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Mit KI prüfen: Welcher Beleg trägt welche Aussage?
Kurz gesagt
Prüfen Sie jede wichtige Aussage an einer konkreten Stelle der tatsächlich gelesenen Quelle. KI kann eine Belegmatrix vorbereiten, doch die Zuordnung und die Aussagekraft müssen Sie am Original kontrollieren.
Das Problem
Frau Keller liest eine Hausarbeit mit vielen Quellenangaben. Trotzdem bleibt offen, ob die angeführte Untersuchung wirklich die Behauptung über alle Studierenden trägt. Eine Literaturangabe zeigt zunächst nur, auf welchen Text verwiesen wird.
Eine Belegmatrix ist eine Tabelle, die Aussagen mit konkreten Quellenstellen und einer Beurteilung ihrer Tragfähigkeit verbindet. Sie hilft, eine Quelle nicht bloss als Dekoration an einen Absatz anzuhängen. Gerade beim Überarbeiten fällt auf, dass ein Satz mehrere unterschiedliche Behauptungen enthält.
Studierende sollen lernen, ihre Argumentation selbst zu verantworten. KI kann mögliche Spannungen benennen, aber weder einen nicht vorliegenden Volltext prüfen noch entscheiden, was im jeweiligen Fach als ausreichender Beleg gilt.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Öffnen Sie einen begrenzten Textabschnitt. Wählen Sie gemeinsam einen Absatz mit einer zentralen Behauptung. Die Studierenden markieren darin überprüfbare Aussagen und unterscheiden sie von eigenen Bewertungen oder Übergangssätzen.
- Zerlegen Sie zusammengesetzte Aussagen. Aus «Die Methode verbessert Motivation und Leistung in allen Studiengängen» werden getrennte Prüfpunkte. Halten Sie auch die Reichweite fest: Welche Personen, welcher Zeitraum und welches Ergebnis sind tatsächlich gemeint?
- Bereiten Sie Quellenstellen vor. Lassen Sie aus rechtmässig nutzbarem Material die relevanten Passagen mit Seiten- oder Abschnittsangabe zusammentragen. Die bibliografischen Angaben müssen zur verwendeten Ausgabe passen; ein blosser Link oder Titel genügt für die inhaltliche Prüfung nicht.
- Beauftragen Sie die KI mit einer Zuordnung. Geben Sie Aussage und freigegebene Auszüge getrennt ein. Verlangen Sie die Kategorien «direkt gestützt», «teilweise gestützt», «nicht gestützt» und «mit dem Auszug nicht entscheidbar» sowie eine textnahe Begründung.
- Lesen Sie die Zuordnung am Original nach. Prüfen Sie auch die Absätze vor und nach dem gefundenen Satz. Steht dort eine Einschränkung, eine andere Zielgruppe oder lediglich eine Vermutung der Autorenschaft, muss dies in die eigene Aussage einfliessen.
- Treffen Sie eine redaktionelle Entscheidung. Die Studierenden wählen zwischen präziserer Formulierung, zusätzlicher Recherche oder Streichen der Behauptung. Eine fehlende Grundlage lässt sich nicht dadurch reparieren, dass KI den Satz selbstbewusster schreibt.
- Dokumentieren Sie die wichtigste Korrektur. Speichern Sie die Matrix neben der Hausarbeit und lassen Sie eine Änderung mündlich erklären. Prüfen Sie dabei die Verbindung zwischen Quelle und Schlussfolgerung, nicht nur die Vollständigkeit der Tabelle.
Vorlage zum Kopieren
Ich begleite Studierende beim wissenschaftlichen Argumentieren.
Zu prüfende Aussage: [eigener Beispielsatz ohne Personendaten]
Quelle und Fundstelle: [bibliografische Angabe, Seite oder Abschnitt]
Freigegebener Auszug mit Kontext: [Text]
Erstellen Sie eine Belegmatrix mit Aussagebestandteil, passender Textstelle,
Art der Unterstützung, Reichweite und offener Prüffrage.
Unterscheiden Sie direkte Unterstützung, Teilunterstützung, fehlende
Unterstützung und nicht entscheidbare Fälle. Erfinden Sie keine Belege.
Schlagen Sie eine engere Formulierung vor, falls die Aussage zu weit reicht.
Stellen Sie mir eine Rückfrage zur Begründung dieser Änderung.Ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihre Lehrsituation und ausschliesslich durch zur Nutzung freigegebene Inhalte.
Welche Beziehung hat der Beleg zur Aussage?
| Befund im Original | Konsequenz für den eigenen Text |
|---|---|
| Nur eine bestimmte Gruppe untersucht | Gruppe ausdrücklich nennen |
| Zusammenhang beschrieben | Keine Ursache daraus machen |
| Keine passende Messung vorhanden | Aussage nicht mit dieser Studie belegen |
| Auszug lässt Methode offen | Volltext lesen, Entscheidung offenhalten |
Lassen Sie Studierende zusätzlich erklären, weshalb eine andere Passage kein geeigneter Beleg ist. Das verhindert, dass nur ähnliche Wörter gesucht werden. Bei theoretischen Arbeiten kann eine begriffliche Herleitung tragen; bei einer Aussage über beobachtete Wirkungen braucht es eine dazu passende empirische Grundlage, also eine Untersuchung mit erhobenen Daten.
Worauf Sie achten müssen
- Daten begrenzen: Geben Sie keine Personendaten von Studierenden oder Schülerinnen und Schülern in öffentliche KI-Dienste ein. Verwenden Sie für Lehrübungen erfundene Fälle oder freigegebenes Material; prüfen Sie auch Kommentare und angehängte Dateien.
- Fehler erkennen: KI kann plausible, aber falsche Aussagen erzeugen. Eine flüssige Erklärung, eine Quellenangabe oder eine selbst vergebene Sicherheitseinstufung ersetzt keine Kontrolle am Ausgangsmaterial.
- Eigenständigkeit erhalten: Lassen Sie Lernende zuerst einen eigenen Vorschlag festhalten und danach eine Änderung begründen. Besprechen Sie Unsicherheiten persönlich, statt eine KI-Rückmeldung als Urteil über die Person zu behandeln.
- Zugang fair gestalten: Stellen Sie bei Lehrveranstaltungen eine gleichwertige Arbeitsmöglichkeit ohne privaten Bezahlzugang bereit. Klären Sie bei jüngeren Teilnehmenden zusätzlich die Altersbedingungen und die notwendige Begleitung.
- Örtliche Regeln klären: An Schweizer Hochschulen und PH gelten die Vorgaben der jeweiligen Institution und des Moduls; kantonale Rahmenbedingungen können unterschiedlich sein. Klären Sie zulässige Hilfsmittel, Offenlegung und offene Rechtsfragen mit den zuständigen Fachstellen im Einzelfall.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein erfundenes Beispiel: In einem Seminar in Bern behauptet ein Student, digitale Rückmeldungen verbesserten grundsätzlich die Prüfungsleistung. Die verwendete Quelle beschreibt jedoch vor allem, wie Teilnehmende Rückmeldungen wahrnehmen.
Frau Keller lässt den Unterschied in der Matrix sichtbar machen. Der Student formuliert seine Aussage zur wahrgenommenen Nützlichkeit um und recherchiert für Prüfungsleistung gesondert. Die Hausarbeit enthält danach eine engere, nachvollziehbare Aussage statt eines weitreichenden Versprechens.
So hilft Ihnen Alpasana
Mit Prompt Engineering können Sie die dafür nötige KI-Arbeitsweise üben. Sie üben, Aufgabe, Kontext, Ziel und Ausgabeformat klar zu beschreiben, komplexe Arbeiten aufzuteilen und Antworten zu überprüfen. Daraus entsteht ein getestetes Set wiederverwendbarer Arbeitsanweisungen; Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich.
Für Frau Keller ist das eine Grundlage, um eigene Lehrvorlagen bewusster zu gestalten und Ergebnisse nachvollziehbar zu kontrollieren. Die fachliche Beurteilung wissenschaftlicher Arbeiten und die Freigabe durch Ihre Hochschule bleiben bei den dafür zuständigen Personen.
Häufige Fragen
Braucht jeder Satz eine eigene Matrixzeile?
Beginnen Sie mit den tragenden Aussagen der Argumentation. Reine Überleitungen benötigen meist keine eigene Zeile; strittige Behauptungen und weitreichende Schlussfolgerungen verdienen dagegen eine genaue Kontrolle.
Kann ein Beleg mehrere Aussagen stützen?
Ja, sofern der Text diese Aussagen tatsächlich abdeckt. Tragen Sie die jeweiligen Fundstellen getrennt ein, damit sichtbar bleibt, welche Passage welchen Teil trägt.
Was ist bei widersprüchlichen Quellen zu tun?
Behalten Sie den Widerspruch zunächst bei und vergleichen Sie Fragestellung, Methode und untersuchte Gruppen. Wählen Sie nicht einfach die Quelle aus, die besser zur bisherigen Schlussfolgerung passt.
Für den nächsten Arbeitsschritt helfen Ihnen Mit KI vorsichtig formulieren, ohne Aussagen zu verwässern und Sekundärzitate mit KI prüfen: Wann brauche ich das Original?.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
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