Modell-Atlas · Prompt Engineering
Beim KI-Wechsel: Kann ich meine bisherigen Prompts behalten?
Kurz gesagt
Meist können Sie Ihre Prompts weiterverwenden, weil sie in normaler Sprache geschrieben sind. Rechnen Sie aber mit Unterschieden bei Länge, Ton und Ausgabeformat. Prüfen Sie deshalb jeden wichtigen Prompt mit zwei bis drei echten Beispielen und passen Sie ihn bei Bedarf an.
Das Problem
Sie haben über Monate Arbeitsanweisungen für die KI verfeinert: eine für Kundenmails, eine für Protokolle, eine für Zusammenfassungen. Nun wechselt Ihre Firma den Anbieter, das alte Abo läuft aus, oder eine neue Modellfassung ersetzt die gewohnte. Funktionieren die Prompts (also die Aufträge, die Sie der KI geben) danach noch?
Die Sorge ist berechtigt. Ein Prompt ist keine feste Programmzeile. Er ist eine Bitte in normaler Sprache, und jedes Modell versteht und befolgt sie ein wenig anders. Manche Modelle antworten ausführlicher, andere halten Formatvorgaben strenger ein, wieder andere fragen häufiger nach.
Ohne Prüfung merken Sie Abweichungen oft erst, wenn ein Brief mit falschem Ton das Haus verlassen hat.
Was bleibt gleich, was ändert sich?
| Bestandteil des Prompts | Meist übertragbar? | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Aufgabe und Ziel («Fasse zusammen für die Geschäftsleitung») | ja | selten ein Problem |
| Rolle und Zielgruppe | ja | Wirkung kann etwas anders ausfallen |
| Beispiele (Muster-Antworten) | meist ja | werden unterschiedlich stark nachgeahmt |
| Ausgabeformat (Tabelle, Aufzählung, Länge) | teilweise | wird je Modell unterschiedlich genau befolgt |
| Anbieterspezifische Tricks (spezielle Markierungen, Kurzbefehle) | oft nein | funktionieren nur beim alten Anbieter |
| Verweise auf Funktionen («nutze dein Gedächtnis», «suche im Web») | nein | Funktion muss beim neuen Anbieter existieren |
Mehr zur Übertragbarkeit finden Sie unter Prompts auf andere KI übertragen.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Sammeln Sie Ihre Prompts. Kopieren Sie alle wichtigen Aufträge in ein Dokument, am besten mit einer Zeile dazu, wofür sie dienen. Wer noch keine Sammlung hat, legt jetzt eine an, eine sogenannte Prompt-Bibliothek.
- Wählen Sie die wichtigsten aus. Beginnen Sie mit den drei bis fünf Prompts, die Sie am häufigsten oder für heikle Texte brauchen.
- Halten Sie ein gutes altes Ergebnis fest. Speichern Sie je Prompt ein Beispiel, mit dem Sie bisher zufrieden waren, samt der Eingabe (z. B. dem ursprünglichen Kundenbrief).
- Führen Sie den Prompt unverändert im neuen Modell aus. Verwenden Sie dieselbe Eingabe. Nehmen Sie keine echten, vertraulichen Daten, solange Sie die Datenschutzbedingungen des neuen Anbieters nicht geprüft haben.
- Vergleichen Sie nach festen Punkten. Stimmen Inhalt, Ton, Länge, Format und Schweizer Schreibweise? Fehlt etwas oder wurde etwas hinzugefügt, das nicht verlangt war?
- Lassen Sie die KI beim Anpassen helfen. Zeigen Sie dem neuen Modell Ihren Prompt und das unbefriedigende Ergebnis und bitten Sie um Verbesserungsvorschläge (Vorlage unten).
- Testen Sie die neue Fassung mit zwei weiteren Beispielen. Nur wenn sie dort auch passt, ersetzen Sie die alte Version.
- Versionieren Sie. Notieren Sie Datum, Modell und Änderung. Ihre Vorgehensweise können Sie mit Prompt-Versionen vergleichen systematisieren.
Vorlage zum Kopieren
Diesen Auftrag geben Sie dem neuen Modell, wenn ein alter Prompt nicht mehr richtig wirkt:
Ich habe diesen Prompt bisher bei einer anderen KI verwendet:
---
[Ihren alten Prompt einfügen]
---
Bei dir liefert er diese Ergebnisse, die nicht passen:
---
[Ergebnis einfügen]
---
Gewünscht ist: [z. B. höflicher Ton, maximal 150 Wörter, Anrede «Sie», Schweizer Schreibweise mit «ss» statt Eszett].
Erkläre in zwei Sätzen, was am Prompt missverständlich sein könnte,
und schlage eine verbesserte Fassung vor, die ich direkt kopieren kann.Ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihre Texte. Prüfen Sie die vorgeschlagene Fassung anschliessend wieder mit echten Beispielen.
Worauf Sie achten müssen
- Kein Blindflug: Ein Prompt, der beim alten Modell glänzte, kann beim neuen einen wichtigen Satz weglassen. Prüfen Sie Ergebnisse vor dem Versand.
- Vertrauliche Daten: Prompts selbst enthalten manchmal Firmeninterna (Preise, Namen, Regeln). Fügen Sie diese nur in Dienste ein, deren Datenschutz Sie geprüft haben, siehe Datenschutz bei KI.
- Verborgene Abhängigkeiten: Verweist ein Prompt auf Dateien, Gedächtnis oder frühere Chats, fehlen diese im neuen Programm.
- Nicht überarbeiten, was funktioniert: Ändern Sie nur Prompts, deren Ergebnisse tatsächlich abweichen.
- Mehrere Prompts, ein Wechsel: Wechseln Sie nicht alles gleichzeitig. Beginnen Sie mit einem Bereich und weiten Sie aus, wenn er gut läuft.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Eine Treuhänderin in Aarau nutzt einen Prompt für Mahnschreiben: freundlich, bestimmt, maximal 120 Wörter, Anrede «Sie». Ihr Büro wechselt den KI-Anbieter.
Vorher: Sie kopiert den Prompt einfach hinüber. Das neue Modell schreibt 250 Wörter, duzt in einem Fall und verwendet das Eszett.
Nachher: Sie testet mit zwei alten Fällen, vergleicht nach ihrer Checkliste und ergänzt den Prompt um «Genau 100 bis 120 Wörter. Immer Sie. Schweizer Rechtschreibung mit «ss» statt Eszett.» Danach stimmen die Ergebnisse. Sie speichert die neue Fassung als «Version 2, neues Modell» und behält die alte als Rückfallebene.
So hilft Ihnen Alpasana
Prompts lassen sich leichter übertragen, wenn sie sauber aufgebaut sind: mit klarer Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat. Genau das übt der Online-Kurs Prompt Engineering von absofort, einschliesslich dem Überarbeiten von Prompts und dem Prüfen der Ergebnisse.
Im Kurs entsteht ein getestetes Prompt-Set für einen wiederkehrenden Arbeitsprozess. Das ist eine gute Grundlage für jeden künftigen Modellwechsel. Es sind keine Programmierkenntnisse nötig, und Sie erhalten ein Zertifikat.
Häufige Fragen
Muss ich Prompts auf Englisch übersetzen, wenn ich das Modell wechsle?
Nein. Gängige Modelle verstehen Deutsch gut, Stand Oktober 2026. Entscheidend sind klare Aufträge, nicht die Sprache. Bei sehr speziellen Aufgaben lohnt sich ein kurzer Vergleichstest.
Gilt das auch für meine «Eigenen GPTs» oder «Projekte»?
Nur eingeschränkt. Solche Einrichtungen sind an den Anbieter gebunden. Die Anweisungen darin können Sie aber kopieren und beim neuen Anbieter in einer vergleichbaren Funktion wieder einsetzen.
Wie oft sollte ich meine Prompts prüfen?
Bei jedem Modellwechsel und nach grösseren Updates Ihres Anbieters, ausserdem etwa einmal im Quartal stichprobenartig. Das reicht für die meisten Büros.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
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