägt.

KI kann helfen, vertraute Annahmen aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Gleichzeitig kann sie gerade diese Annahmen freundlich bestätigen und scheinbar passende Literatur erfinden. Frau Keller braucht deshalb einen Ablauf, der eigene Beobachtung, theoretische Erklärung und tatsächlichen Beleg sauber trennt.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Formulieren Sie eine konkrete Erfahrungsannahme. Öffnen Sie Ihre Arbeitsnotiz und schreiben Sie einen Satz, den Sie aus der Berufspraxis häufig verwenden. Ersetzen Sie pauschale Wörter wie «immer» oder «alle» durch den tatsächlich beobachteten Kontext. Halten Sie fest, welche Beobachtung Sie zu dieser Annahme geführt hat.
  2. Trennen Sie Beobachtung und Deutung. Beschreiben Sie zuerst, was tatsächlich geschah, und danach Ihre Erklärung dafür. «Das Team nutzte das neue Verfahren selten» ist eine Beobachtung; «Das Team war veränderungsunwillig» ist bereits eine Deutung. Diese Trennung öffnet Raum für alternative Erklärungen, die Sie bislang übersehen haben könnten.
  3. Lassen Sie KI Gegenfragen entwickeln. Verwenden Sie einen erfundenen oder abstrahierten Fall ohne Betriebsgeheimnisse. Verlangen Sie alternative Erklärungen, notwendige Begriffsdefinitionen und mögliche Gegenbeispiele. Die Ausgabe soll keine Wahrheit verkünden, sondern Ihre Untersuchung schärfen und weitere fachliche Suchwege eröffnen.
  4. Übersetzen Sie die Annahme in eine Forschungsfrage. Klären Sie Gegenstand, Kontext und die Art des gesuchten Wissens. Begriffe wie «klare Führung» oder «Erfolg» müssen im jeweiligen Zusammenhang genauer beschrieben werden. Lassen Sie die KI Varianten vergleichen, entscheiden Sie aber anhand des Studienauftrags und der methodischen Möglichkeiten selbst.
  5. Recherchieren Sie echte Belege. Nutzen Sie Bibliothekskataloge und geeignete wissenschaftliche Datenbanken. KI kann Suchbegriffe vorschlagen; prüfen Sie Publikation, Autorenschaft, Methode und relevante Textstellen im Original. Suchen Sie gezielt auch nach Befunden, die Ihre Annahme begrenzen oder ihr widersprechen, statt nur Zustimmung zu sammeln.
  6. Vergleichen Sie Geltungsbedingungen. Prüfen Sie, ob ein gefundener Beleg denselben Kontext, dieselben Begriffe und eine passende Fragestellung betrifft. Eine Untersuchung in einem anderen Arbeitsfeld lässt sich nicht automatisch übertragen. Notieren Sie, was die Quelle tatsächlich zeigt und was Sie daraus nur vorsichtig ableiten können.
  7. Schreiben Sie eine begrenzte Schlussfolgerung. Führen Sie Erfahrung, theoretische Perspektive und geprüfte Belege zusammen. Benennen Sie offene Fragen und alternative Erklärungen. Erläutern Sie abschliessend, wie sich Ihre ursprüngliche berufliche Annahme verändert hat und welche praktische Entscheidung dadurch besser begründet werden kann.

Vorlage zum Kopieren

Ich begleite als Dozentin wissenschaftliche Reflexion im MAS.
Erfundene berufliche Beobachtung: [Beschreibung]
Vorläufige Annahme: [Aussage]
Trenne Beobachtung, Interpretation und verallgemeinernde Behauptung.
Formuliere alternative Erklärungen und mögliche Gegenbeispiele.
Nenne Begriffe, die genauer definiert werden müssen.
Schlage prüfbare Forschungsfragen und Suchbegriffe vor.
Erfinde keine Studien, Zitate oder Literaturangaben.
Kennzeichne, welche Aussagen erst durch echte Quellen gestützt werden müssen.

Ersetzen Sie die Angaben durch einen abstrahierten Fall und nutzen Sie die Ausgabe als Recherchehilfe, nicht als wissenschaftlichen Beleg.

Wie unterscheiden Sie die Aussagearten?

AussageartBeispielNötiger Umgang
Erfahrung«In meinem Team wurde die Änderung selten genutzt.»Kontext und Beobachtung erklären
Deutung«Die Einführung war unverständlich.»Andere Erklärungen prüfen
Theoriebezug«Ein Fachkonzept könnte den Vorgang erklären.»Konzept im Original erschliessen
Verallgemeinerung«Solche Änderungen scheitern grundsätzlich.»Reichweite mit Belegen prüfen

Ein Reflexionsabschnitt darf die eigene Rolle sichtbar machen. Wer eine Veränderung selbst geführt hat, blickt anders darauf als betroffene Mitarbeitende. Diese Perspektive offenzulegen entwertet die Erfahrung nicht, sondern hilft Lesenden, ihre Bedeutung und Grenzen nachzuvollziehen.

Worauf Sie achten müssen

  • Verwenden Sie für die Vorbereitung erfundene Fälle oder ausdrücklich freigegebene Materialien. Personendaten von Studierenden sowie Schülerdaten aus Praxisprojekten gehören nicht in öffentliche KI-Dienste; Namen zu entfernen genügt bei wiedererkennbaren Situationen nicht.
  • Prüfen Sie fachliche Aussagen, Quellen und vorgeschlagene Kriterien selbst. Eine KI kann plausible, aber falsche Angaben erzeugen; diese Fehler werden auch Halluzinationen genannt.
  • Beachten Sie die Vorgaben Ihrer Hochschule und die zuständigen kantonalen Stellen. Lassen Sie rechtliche Fragen im Einzelfall fachlich prüfen, bevor aus einem Entwurf eine verbindliche Regel wird.
  • Behandeln Sie eine KI-Zusammenfassung nicht als Ersatz für das Lesen zentraler Quellen. Gerade Einschränkungen und methodische Grenzen können darin fehlen.
  • Suchen Sie nicht nur Belege für das gewünschte Ergebnis. Eine widersprechende Quelle kann Ihre Fragestellung verbessern, statt lediglich ein Hindernis für die Argumentation zu sein.
  • Respektieren Sie die fachlichen Anforderungen Ihres MAS. Wissenschaftliche Arbeitsweisen und geeignete Belegformen unterscheiden sich zwischen Disziplinen und Fragestellungen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein fiktives Beispiel: Eine MAS-Teilnehmerin aus einem Schweizer Dienstleistungsbetrieb ist überzeugt, dass digitale Lernangebote von älteren Mitarbeitenden grundsätzlich abgelehnt werden. Frau Keller bittet sie, die konkrete Beobachtung von dieser Verallgemeinerung zu trennen.

Mit KI sammelt die Teilnehmerin alternative Erklärungen, darunter Zugangsprobleme und fehlende Zeit während der Arbeit. Danach recherchiert sie passende Fachliteratur und prüft die eigenen Beobachtungen genauer. Im Text bleibt schliesslich eine begrenzte Aussage über den untersuchten Einführungskontext. Die pauschale Zuschreibung an eine Altersgruppe wird durch eine differenzierte Fragestellung ersetzt.

So hilft Ihnen Alpasana

Im Online-Kurs Prompt Engineering lernen Sie, Aufgabe, Kontext, Ziel und Ausgabeformat klar zu beschreiben. Sie üben, komplexe Aufträge in Schritte zu zerlegen und Antworten systematisch zu prüfen. Daraus können Sie eine wiederverwendbare Vorlage für Ihre Lehr- oder Betreuungspraxis entwickeln.

Der Kurs vermittelt das Handwerk für gute KI-Aufträge und berücksichtigt Datenschutz. Die fachlichen Lernziele, die Beurteilung von Studierenden und die Regeln Ihrer Hochschule bleiben in Ihrer Verantwortung.

Häufige Fragen

Darf Berufserfahrung überhaupt als Ausgangspunkt dienen?

Ja, sie kann relevante Probleme und gute Fragen sichtbar machen. Beschreiben Sie jedoch ihren Kontext und verwechseln Sie sie nicht mit einem allgemeinen Beleg. Der wissenschaftliche Teil entsteht durch systematische Prüfung und nachvollziehbare Begründung.

Was mache ich, wenn die Literatur meiner Erfahrung widerspricht?

Prüfen Sie zuerst, ob tatsächlich dieselbe Frage und vergleichbare Bedingungen gemeint sind. Der Unterschied kann eine wichtige Grenze der Übertragbarkeit zeigen. Stellen Sie beide Perspektiven transparent dar, statt eine davon vorschnell zu verwerfen.

Kann KI meine Argumentation bewerten?

Sie kann auf mögliche Lücken oder unklare Begriffe hinweisen. Ob ein Argument fachlich trägt, müssen Sie an den Quellen und am methodischen Rahmen prüfen. Eine positive KI-Rückmeldung ist kein Gütesiegel für wissenschaftliche Qualität.

Vertiefen können Sie dies mit Abschlussarbeiten mit KI: Methodenentscheidungen hinterfragen, CAS mit KI: Ein Transferprojekt für den Arbeitsplatz planen, Betreuungsfeedback mit KI in einen Überarbeitungsplan übersetzen.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

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