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Branchen · KI-Weiterbildung für Unternehmen

Kann KI Versicherungsschäden auf Fotos beurteilen?

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

KI kann auf Schadenfotos sichtbare Merkmale beschreiben und Fotos nach Vollständigkeit sortieren. Ursache, Umfang und Höhe eines Schadens beurteilt sie nicht verlässlich. Dafür braucht es weiterhin eine Begutachtung durch eine sachkundige Person.

Das Problem

Ein Kunde meldet einen Wasserschaden und schickt zehn Fotos: eine Decke mit Fleck, ein verzogener Parkettboden, ein Rohr. Sie müssen entscheiden, was als Nächstes geschieht: Brauchen Sie einen Experten vor Ort? Reichen die Fotos? Ist das ein kleiner Schaden oder ein grosser?

Nun gibt es Programme, die versprechen, Schäden «automatisch» auf Fotos zu erkennen und zu beziffern. Das klingt verlockend, denn es würde Zeit sparen und Wartezeiten verkürzen. Aber kann eine KI das wirklich?

Die kurze Antwort: Teilweise. Sie kann sehen, was auf einem Bild ist. Sie kann aber nicht verlässlich wissen, warum etwas passiert ist und was es kostet. Diese Seite zeigt, wo die Grenze verläuft.

Einfach erklärt

Bilderkennung nennt man die Fähigkeit eines Programms, Inhalte auf Bildern zu erkennen, etwa «Wasserfleck an Decke». Sie arbeitet mit Mustern, die das Programm aus sehr vielen Beispielbildern gelernt hat. Daraus entsteht eine Einschätzung, keine Gewissheit.

Ein Beispiel: Eine KI erkennt auf einem Foto ein beschädigtes Auto und kann meist sagen, dass die Stossstange eingedrückt ist. Ob darunter ein Rahmenschaden liegt, ob die Delle alt ist oder neu und ob der Unfall so passiert ist wie erzählt, zeigt das Foto allein nicht.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Ziel der Bildprüfung festlegen. Soll die KI nur Fotos sortieren und auf Vollständigkeit prüfen? Oder auch Schäden einschätzen? Beginnen Sie mit der kleineren Aufgabe.
  1. Fotoanforderungen definieren. Legen Sie fest, welche Bilder gebraucht werden: Übersicht, Nahaufnahme, Schadenstelle mit Massstab, Typenschild. Eine Anleitung für Kunden beschleunigt alles.
  1. Fotos auf Qualität prüfen lassen. Die KI kann melden: zu dunkel, unscharf, Schadenstelle nicht erkennbar. Das ist eine sinnvolle Aufgabe, bei der Fehler wenig kosten.
  1. Sichtbare Merkmale beschreiben lassen. Verlangen Sie Beschreibung statt Urteil: «Was ist auf dem Foto zu sehen?» (Vorlage unten). Daraus entsteht ein Entwurf für die Schadenakte.
  1. Beschreibung mit dem Foto vergleichen. Öffnen Sie das Bild und prüfen Sie jeden Satz. Stimmt, was die KI beschreibt?
  1. Verdachtsmomente nicht von der KI ableiten lassen. Wenn etwas auffällig wirkt, entscheidet die Fachperson, ob eine Nachfrage nötig ist. Siehe Kann KI Hinweise auf Versicherungsbetrug erkennen?.
  1. Begutachtung anordnen, wenn nötig. Bei Unklarheit über Ursache, Umfang oder Höhe schicken Sie eine Fachperson. Das Foto ist Hilfsmittel, nicht Gutachten.
  1. Entscheidung selbst begründen. In der Akte steht, wer entschieden hat und worauf sich das stützt. Die KI-Beschreibung ist ein Baustein.

Vorlage zum Kopieren

Du unterstützt einen Schadendienst bei der Sichtung von Fotos zu einer Schadenmeldung. Beschreibe nur, was du auf dem Foto sichtbar erkennen kannst.

Schadenart laut Meldung: [z. B. Wasserschaden in der Küche]
Foto: [Bild anhängen]

Aufgabe:
1. Beschreibe sachlich, was zu sehen ist (Ort, sichtbare Spuren, betroffene Gegenstände).
2. Nenne, was auf dem Foto nicht erkennbar ist und für die Beurteilung noch fehlt (z. B. Ursache, Ausmass hinter der Wand).
3. Schlage vor, welche weiteren Fotos sinnvoll wären.
4. Beurteile NICHT die Ursache, Schuldfrage, Kosten oder Echtheit. Schreibe dazu «nicht beurteilbar».

Das Verbot der Beurteilung gehört in jede Vorlage dieser Art; ergänzen Sie, welche Foto-Angaben Ihr Haus standardmässig braucht.

FrageKI-Einschätzung aus FotoWer entscheidet?
Was ist sichtbar beschädigt?Oft brauchbarSachbearbeitung prüft
Ist das Foto vollständig und lesbar?Gut geeignetSachbearbeitung
Wie ist der Schaden entstanden?UnsicherGutachter
Wie hoch sind die Kosten?Nicht verlässlichGutachter, Handwerker
Ist das Foto echt oder bearbeitet?Nicht verlässlichFachprüfung

Worauf Sie achten müssen

  • Falsche Sicherheit: Eine KI formuliert Vermutungen so, als wären sie Tatsachen. Lesen Sie «wahrscheinlich» und «vermutlich» als Warnzeichen. Mehr dazu: Fehler bei KI-Bilderkennung.
  • Gefälschte und bearbeitete Bilder: KI-Bilder und Bearbeitungen werden immer besser. Ob ein Foto echt ist, lässt sich nicht einfach «erkennen».
  • Personen und Orte auf Fotos: Fotos zeigen manchmal Gesichter, Nummernschilder oder Wohnräume. Das sind Personendaten im Sinne des Datenschutzgesetzes. Gehen Sie sparsam und mit freigegebenen Werkzeugen damit um.
  • Entscheidungen über Personen: Wenn eine Leistung abgelehnt oder gekürzt wird, muss das auf einer nachvollziehbaren Prüfung durch Menschen beruhen. Eine automatische Ablehnung allein auf Basis eines KI-Fotourteils wäre riskant. Rechtliche Fragen dazu klären Sie mit Ihrer Compliance-Stelle.
  • Verzerrungen: Systeme sind für bestimmte Schadenarten und Bildtypen trainiert. Ungewohnte Konstellationen werden schlechter erkannt.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Ein Schadendienst im Kanton Aargau erhält eine Meldung zu einem Hagelschaden an einem Gartenhaus. Der Kunde schickt vier Fotos. Die Sachbearbeiterin lässt die KI beschreiben, was sichtbar ist.

Vorher hätte sie die Bilder selbst sortiert und Fehlendes per E-Mail nachgefordert. Nachher meldet die KI: «Zwei Fotos unscharf, Dachkante nicht erkennbar, kein Foto der Gesamtansicht.» Die Sachbearbeiterin fordert genau diese Bilder nach. Zur Frage, ob das Dach unter den Ziegeln beschädigt ist, schreibt die KI korrekt «nicht beurteilbar». Die Sachbearbeiterin beauftragt eine Begutachtung vor Ort. Die Fotos beschleunigen die Aktenführung, die Entscheidung trifft der Gutachter.

So hilft Ihnen Alpasana

Damit Ihr Team versteht, was KI bei Bildern kann und wo ihre Grenzen liegen, bietet absofort KI-Weiterbildung für Unternehmen: Online-Weiterbildung von Grundlagen bis zum Diplomlehrgang, mit Schweizer Praxisbezug, Datenschutz als Lerninhalt und Lernen im eigenen Tempo mit verifizierbaren Abschlüssen. Für Firmenlösungen und Teambuchungen gibt es eine Kontaktmöglichkeit.

Das Angebot ist eine Weiterbildung. Eine Software zur Schadenbewertung ist es nicht.

Häufige Fragen

Gibt es Systeme, die Schäden automatisch beziffern?

Es gibt Softwareprodukte, die das versprechen. Welche Genauigkeit sie in Ihrem Fall erreichen, müssen Sie selbst prüfen und sich vom Anbieter belegen lassen. Eine eigenständige Entscheidung ohne menschliche Prüfung ist heikel.

Darf ich Kundenfotos in einen KI-Dienst hochladen?

Fotos können Personendaten enthalten. Verwenden Sie nur Werkzeuge, die Ihr Unternehmen dafür freigegeben hat, und informieren Sie Kunden bei Bedarf. Im Zweifel klären Sie das mit der Datenschutzstelle.

Kann ich selbst Kunden bitten, bessere Fotos zu schicken?

Ja, das ist sehr wirksam. Eine kurze Anleitung mit Beispielbildern («Gesamtansicht, Nahaufnahme, mit Massstab») spart Rückfragen und verbessert auch jede KI-Auswertung.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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