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Didaktik & Methoden · Prompt Engineering

Fishbowl mit KI: Diskussions- und Beobachtungsaufträge

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Bei der Fishbowl diskutiert ein Innenkreis, während der Aussenkreis beobachtet. Eine KI kann Ihnen Diskussionsfragen und Beobachtungsaufträge für beide Kreise entwerfen; die Moderation, die Gesprächsregeln und die Auswertung übernehmen Sie und die Klasse selbst.

Das Problem

Frau Keller will mit ihrer 9. Klasse eine Diskussion über Handyregeln im Schulhaus führen. Die Klasse hat 22 Lernende. In einer Plenumsdiskussion reden immer dieselben vier. Der Rest schaut zu, wartet auf das Ende oder schaut auf die Uhr.

Die Fishbowl (auf Deutsch «Fischglas») ist eine Diskussionsform für grössere Gruppen. In der Mitte sitzt ein kleiner Innenkreis und diskutiert, rundherum sitzt der Aussenkreis und beobachtet. Oft steht ein zusätzlicher freier Stuhl im Innenkreis, auf dem Personen aus dem Aussenkreis kurz Platz nehmen und sich beteiligen können. So lernen alle, zuzuhören, Argumente zu verfolgen und mitzureden.

Der Erfolg hängt von klaren Aufgaben ab. Der Innenkreis braucht eine gute Diskussionsfrage, der Aussenkreis einen konkreten Beobachtungsauftrag. Beides zu entwerfen, kostet Zeit. KI kann hierbei Entwürfe liefern.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Diskussionsziel festlegen. Soll die Klasse Argumente austauschen, einen Kompromiss finden oder Positionen vergleichen? Das Ziel bestimmt Frage und Beobachtungsauftrag.
  1. Diskussionsfrage wählen. Eine gute Frage hat mehrere vertretbare Positionen. «Soll das Handy im Schulhaus verboten werden?» eignet sich besser als «Ist Handynutzung schädlich?».
  1. Entwürfe erzeugen lassen. Nutzen Sie die Vorlage unten. Die KI liefert Diskussionsimpulse für den Innenkreis und mehrere Beobachtungsaufträge für den Aussenkreis.
  1. Aufträge auswählen und prüfen. Wählen Sie für den Aussenkreis zwei bis drei Aufträge, die sich konkret beobachten lassen, zum Beispiel «Notiere, welche Begründungen genannt werden». Streichen Sie Aufträge, die Personen bewerten.
  1. Gesprächsregeln besprechen. Vereinbaren Sie Regeln: aussprechen lassen, auf Vorredner eingehen, begründen. Legen Sie fest, wie der freie Stuhl funktioniert.
  1. Fishbowl durchführen. Wählen Sie die Grösse des Innenkreises passend zu Klasse, Ziel und Raum. Der Aussenkreis beobachtet mit Auftrag. Legen Sie die Dauer und den Zeitpunkt des Rollenwechsels passend zu Klasse, Ziel und Zeitrahmen fest. Sie moderieren nur, wenn nötig.
  1. Beobachtungen auswerten. Fragen Sie zuerst den Aussenkreis: Was ist euch aufgefallen? Welche Argumente waren stark? Erst danach kommentieren die Diskutierenden.
  1. Diskussionskultur reflektieren. Halten Sie fest, was gut klappte und was nächstes Mal besser laufen soll.

Vorlage zum Kopieren

Du unterstützt mich als Lehrperson bei der Vorbereitung einer Fishbowl-Diskussion. Stufe: [Stufe]. Fach: [Fach]. Thema: [Thema]. Diskussionsziel: [z. B. Argumente vergleichen]. Klassengrösse: [Anzahl]. Dauer: [Minuten].

Aufgabe:
1. Schlage drei Diskussionsfragen vor, auf die es mehrere vertretbare Positionen gibt. Keine Frage darf eine Position bevorzugen.
2. Entwirf fünf Beobachtungsaufträge für den Aussenkreis, die sich auf Gesprächsverhalten und Argumente beziehen und nicht auf einzelne Personen (z. B. «Notiere zwei Begründungen, die ihr überzeugend fandet»).
3. Schreibe eine Auswertungsfrage für nach der Diskussion.
4. Nenne zwei Regeln für den freien Stuhl.
5. Verwende einfache Sprache für [Alter].

Passen Sie Thema, Dauer und Gruppe an. Probieren Sie die Fragen vorab kurz mit Kolleginnen aus.

KreisAufgabeBeispielauftrag
InnenkreisDiskutierenBegründet eure Position mit einem Beispiel
AussenkreisBeobachtenNotiert zwei Begründungen und eine offene Frage
Freier StuhlKurz mitredenErgänzt ein Argument, dann zurück in den Aussenkreis

Worauf Sie achten müssen

  • Neutralität: Lesen Sie KI-Fragen auf versteckte Wertungen. Politische und gesellschaftliche Themen sind im Unterricht ausgewogen zu behandeln; die Vorgaben Ihrer Schule und Ihres Kantons gelten.
  • Persönliche Betroffenheit: Fragen können Lernende berühren, zum Beispiel bei Familie, Religion oder Herkunft. Bieten Sie Rückzugsmöglichkeiten und stellen Sie sicher, dass niemand vorgeführt wird.
  • Beteiligung: Stille Lernende kommen selten zu Wort. Nutzen Sie Rollen oder Karten, damit alle einen Beitrag leisten können.
  • Beobachtung statt Bewertung: Beobachtungsaufträge sollen Gesprächsverhalten betreffen, nicht Personen beurteilen. Sonst entsteht Konkurrenz oder Blossstellung.
  • Datenschutz: Notizen über einzelne Lernende und deren Äusserungen gehören nicht in öffentliche KI-Dienste.
  • Eigenständigkeit: Die Lernenden bereiten ihre Argumente selbst vor. KI-generierte Argumentlisten für Lernende können Denkarbeit abnehmen, nutzen Sie diese zurückhaltend; siehe Argumentieren lernen: KI-Gegenargumente kritisch nutzen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Frau Keller führt in der 9. Klasse eine Fishbowl zur Frage «Soll das Handy im Schulhaus während der Pausen erlaubt sein?» durch. Die KI schlägt drei Fragen und fünf Beobachtungsaufträge vor.

Vorher: Vier Lernende dominieren die Plenumsdiskussion. Nachher: Sechs Lernende diskutieren im Innenkreis, der Aussenkreis notiert Begründungen und offene Fragen. Zweimal setzt sich jemand auf den freien Stuhl, einmal eine Schülerin, die sonst selten spricht. Bei der Auswertung nennen die Lernenden Gründe, die im Innenkreis fehlten, zum Beispiel Rücksicht auf Kinder ohne Handy. Einen Beobachtungsauftrag der KI («Wer spricht am meisten?») hat Frau Keller gestrichen, weil er einzelne Personen bewertet.

So hilft Ihnen Alpasana

Brauchbare Aufträge entstehen, wenn Sie der KI Stufe, Thema, Ziel und Ausgabeformat genau vorgeben. Im Online-Kurs Prompt Engineering von absofort üben Sie, Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Format festzulegen, Prompts zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen. Der Kurs berücksichtigt den Datenschutz, braucht keine Programmierkenntnisse und schliesst mit einem Zertifikat ab.

Die Wahl von Themen und Gesprächsregeln liegt bei Ihnen und Ihrer Schule.

Häufige Fragen

Wie viele Personen gehören in den Innenkreis?

Die passende Grösse hängt von Raum, Ziel und Gruppe ab. Erproben Sie eine für Ihre Klasse passende Besetzung. Ein freier Stuhl kann den Wechsel erleichtern.

Ist die Fishbowl auch für jüngere Kinder geeignet?

Mit einfachen Fragen und klaren Regeln ist sie ab der Mittelstufe möglich. Bei jüngeren Kindern kürzen Sie die Dauer und üben die Regeln zuerst in einer Kleingruppe.

Was, wenn die Diskussion hitzig wird?

Unterbrechen Sie, erinnern Sie an die Regeln und lassen Sie die Positionen kurz zusammenfassen. Vorab vereinbarte Regeln helfen.

Kann ich sie auch in der Erwachsenenbildung einsetzen?

Ja, die Methode eignet sich gut für Kurse, in denen Erfahrungen ausgetauscht werden. Beobachtungsaufträge können dort auf Argumentationsqualität oder Fachbegriffe zielen.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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