Didaktik & Methoden · Prompt Engineering
Direkte Instruktion: Lautes Denken mit KI vorbereiten
Kurz gesagt
Bei der direkten Instruktion zeigen Sie Schritt für Schritt vor und denken dabei laut, damit Lernende Ihre Entscheidungen nachvollziehen können. Eine KI kann ein Erklärskript und passende Übungsaufgaben entwerfen; die fachliche Richtigkeit jeder Schrittfolge müssen Sie vorher selbst prüfen.
Das Problem
Frau Keller erklärt der Klasse, wie man einen Sachtext zusammenfasst. Sie sagt: «Streicht Unwichtiges und schreibt das Wichtige kurz auf.» Die Klasse nickt, doch bei der Übung sitzen viele ratlos da. Was ist wichtig? Woran erkennt man es? Frau Keller hat die Entscheidungen im Kopf, aber die Lernenden sehen sie nicht.
Direkte Instruktion ist eine klar geführte Unterrichtsform: Die Lehrperson zeigt die Vorgehensweise vor, die Lernenden üben mit Begleitung und später allein. Ein zentrales Element ist das Modellieren: Die Lehrperson zeigt nicht nur, was sie tut, sondern auch, warum. Dazu denkt sie laut («Ich sehe diesen Satz, er nennt ein Beispiel, also streiche ich ihn»). Das macht unsichtbares Denken sichtbar.
Gutes lautes Denken braucht Vorbereitung. Wer im Moment improvisiert, überspringt Schritte oder erklärt zu viel auf einmal. KI kann bei der Vorbereitung helfen, indem sie ein Skript vorschlägt, das Sie danach prüfen und mit Ihren eigenen Worten füllen.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Ein klares Lernziel wählen. Beschränken Sie sich auf eine Fertigkeit, die sich in Schritten zeigen lässt, etwa «Einen Sachtext in drei Sätzen zusammenfassen». Mehrere Ziele auf einmal überfordern.
- Die Schritte selbst aufschreiben. Notieren Sie, wie Sie vorgehen, bevor Sie die KI fragen. Experten überspringen Schritte, die für Anfänger wichtig sind.
- Skript erzeugen lassen. Nutzen Sie die Vorlage unten. Die KI liefert ein Beispiel mit Gedanken «aus Sicht der Lehrperson» und markiert Entscheidungsstellen.
- Fachlich und didaktisch prüfen. Stimmen die Schritte? Sind die Gedanken realistisch? Vermeiden Sie Gedanken, die überfordern oder zu viele Fachbegriffe enthalten.
- In kleine Schritte gliedern. Unterteilen Sie das Skript in drei bis fünf Abschnitte. Zwischen den Abschnitten fragen Sie nach: «Was habe ich gerade getan?»
- Vorzeigen und angeleitet üben. Zeigen Sie das erste Beispiel, dann bearbeiten Lernende ein ähnliches Beispiel gemeinsam mit Ihnen, danach zu zweit, am Schluss allein. Die Hilfen werden schrittweise zurückgenommen.
- Verständnis sichern. Stellen Sie nach jedem Abschnitt kurze Fragen, die alle gleichzeitig beantworten (Karten, Whiteboards). So sehen Sie, wer folgen kann.
- Üben mit Rückmeldung. Planen Sie Übungsaufgaben und gehen Sie durch die Klasse. Korrigieren Sie sofort und benennen Sie Fehler als Teil des Lernens.
Vorlage zum Kopieren
Du unterstützt mich als Lehrperson bei der Vorbereitung einer direkten Instruktion mit lautem Denken. Stufe: [Stufe]. Fach: [Fach]. Fertigkeit: [z. B. Sachtext in drei Sätzen zusammenfassen].
Meine Schritte:
[Schritt 1]
[Schritt 2]
[Schritt 3]
Beispielmaterial (frei erfunden, ohne Personendaten): [Text oder Aufgabe]
Aufgabe:
1. Schreibe ein Erklärskript, in dem eine Lehrperson laut denkt: Zu jedem Schritt eine Aussage, WAS getan wird, und eine Aussage, WARUM.
2. Markiere Stellen, an denen Lernende typischerweise Fehler machen.
3. Schlage nach jedem Schritt eine kurze Verständnisfrage vor.
4. Schreibe zwei weitere Übungsbeispiele mit leicht steigender Schwierigkeit.
5. Halte die Sprache einfach für [Alter] und erfinde keine Fachbehauptungen, die ich nicht genannt habe.Setzen Sie Ihre Schritte ein und streichen Sie, was nicht zu Ihrem Unterricht passt. Das Skript ist ein Entwurf, nicht der Text zum Vorlesen.
| Phase | Wer arbeitet? | Hilfen |
|---|---|---|
| Vorzeigen | Lehrperson denkt laut | Vollständig |
| Gemeinsam üben | Klasse mit Lehrperson | Teilweise |
| Zu zweit üben | Lernende | Hinweise bei Bedarf |
| Allein üben | Lernende | Möglichst keine |
Worauf Sie achten müssen
- Fachliche Richtigkeit: KI-Skripte können Schritte falsch ordnen oder Fachbegriffe ungenau verwenden. Gehen Sie das Skript selbst durch, bevor Sie es zeigen.
- Zu viel auf einmal: Zu lange Skripte überlasten das Arbeitsgedächtnis. Gliedern Sie in kurze Abschnitte; siehe Überladene Lernmaterialien mit KI didaktisch entschlacken.
- Eigenständigkeit: Direkte Instruktion ist ein Anfang, nicht das Ende. Nehmen Sie Hilfen schrittweise zurück, damit Lernende selbständig werden.
- Passung: Für Vorwissen und Tempo gilt: Lernende mit viel Vorwissen brauchen weniger Anleitung. Prüfen Sie vorab, was sie schon können.
- Datenschutz: Verwenden Sie erfundene Beispiele. Texte oder Aufgaben von Lernenden gehören nicht in öffentliche KI-Dienste.
- Methodenvielfalt: Direkte Instruktion eignet sich für klar abgrenzbare Fertigkeiten, weniger für offene Fragen. Wählen Sie die Methode nach dem Ziel.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller will Lernenden der 6. Klasse beibringen, wie man ein Schlüsselwort in einem Sachtext erkennt. Sie notiert drei Schritte und bittet die KI um ein Skript mit lautem Denken.
Vorher: Sie sagt «Markiert das Wichtigste» und die Lernenden unterstreichen alles. Nachher: Sie zeigt an einem kurzen Text, wie sie vorgeht: «Dieser Satz steht in der Überschrift, er wiederholt sich im Text, also ist er wichtig.» Eine Formulierung im KI-Skript («Aus der Textstruktur ergibt sich …») ersetzt sie durch einfachere Worte. Nach einer gemeinsamen Übung arbeiten die Lernenden zu zweit. Am Schluss können die meisten ein Schlüsselwort begründen.
So hilft Ihnen Alpasana
Ein gutes Skript hängt davon ab, wie präzise Sie die Aufgabe an die KI formulieren: Stufe, Ziel, Schritte und gewünschtes Format. Der Online-Kurs Prompt Engineering von absofort übt das: Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegen, komplexe Aufgaben schrittweise bearbeiten und Ergebnisse prüfen. Er berücksichtigt den Datenschutz, benötigt keine Programmierkenntnisse und endet mit einem Zertifikat.
Wie Sie unterrichten, entscheiden Sie. Der Kurs unterstützt Sie bei der Vorbereitung.
Häufige Fragen
Ist direkte Instruktion nicht altmodisch?
Nein. Angeleitetes Vorzeigen kann beim Erlernen klarer Verfahren hilfreich sein. Entscheidend ist, dass danach Lernende selbst aktiv werden. Eine Kombination mit offenen Phasen ist sinnvoll.
Wie lang darf ein Vorzeigen sein?
Kurz: oft nur wenige Minuten pro Abschnitt. Danach sollen Lernende selbst etwas tun, sonst sinkt die Aufmerksamkeit.
Kann ich das Skript der KI direkt ablesen?
Besser nicht. Machen Sie es zu Ihrem eigenen Text und üben Sie das laute Denken einmal durch. Ablesen wirkt unnatürlich und verdeckt, was Sie wirklich denken.
Wie nehme ich Hilfen schrittweise zurück?
Zeigen Sie zuerst ein vollständiges Beispiel, dann eines mit Lücken, dann eines, das Lernende allein lösen. Dazu passt Lösungsbeispiele mit KI schrittweise zurücknehmen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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