Erwachsenenbildung & Weiterbildung · Linup: KI sicher am Arbeitsplatz
KI-gestützte Kursarbeiten: Abschlussgespräche vorbereiten
Kurz gesagt
Bereiten Sie Fragen zu Entscheidungen, Fehlern und veränderten Anwendungssituationen vor. KI kann Frageentwürfe liefern; Sie prüfen deren Anspruch und beurteilen im Gespräch das Verständnis anhand vorher bekannter Kriterien.
Das Problem
Frau Keller liest eine überzeugend formulierte Kursarbeit. Sie weiss, dass KI beim Entwurf erlaubt war, erkennt aber nicht, ob die Verfasserin die vorgeschlagene Lösung verstanden hat. Eine weitere schriftliche Zusammenfassung würde diese Unsicherheit kaum beseitigen.
Ein Abschlussgespräch kann sichtbar machen, wie jemand Entscheidungen begründet, Grenzen erkennt und auf Veränderungen reagiert. Es sollte dafür von Anfang an Teil des Kurskonzepts sein. Ein überraschendes Verhör erzeugt Druck und lässt sprachliche Gewandtheit leicht wichtiger erscheinen als fachliches Verständnis.
Eigenleistung bedeutet bei erlaubter KI-Nutzung nicht zwingend, jedes Wort selbst formuliert zu haben. Entscheidend ist, welches eigene Können verlangt wurde und ob die Person dieses zeigt. KI hilft bei der Vorbereitung des Gesprächs; die Beziehung und die Beurteilung bleiben menschliche Aufgaben.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Klären Sie Zweck und Rahmen. Öffnen Sie die Aufgabenstellung und die geltenden Kursregeln. Halten Sie fest, ob das Gespräch der abschliessenden Beurteilung dient oder nur Rückmeldung geben soll. Kommunizieren Sie Ablauf, Hilfsmittel, Kriterien und den Umgang mit Rückfragen rechtzeitig an alle Teilnehmenden.
- Bestimmen Sie das zu zeigende Können. Ein Lernziel beschreibt eine beobachtbare Handlung, etwa «eine KI-Auskunft anhand fachlicher Unterlagen prüfen». Leiten Sie daraus ab, was die Person erklären oder vorführen soll. Bewerten Sie keine zusätzliche Fachkompetenz, die weder geübt noch als Anforderung bekannt war.
- Bereiten Sie allgemeine Inhaltsanker vor. Notieren Sie zentrale Entscheidungssituationen aus der Kursaufgabe, ohne echte Arbeiten hochzuladen. Das können die Wahl einer Quelle, ein verworfener Entwurf oder eine problematische Schlussfolgerung sein. Verwenden Sie für die KI einen selbst konstruierten Fall mit ähnlichem fachlichem Anspruch.
- Lassen Sie unterschiedliche Fragen entwerfen. Nutzen Sie die Vorlage in einem freigegebenen KI-Dienst. Verlangen Sie Fragen zum Erklären, Begründen und Übertragen auf eine neue Situation. Diese Übertragung heisst Transfer: Die Person verwendet ihr Wissen unter veränderten Bedingungen, statt eine bekannte Antwort nur zu wiederholen.
- Prüfen Sie Anspruch und Fairness. Beantworten Sie die Fragen selbst und markieren Sie, woran ausreichendes Verständnis erkennbar wäre. Entfernen Sie Fangfragen, mehrdeutige Formulierungen und unnötige Fachwörter. Halten Sie für alle Gespräche einen vergleichbaren Kern bereit, auch wenn die konkreten Arbeiten verschieden sind.
- Planen Sie hilfreiche Nachfragen. Vereinbaren Sie im Prüfungsteam, welche neutralen Klärungen erlaubt sind und wann eine Frage bereits inhaltliche Hilfe gibt. «Welchen Schritt meinen Sie?» klärt die Antwort, während eine vorgegebene Lösung das Ergebnis verändert. Dokumentieren Sie relevante Hilfen, damit Ihre Beurteilung nachvollziehbar bleibt.
- Führen und dokumentieren Sie das Gespräch selbst. Lassen Sie zunächst erklären, hören Sie zu und fragen Sie anhand der Kriterien nach. Halten Sie wesentliche Aussagen und gezeigte Handlungen in der dafür vorgesehenen geschützten Ablage fest. Trennen Sie Beobachtung und Urteil; prüfen Sie Grenzfälle mit einer weiteren zuständigen Fachperson.
Vorlage zum Kopieren
Ich bereite als Kursleiterin ein Abschlussgespräch vor.
Lernziel: [beobachtbares Können]
Allgemeine Kursaufgabe: [Beschreibung ohne echte Teilnehmerarbeit]
Konstruierte Entscheidungssituation: [fiktiver Fall]
Erlaubte KI-Nutzung: [Regeln]
Vorab bekannte Beurteilungskriterien: [Kriterien]
Entwerfen Sie Fragen zum Erklären, Begründen, Prüfen und Übertragen.
Geben Sie je Frage an:
- geprüftes Kriterium,
- Merkmale einer fachlich tragfähigen Antwort,
- eine neutrale Klärungsfrage,
- mögliche sprachliche oder fachliche Stolperstellen.
Lassen Sie mehrere begründbare Lösungen zu, wenn die Aufgabe offen ist.
Erfinden Sie keine Prüfungsregeln und keine Eigenschaften von Personen.
Stellen Sie keine Fragen, die private Chatverläufe oder Personendaten verlangen.Ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihren Kursrahmen und prüfen Sie jede Frage anhand der tatsächlich vermittelten Inhalte.
Welche Fragen zeigen Verständnis?
| Absicht | Mögliche Frage | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Entscheidung begründen | Warum haben Sie diese Lösung gewählt? | Zusammenhang zwischen Ziel, Alternative und Entscheidung |
| Ergebnis prüfen | Welche Aussage würden Sie zuerst kontrollieren? | Fachlich begründete Prüfung statt allgemeinem Misstrauen |
| Fehler erkennen | Was würde diese Lösung unbrauchbar machen? | Relevante Grenze und passende Konsequenz |
| Transfer zeigen | Was ändern Sie, wenn die Ausgangsbedingung wechselt? | Begründete Anpassung statt auswendig gelernter Wiederholung |
Eine Praxisverteidigung bedeutet hier, die eigene Lösung fachlich zu erläutern und begründet zu vertreten. Sie ist kein persönliches Sich-Rechtfertigen. Das Bewertungsraster für Lernportfolios unterstützt dabei, schriftliche Belege und mündliche Erläuterungen auf dieselben Lernziele zu beziehen.
Worauf Sie achten müssen
- Keine echten Arbeiten an öffentliche KI-Dienste geben: Nutzen Sie konstruierte Fälle. Auch bei KI-Verarbeitung gelten Datenschutzvorgaben für Personendaten; dazu informiert der EDÖB.
- Antwortvorschläge fachlich prüfen: KI kann falsche Musterantworten oder zu enge Kriterien liefern. Eine andere als die vorgeschlagene Antwort kann ebenfalls tragfähig sein, wenn sie fachlich begründet wird.
- Sprachliche Sicherheit nicht überbewerten: Geben Sie Denkzeit und verständliche Fragen. Wenn freies Sprechen nicht Lernziel ist, sollte Nervosität nicht die fachliche Beurteilung dominieren; zulässige Anpassungen klären Sie vorab.
- Keine Täuschung unterstellen: Erinnerungslücken oder Unsicherheit beweisen keine unerlaubte KI-Nutzung. Bei einem konkreten Verdacht gelten die vorgesehenen institutionellen Verfahren, nicht ein spontanes Urteil im Gespräch.
- Schweizer Rahmen prüfen: Anforderungen unterscheiden sich je nach Bildungsanbieter und gegebenenfalls Kanton. Klären Sie rechtliche Fragen, Aufzeichnungen und besondere Prüfungsbedingungen im Einzelfall fachlich; bei jüngeren Personen ist altersgerechte Begleitung wichtig.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein fiktives Beispiel: In einer Luzerner Weiterbildung erstellt eine Teilnehmerin mit erlaubter KI-Hilfe einen Ablauf für Kundenanfragen. Frau Keller bereitet Fragen zu Entscheidungspunkten dieses Ablaufs vor. Die Teilnehmerin kennt die Kriterien und darf ihre Arbeit zur Orientierung mitbringen.
Im Gespräch erklärt sie zunächst, weshalb eine unklare Anfrage an eine zuständige Person weitergegeben wird. Anschliessend verändert Frau Keller eine Bedingung: Die Anfrage enthält widersprüchliche Angaben. Die Teilnehmerin muss nun erläutern, welche Schritte sie anpasst und warum.
Frau Keller hält die fachliche Begründung und eine noch offene Lücke getrennt fest. So entsteht eine nachvollziehbare Rückmeldung statt eines Eindrucks darüber, wie selbstsicher die Teilnehmerin gesprochen hat. Falls eine Wiederholung nötig ist, lässt sich daraus eine gezielte Lernstrategie ableiten.
So hilft Ihnen Alpasana
Linup: KI sicher am Arbeitsplatz vermittelt Grundregeln zum Umgang mit Daten, zur Prüfung von KI-Ergebnissen und zum Erkennen von Betrugsversuchen. Der Online-Kurs mit Quiz kann eine gemeinsame Grundlage schaffen, wenn Mitarbeitende KI für berufliche Arbeiten verwenden. Ein privates Zertifikat und eine Nachweismappe dokumentieren den beschriebenen Kursabschluss.
Dieser Schulungsnachweis ersetzt die fachliche Beurteilung Ihrer Kursarbeit nicht. Ein individuelles Abschlussgespräch oder die Prüfung persönlicher Eigenleistung ist keine hier zugesagte Linup-Leistung. Die Gesprächsfragen und Bewertung richten Sie weiterhin an den Zielen Ihrer Weiterbildung aus.
Häufige Fragen
Sollten alle genau dieselben Fragen erhalten?
Ein gemeinsamer Kern erleichtert vergleichbare Anforderungen. Individuelle Nachfragen sind sinnvoll, wenn sie an dieselben Kriterien anknüpfen und einen ähnlichen Anspruch haben. Halten Sie fest, wenn zusätzliche Hilfen oder eine deutlich andere Schwierigkeit entstanden sind.
Kann ich ein Gespräch nachträglich zur Bestehensbedingung machen?
Eine solche Änderung sollte nicht spontan erfolgen. Klären Sie mit der zuständigen Stelle, welche Bedingungen gelten und wie eine faire Behandlung möglich ist. Für künftige Durchführungen kündigen Sie das Gespräch bereits mit der Aufgabe an.
Muss jemand alle KI-Eingaben auswendig kennen?
Nein, wenn das Erinnern dieser Eingaben kein Lernziel ist. Sinnvoller ist, die verwendete Hilfe, die eigene Auswahl und die Kontrolle des Ergebnisses erklären zu können. Prüfen Sie das verlangte Können statt das Gedächtnis für einen Arbeitsverlauf.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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