Schule & Unterricht · Prompt Engineering
Begabte Lernende fördern: Mit KI Vertiefungsaufgaben planen
Kurz gesagt
Begabte Lernende brauchen kein Mehr desselben, sondern anspruchsvollere Fragen. Lassen Sie die KI offene Aufgaben mit mehreren Lösungswegen und Begründungsanteil entwerfen, prüfen Sie diese fachlich und stimmen Sie die Vertiefung auf das gleiche Lernziel wie für die Klasse ab.
Das Problem
Frau Keller kennt die Situation: Drei Kinder sind nach zehn Minuten fertig, während die anderen noch am Anfang stehen. Sie gibt den schnellen Kindern Zusatzblätter, und diese erledigen sie ebenso rasch. Bald heisst es: «Wer schnell ist, bekommt mehr Arbeit.» Das motiviert niemanden.
In der Begabungsförderung unterscheidet man zwei Wege. Beim Enrichment, auf Deutsch Anreicherung, bearbeiten Lernende anspruchsvollere Aufgaben zum gleichen Thema. Bei der Akzeleration lernen sie schneller oder überspringen Stoff. Im Klassenalltag ist meist Enrichment der praktikable Weg.
Gute Vertiefung braucht Denkanspruch: offene Fragen, mehrere mögliche Lösungswege, Begründungen. Solche Aufgaben zu erfinden kostet Zeit. KI kann Ihnen Vorschläge liefern, doch sie schlägt oft nur «mehr» oder «schwieriger» vor. Entscheidend ist, wie Sie den Auftrag formulieren und was Sie prüfen.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Das gemeinsame Lernziel festlegen. Vertiefung soll dasselbe Thema anspruchsvoller bearbeiten, nicht ein anderes Fach ersetzen. Notieren Sie das Ziel der Einheit, zum Beispiel «Bruchteile an verschiedenen Darstellungen vergleichen».
- Das Können der Kinder konkret beschreiben. Schreiben Sie ohne Namen, was die schnellen Lernenden bereits sicher beherrschen, etwa «Sie lösen Standardaufgaben ohne Hilfe». Das verhindert, dass die KI Bekanntes wiederholt.
- Den Denkanspruch benennen. Bitten Sie ausdrücklich um Aufgaben, die offen sind, mehrere Lösungswege erlauben oder eine Begründung verlangen. Fragen wie «Stimmt das immer?» oder «Finde ein Gegenbeispiel» fördern das Nachdenken.
- Zwei bis drei Varianten erzeugen lassen. Sie wählen die am besten passende aus. So bleibt die Entscheidung bei Ihnen.
- Aufgaben fachlich prüfen und selbst lösen. Rechnen oder bearbeiten Sie jede Aufgabe. Achten Sie darauf, ob sie wirklich offen ist oder nur komplizierter formuliert wurde.
- Wahlmöglichkeit einbauen. Lassen Sie die Kinder zwischen zwei Aufgaben wählen. Eigenes Entscheiden stärkt die Motivation.
- Austausch einplanen. Vertiefungsaufgaben sollen nicht isoliert bleiben. Planen Sie eine kurze Präsentation oder ein Gespräch ein, in dem die Kinder ihre Lösungswege vergleichen.
- Nach der Einheit auswerten. Fragen Sie die Kinder, welche Aufgabe sie gefordert hat und welche nicht. Passen Sie die nächste Planung an.
| Anreicherung | Wirkt eher als Beschäftigung | Wirkt eher als Vertiefung |
|---|---|---|
| Menge | Mehr Aufgaben desselben Typs | Eine Aufgabe, mehrere Zugänge |
| Fragetyp | Berechnen, Nennen | Begründen, Vergleichen, Erfinden |
| Lösungsweg | Ein vorgegebener Weg | Mehrere mögliche Wege |
| Ergebnis | Eine Zahl | Begründung oder Produkt |
Vorlage zum Kopieren
Ein Prompt ist der schriftliche Auftrag an die KI. Verwenden Sie ein von Ihrer Schule freigegebenes Werkzeug und nennen Sie keine Kinder beim Namen.
Ich unterrichte [Fach] in der [Klassenstufe]. Das Thema ist [Thema].
Das gemeinsame Lernziel lautet: [Lernziel].
Einige Lernende beherrschen Standardaufgaben dazu bereits sicher.
Entwirf drei Vertiefungsaufgaben mit folgenden Eigenschaften:
- offen formuliert, mit mindestens zwei möglichen Lösungswegen,
- mit einem Auftrag zum Begründen oder zum Finden eines Gegenbeispiels,
- ohne zusätzliche Rechenmenge,
- lösbar in etwa [Minuten] Minuten.
Gib zu jeder Aufgabe eine kurze Erwartungsskizze für mich als Lehrperson.
Weise darauf hin, wenn eine Aufgabe fachlich mehrdeutig ist.Passen Sie Stufe, Zeit und Aufgabenzahl an und lassen Sie bei Bedarf Aufgaben für ein zweites Thema ergänzen.
Worauf Sie achten müssen
- Die Erwartungsskizze der KI kann falsch sein. Lösen Sie jede Aufgabe selbst und streichen Sie Aufgaben, die Sie nicht sicher beurteilen können.
- Begabung ist nicht dasselbe wie Fleiss oder gute Noten. Manche Kinder mit hohem Potenzial zeigen es im Unterricht kaum. Stützen Sie sich auf Ihre Beobachtung und auf die Beratung der Schule, nicht auf eine Einschätzung durch KI.
- Ordnen Sie Kinder nicht in feste Gruppen ein. Wer vertieft, kann beim nächsten Thema Unterstützung brauchen.
- Geben Sie keine Leistungsdaten oder Namen in öffentliche KI-Dienste ein. Für öffentliche Schulen gelten die kantonalen Vorgaben; Orientierung bietet das Educa-Dossier zum schulischen Datenschutz.
- Förderangebote und Fachstellen für Begabungsförderung unterscheiden sich je nach Kanton. Fragen Sie bei Ihrer Schulleitung nach den örtlichen Regeln.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein erfundenes Beispiel aus einer 4. Klasse in Zofingen: Im Mathematikunterricht üben die Kinder das Multiplizieren zweistelliger Zahlen. Drei Kinder sind früh fertig. Früher erhielten sie weitere Rechenreihen.
Diesmal hat Frau Keller mit KI drei Vertiefungsaufgaben entwerfen lassen und eine gewählt: «Ein Kind behauptet, bei zwei Zahlen mit gleicher Summe sei das Produkt immer gleich. Stimmt das? Finde Beispiele und erkläre.» Sie hat die Aufgabe selbst nachgerechnet. Die Kinder entdecken, dass die Aussage nicht stimmt, und suchen eine Regel, wann das Produkt grösser wird. In der Abschlussrunde erzählen sie ihre Wege. Zwei andere Kinder wollen die Aufgabe am nächsten Tag ebenfalls versuchen.
So hilft Ihnen Alpasana
Für gute Vertiefungsaufgaben entscheidet die Qualität des Auftrags. Der Prompt-Engineering-Kurs von absofort zeigt, wie Sie Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegen, Prompts überarbeiten und Ergebnisse prüfen. Er ist als Online-Kurs mit Zertifikat beschrieben und braucht keine Programmierkenntnisse.
Der Kurs ist nicht auf Begabungsförderung ausgerichtet. Er kann Ihnen aber helfen, Vorlagen wie die obige gezielt zu verfeinern und für wiederkehrende Aufgaben ein getestetes Prompt-Set aufzubauen.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich eine gute Vertiefungsaufgabe?
Sie lässt sich nicht in einem Schritt lösen und erlaubt mehr als einen Zugang. Zudem verlangt sie, dass die Lernenden ihr Vorgehen begründen. Lösen Sie die Aufgabe selbst und achten Sie darauf, ob sie Sie zum Nachdenken bringt.
Brauchen alle Kinder solche Aufgaben?
Offene Aufgaben nützen oft der ganzen Klasse, wenn sie gestuft sind. Sie können dieselbe Frage mit Hilfekarten für andere Kinder anbieten, wie im Beitrag zu gestuften Hilfen beschrieben.
Soll die KI Kinder direkt unterrichten?
Das ist bei Kindern aus Datenschutz- und pädagogischen Gründen nicht ratsam. Nutzen Sie die KI in der Planung und besprechen Sie die Lösungen im Unterricht. Weitere Ideen finden Sie im Beitrag zu Hochbegabung und Vertiefung.
Was, wenn ein Kind trotzdem unterfordert bleibt?
Sprechen Sie mit der Schulleitung oder der Fachstelle für Begabungsförderung über weitere Möglichkeiten. Die Einzelfallberatung ersetzt ein KI-Werkzeug nicht.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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