Zum Inhalt springen

Wandel der IT · KI für Developer mit Claude und Codex

Wie lasse ich mir unbekannten Programmcode mit KI erklären?

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Fügen Sie das Skript (ohne Zugangsdaten und vertrauliche Daten) in ein freigegebenes KI-Programm ein und lassen Sie es abschnittsweise in einfacher Sprache erklären: Was liest es, was verändert es, wohin sendet es Daten? Prüfen Sie die Erklärung an einem Testlauf mit erfundenen Daten und lassen Sie sicherheitsrelevante Skripte von einer Fachperson ansehen.

Das Problem

Frau Müller hat in einer Immobilienverwaltung in Winterthur die Aufgabe übernommen, die ein ausgeschiedener Kollege betreut hat. Auf dem gemeinsamen Laufwerk liegt ein kleines Skript, das jede Nacht läuft. Niemand weiss genau, was es tut: Es greift auf Dateien zu, verschiebt etwas und schreibt Zeilen in eine Tabelle. Dokumentiert ist nichts. Frau Müller programmiert nicht, trägt aber nun die Verantwortung dafür, dass es keine Daten verändert oder verliert.

Ein Skript zu übernehmen, das man nicht versteht, ist ein häufiges Problem in kleinen Betrieben. Eine KI kann beim Verstehen helfen: Sie erklärt Zeile für Zeile, was ein Programm tut, in einfacher Sprache und mit Beispielen.

Aber Vorsicht: Skripte enthalten oft Zugangsdaten, Adressen interner Systeme und Details Ihres Betriebs. Wer sie unbedacht in ein KI-Programm kopiert, gibt womöglich mehr preis, als er will. Und die KI kann die Wirkung eines Skripts falsch einschätzen.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Zweck und Risiko klären. Was soll das Skript tun, welche Daten und Systeme berührt es, und wie schlimm wäre ein Fehler? Je grösser das Risiko, desto vorsichtiger gehen Sie vor.
  1. Skript sichern. Kopieren Sie die Datei, bevor Sie etwas ändern oder ausführen. Arbeiten Sie nur mit der Kopie.
  1. Vertrauliches entfernen. Suchen Sie im Skript nach Passwörtern, Schlüsseln, Servernamen, Kundennamen und Pfaden mit sensiblen Namen. Ersetzen Sie sie in der Kopie durch Platzhalter wie [PASSWORT] oder [SERVER]. Siehe Quellcode in KI-Tools und Datenschutz.
  1. Nur freigegebene Werkzeuge nutzen. Fragen Sie Ihre IT, welches KI-Programm für Code erlaubt ist. Geben Sie nichts in ein unbekanntes oder privates Konto ein.
  1. Erst Überblick, dann Details. Bitten Sie die KI zuerst um eine Zusammenfassung in drei Sätzen: Wozu dient das Skript, was sind die Ein- und Ausgaben? Danach gehen Sie Abschnitt für Abschnitt vor.
  1. Gezielte Fragen stellen. Beispiele: «Welche Dateien liest es?», «Was verändert oder löscht es?», «Sendet es Daten an externe Adressen?», «Wann läuft es und was passiert bei einem Fehler?». Diese Fragen zeigen die Wirkung.
  1. Erklärung gegenprüfen. Lassen Sie das Skript, wenn möglich, in einer Testumgebung mit erfundenen Daten laufen und beobachten Sie, ob das Ergebnis zur Erklärung passt. Führen Sie es nie zuerst an echten Daten aus.
  1. Zweite Meinung einholen. Bei Skripten, die Daten löschen, senden oder auf Systeme zugreifen, lassen Sie eine Fachperson mitlesen. Siehe Code-Review mit KI: Checkliste.
  1. Verständliche Dokumentation anlegen. Lassen Sie sich aus den Erkenntnissen eine kurze Beschreibung schreiben: Zweck, Ablauf, Abhängigkeiten, Verantwortliche. Siehe Software-Dokumentation mit KI.
Ablaufgrafik in 9 Schritten: 1. Zweck und Risiko klären; 2. Skript sichern; 3. Vertrauliches entfernen; 4. Nur freigegebene Werkzeuge nutzen; 5. Erst Überblick, dann Details; 6. Gezielte Fragen stellen; 7. Erklärung gegenprüfen; 8. Zweite Meinung einholen; 9. Verständliche Dokumentation anlegen.
Der Weg im Überblick: Wie lasse ich mir unbekannten Programmcode mit KI erklären?

Vorlage zum Kopieren

Mit diesem Prompt lassen Sie sich ein Skript erklären. Ersetzen Sie Zugangsdaten und vertrauliche Namen vorher durch Platzhalter.

Ich habe ein Skript in [Programmiersprache, falls bekannt] übernommen und verstehe es nicht. Ich habe keine Programmierkenntnisse.
Erkläre es mir in einfacher Sprache, Schritt für Schritt:
1. Wozu dient das Skript insgesamt (drei Sätze)?
2. Welche Daten oder Dateien liest es, und woher?
3. Was verändert, verschiebt oder löscht es?
4. Sendet es Daten an andere Systeme oder Adressen? Wenn ja, wohin?
5. Wann läuft es vermutlich, und was passiert bei einem Fehler?
6. Gibt es Stellen, die riskant sind (z. B. Löschen ohne Nachfrage, Zugangsdaten im Text, fehlende Fehlerbehandlung)?
7. Welche Fragen sollte ich dem Ersteller oder einer Fachperson stellen?
Markiere Stellen, bei denen du dir unsicher bist, mit [unsicher]. Erfinde nichts, was nicht im Code steht.
Skript (vertrauliche Angaben sind durch Platzhalter ersetzt): [Code einfügen]

Fügen Sie den Code ein. Prüfen Sie die Antwort in einer Testumgebung, denn die KI kann die Wirkung eines Programms falsch einschätzen.

Worauf Sie achten müssen

  • Zugangsdaten im Code: Skripte enthalten oft Passwörter oder Schlüssel. Entfernen Sie sie vor dem Einfügen, und ändern Sie sie, falls sie bereits irgendwo hochgeladen wurden.
  • Datenschutz: Auch Namen von Systemen, Ordnerstrukturen und Beispiele können vertraulich sein. Nutzen Sie nur freigegebene KI-Werkzeuge.
  • Die KI kann sich irren: Sie liest den Code, führt ihn aber nicht aus. Sie kann Wirkungen übersehen oder erfinden. Prüfen Sie bei Wichtigem im Test.
  • Nie zuerst im Betrieb ausführen: Ein unbekanntes Skript mit Löschbefehlen kann Daten vernichten. Testen Sie mit Kopien.
  • Nicht jeden Code verstehen lassen: Wenn das Skript Sicherheit oder Geld betrifft, sollte eine Fachperson entscheiden, ob es weiterläuft.
  • Lizenz und Herkunft: Stammt der Code von Dritten oder aus dem Internet, können Lizenzregeln gelten. Siehe Open-Source-Lizenzen bei KI-Code.
  • Verstehen heisst nicht verantworten: Wer ein Skript übernimmt, übernimmt Verantwortung für seine Wirkung. Klären Sie das mit der Leitung.
Frage an die KIWozu?Prüfung im Test
Was liest das Skript?Datenquellen kennenBeobachten, welche Dateien geöffnet werden
Was verändert oder löscht es?Risiko erkennenMit Kopien testen
Wohin sendet es Daten?DatenschutzNetzwerkzugriffe beobachten lassen
Wann läuft es?Betrieb verstehenZeitplan der IT prüfen
Was bei Fehlern?AusfallverhaltenFehler provozieren (Test)

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Frau Müller sichert eine Kopie des nächtlichen Skripts und lässt die IT Zugangsdaten und Namen durch Platzhalter ersetzen. Sie fügt es mit der Vorlage in das freigegebene KI-Programm ein. Die KI erklärt: Das Skript liest neue Mietverträge aus einem Ordner, benennt sie um, schiebt sie in ein Archiv und trägt Datum und Dateinamen in eine Tabelle ein. Ausserdem sendet es eine Zusammenfassung per Mail an eine externe Adresse.

Vorher: Ein unbekanntes Skript mit unbekannter Wirkung. Nachher: Frau Müller weiss, was es tut, und sieht das Risiko: Die Mail an die externe Adresse war nicht bekannt. Sie klärt das mit der Leitung, und die IT stellt fest, dass die Adresse einem früheren Dienstleister gehört. Das Skript wird angepasst, getestet und dokumentiert. Eine Fachperson prüft die Änderung, bevor es wieder produktiv läuft.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Sie KI-generierten Code verstehen und Änderungen fachlich prüfen müssen, vermittelt der Kurs KI für Developer mit Claude und Codex Grundlagen zu Debugging, Refactoring und Review. Er richtet sich an Personen, die Software entwickeln, nicht an Einsteigerinnen ohne Programmierkenntnisse.

Häufige Fragen

Muss ich dafür Programmieren können?

Zum Lesen der Erklärung nicht. Für die Beurteilung der Risiken und der Wirkung braucht es aber Fachwissen oder eine zweite Person, die den Code kennt.

Kann die KI den Code gleich verbessern?

Ja, aber das ist ein weiterer Schritt. Erst verstehen, dann ändern, mit Test und Prüfung. Siehe Code-Fehler mit KI finden.

Was, wenn die KI den Code nicht versteht?

Dann kann es an Länge, unklarem Aufbau oder unbekannter Sprache liegen. Teilen Sie das Skript in Abschnitte und fragen Sie gezielt. Bei Unsicherheit holen Sie Hilfe.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Weiterlesen in der Galaxie