Didaktik & Methoden · Prompt Engineering
Regionalgeschichte: Mit KI Fragen an lokale Quellen entwickeln
Kurz gesagt
In der Regionalgeschichte kann KI helfen, Untersuchungsfragen an bereitgestellte lokale Quellen zu entwickeln. Die Lernenden prüfen jede Antwort am Original und erkennen unbelegte Ergänzungen. Nur Quellen, die Sie verwenden dürfen und die keine heiklen Personendaten enthalten, gehören in KI-Dienste.
Das Problem
Frau Keller möchte mit ihrer achten Klasse die Geschichte des eigenen Dorfes untersuchen. Im Gemeindearchiv liegen alte Fotos, Protokolle und ein Zeitungsartikel zur Eröffnung der Dorfschule. Die Klasse ist neugierig, weiss aber nicht, welche Fragen sich an diese Quellen stellen lassen. Sie fragen: «Was ist denn daran spannend?»
Regionalgeschichte eignet sich gut für forschendes Lernen: Die Quellen sind nah, Orte kennt man, und es gibt oft noch nichts Fertiges zu lesen. Die Kunst besteht darin, aus Material eine Untersuchungsfrage zu machen, die sich mit den vorhandenen Quellen beantworten lässt. Eine gute Frage ist eingegrenzt und quellennah, zum Beispiel: «Wie veränderte sich der Schulweg im Dorf zwischen zwei Fotos?»
Eine KI kann Fragen vorschlagen. Das Risiko liegt darin, dass sie Zusammenhänge «ergänzt», die in den Quellen nicht stehen, etwa Namen, Zahlen oder Hintergründe. Lernende könnten solche Zusätze für belegt halten. Deshalb prüfen alle jede Antwort am Original.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Klären Sie die Quellenlage. Fragen Sie im Gemeinde- oder Staatsarchiv, was vorhanden ist und was verwendet werden darf. Beachten Sie Schutzfristen und Persönlichkeitsrechte.
- Wählen Sie drei bis fünf Quellen. Beschränken Sie sich auf wenige, gut lesbare. Notieren Sie für jede Quelle: Art, Datum (soweit bekannt), Herkunft.
- Bereiten Sie die Quellen auf. Transkribieren Sie schwer lesbare Texte selbst oder mit der Klasse. Entfernen Sie alle identifizierenden Personendaten und heiklen Angaben, bevor Sie Inhalte in KI-Dienste geben, oder verwenden Sie nur freigegebene, anonymisierte Inhalte.
- Lassen Sie Fragen entwickeln. Verwenden Sie die Vorlage unten. Die KI soll nur Fragen formulieren, die sich mit den gegebenen Quellen beantworten lassen, und deutlich sagen, was sie nicht beantworten können.
- Prüfen Sie die Fragen. Lassen sie sich mit dem Material wirklich beantworten? Sind sie eingegrenzt? Streichen Sie Fragen, die Zusatzwissen verlangen.
- Lassen Sie die Klasse die Quellen untersuchen. Die Lernenden wählen eine Frage, lesen die Quellen genau und notieren Belege mit Fundstelle.
- Prüfen Sie KI-Hilfen am Original. Wenn Lernende KI nutzen dürfen, kontrollieren sie jede Aussage am Quellentext und markieren Unbelegtes.
- Ordnen Sie ein. Ergänzen Sie mit Lehrmittel oder einem Lexikon, zum Beispiel dem Historischen Lexikon der Schweiz, und vergleichen Sie. Die Klasse präsentiert Ergebnisse und benennt offene Fragen.
Vorlage zum Kopieren
Ich bin Geschichtslehrperson in der Schweiz (Stufe: [Klasse]). Wir
untersuchen die Geschichte von [Ort, z. B. unserem Dorf]. Ich gebe dir
Auszüge aus drei Quellen ohne Namen lebender Personen:
Quelle 1 ([Art, Datum]): [Text]. Quelle 2 …
Schlage acht Untersuchungsfragen vor, die sich allein mit diesen Quellen
beantworten lassen, vom Einfachen zum Anspruchsvollen. Gib je Frage an, welche
Quelle relevant ist. Nenne auch zwei Fragen, die sich mit diesen Quellen
nicht beantworten lassen, und sage, was dafür nötig wäre. Ergänze keine
Fakten, Namen oder Zahlen, die nicht im Text stehen, und beantworte die
Fragen nicht.Fügen Sie nur Quellenauszüge ein, die Sie verwenden dürfen und aus denen persönliche Angaben entfernt sind.
Worauf Sie achten müssen
- Unbelegte Ergänzungen erkennen: KI füllt Lücken gern mit plausiblen Details. Lernende lernen, jede Aussage mit einer Fundstelle zu belegen.
- Schutzfristen und Rechte: Archive haben Schutzfristen, und Fotos oder Texte können urheberrechtlich geschützt sein. Klären Sie die Nutzung mit der Archivstelle, bevor Sie Material digitalisieren oder hochladen.
- Keine Personendaten in öffentlichen KI-Diensten: Namen, Adressen oder Krankheitsangaben in alten Dokumenten betreffen auch nach Jahren Persönlichkeitsrechte. Entfernen oder anonymisieren Sie sie.
- Quellenkritik bleibt zentral: Auch lokale Quellen haben Perspektiven und Interessen. Fragen Sie nach Verfasser, Zweck und Zeit.
- Fachliche Einordnung: KI nennt Daten und Hintergründe oft falsch. Prüfen Sie mit Lehrmittel, Lexikon oder Fachpersonen im Archiv.
- Gleicher Zugang: Die Quellen und Fragen sind auf Papier zugänglich, ohne KI-Konto.
| Frageart | Beispiel | Eignung für lokale Quellen |
|---|---|---|
| Beschreibend | Was zeigt das Foto von der Dorfstrasse? | Sehr gut als Einstieg |
| Vergleichend | Was hat sich zwischen zwei Fotos verändert? | Gut, wenn Daten bekannt sind |
| Erklärend | Warum wurde die Schule an diesem Ort gebaut? | Nur, wenn Quellen Gründe nennen |
| Wertend | War der Bau eine gute Entscheidung? | Erst nach Quellenarbeit und mit Begründung |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Eine achte Klasse in einem Dorf im Kanton Luzern untersucht die Eröffnung der Dorfschule anhand eines Zeitungsartikels, zweier Fotos und eines Gemeinderatsprotokolls. Frau Keller hat Namen lebender Personen entfernt und die Auszüge mit der Gemeindeschreiberin besprochen. Die KI schlägt acht Fragen vor, bei einer fügt sie hinzu: «Die Schule wurde wegen starkem Bevölkerungswachstum gebaut.» Das steht in keiner Quelle.
Frau Keller streicht den Satz, belässt die Frage nach dem Grund und notiert, dass man sie mit den vorhandenen Quellen vermutlich nicht beantworten kann. Die Klasse arbeitet mit sechs Fragen. Eine Gruppe vergleicht die beiden Fotos und erkennt neue Häuser im Hintergrund.
Nachher präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse mit Fundstellen und nennen offene Fragen. Frau Keller ergänzt mit dem Historischen Lexikon der Schweiz für den grösseren Zusammenhang. Eine Vertiefung zur Zeit bietet Zeitvorstellungen mit KI aufbauen.
So hilft Ihnen Alpasana
Im Online-Kurs Prompt Engineering von Alpasana auf absofort lernen Sie, KI-Aufträge mit Aufgabe, Kontext, Ziel und Ausgabeformat so zu formulieren, dass sie sich auf vorgegebene Texte beschränken. Beschrieben sind zudem das schrittweise Bearbeiten komplexer Aufgaben und das Prüfen von Ergebnissen, was bei der Arbeit mit Quellenauszügen hilft.
Der Kurs enthält keine Geschichtsdidaktik und keine Archivkunde. Rechte, Schutzfristen und Quellenauswahl klären Sie mit der Archivstelle. Eine Vertiefung zum Eingrenzen von Fragen bietet Forschendes Lernen: Fragen eingrenzen.
Häufige Fragen
Wo finde ich lokale Quellen?
Fragen Sie das Gemeinde-, Orts- oder Staatsarchiv, Museen, Vereine und die lokale Bibliothek. Klären Sie, was verwendet und kopiert werden darf, bevor Sie Material einsetzen.
Darf ich Fotos aus dem Archiv in KI-Dienste laden?
Nur wenn Rechte und Persönlichkeitsschutz geklärt sind. Verzichten Sie bei erkennbaren Personen darauf und beschreiben Sie Bilder lieber mit Worten, ohne Namen.
Wie gehe ich mit schwer lesbaren Handschriften um?
Transkribieren Sie gemeinsam mit der Klasse oder holen Sie Hilfe vom Archiv. KI-Transkription kann Fehler machen und ersetzt die Prüfung am Original nicht.
Was, wenn die Quellen keine Antwort geben?
Auch das ist ein Ergebnis. Halten Sie fest, was fehlt, und überlegen Sie, wo man weitersuchen könnte. Quellenlücken gehören zur historischen Arbeit.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
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