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Branchen · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

Wissenschaftliche Literatur mit KI sichten und Quellen prüfen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Eine KI kann Fachartikel vorsortieren, Suchbegriffe vorschlagen und Zusammenfassungen entwerfen. Sie erfindet aber auch Quellen, die es nicht gibt. Jede genannte Publikation muss deshalb in einer Fachdatenbank gefunden und selbst gelesen werden. Ein Rechercheprotokoll hält fest, wie Sie vorgegangen sind.

Das Problem

Frau Müller arbeitet in der Medical-Information-Abteilung eines kleinen Pharmaunternehmens. Eine Ärztin fragt nach Studien zu einem bestimmten Wirkstoff bei älteren Patientinnen. Die Recherche in Fachdatenbanken liefert Hunderte Treffer, und nur ein Bruchteil davon ist relevant.

Eine KI scheint die Lösung zu sein: «Nenne mir die wichtigsten Studien zu …». Die Antwort kommt sofort, mit Autorennamen, Titeln und Jahreszahlen. Das Problem: Sprachmodelle erzeugen Literaturangaben, die echt klingen, aber frei erfunden sein können. Titel, Autoren und Zeitschrift passen zusammen und existieren doch nirgends. Das nennt man Halluzination.

In der Pharmabranche ist das besonders heikel, denn Aussagen zu Wirkstoffen müssen belegt sein. Eine erfundene Quelle in einer Antwort an eine Ärztin wäre ein ernster Fehler. Trotzdem kann KI bei der Recherche nützen, wenn Sie klar trennen: Die KI hilft beim Suchen und Sortieren, die Quellen selbst holen und lesen Sie in anerkannten Datenbanken.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Fragestellung präzisieren. Formulieren Sie die Frage in einem Satz: Welcher Wirkstoff, welche Patientengruppe, welche Frage (Wirksamkeit, Sicherheit, Wechselwirkung)? Je klarer, desto besser die Suche.
  1. Suchbegriffe sammeln. Lassen Sie die KI Synonyme, Fachbegriffe und verwandte Wörter vorschlagen, auch auf Englisch. Kontrollieren Sie die Begriffe mit Ihrem Fachwissen.
  1. In Fachdatenbanken suchen. Verwenden Sie Datenbanken wie PubMed oder die Datenbanken, zu denen Ihr Unternehmen Zugang hat. Die KI liefert Suchbegriffe, die Suche führen Sie selbst durch.
  1. Trefferlisten sichten. Exportieren Sie Titel und Zusammenfassungen (Abstracts) der Treffer. Diese Texte können Sie der KI geben, damit sie nach Ihren Kriterien vorsortiert: Studientyp, Patientengruppe, Jahr.
  1. Vorsortierung prüfen. Lesen Sie stichprobenartig auch Treffer, die die KI als «nicht relevant» einstufte. So erkennen Sie, ob wichtige Arbeiten verloren gehen.
  1. Volltexte selbst lesen. Für alles, was Sie zitieren oder weitergeben, lesen Sie den Artikel selbst. Zusammenfassungen der KI sind keine Grundlage für Aussagen.
  1. Quellenangaben verifizieren. Prüfen Sie jede Angabe: Gibt es den Artikel? Stimmen Autoren, Zeitschrift, Jahr und die DOI-Kennung (der eindeutige Code einer Publikation)? Suchen Sie sie in der Datenbank, nicht in der KI.
  1. Rechercheprotokoll führen. Notieren Sie Datum, Datenbank, Suchbegriffe, Filter, Trefferzahl und Auswahlkriterien. So kann eine Kollegin die Recherche wiederholen.

Vorlage zum Kopieren

Du unterstützt die Literaturrecherche in einem Schweizer Pharmaunternehmen. Du erfindest keine Quellen und nennst keine Studien aus dem Gedächtnis.

Fragestellung: [z. B. Sicherheit von Wirkstoff X bei Patientinnen und Patienten über 75 Jahren]

Aufgaben:
1. Schlage Suchbegriffe vor: Fachbegriffe, Synonyme, englische Entsprechungen, mögliche Filter (z. B. Studientyp, Zeitraum).
2. Formuliere zwei Suchstrings für eine Fachdatenbank mit UND/ODER-Verknüpfung.
3. Nenne Auswahlkriterien (Ein- und Ausschluss), die ich im Protokoll festhalten kann.

Regeln:
- Nenne keine konkreten Publikationen, Autoren oder DOI-Nummern.
- Wenn du etwas nicht sicher weisst, schreibe «nicht sicher».

Für die Vorsortierung der Abstracts nutzen Sie einen zweiten Auftrag: «Ordne die folgenden Abstracts nach den Kriterien [A, B, C] in relevant / unklar / nicht relevant und begründe in einem Satz.» Fügen Sie dann nur die Abstract-Texte ein, nicht Zitate aus dem Gedächtnis.

SchrittWer macht es?
Suchbegriffe vorschlagenKI
Datenbanksuche durchführenSie
Abstracts vorsortierenKI, mit Stichprobenkontrolle
Volltexte lesenSie
Quellenangaben prüfenSie
RechercheprotokollSie

Worauf Sie achten müssen

  • Erfundene Quellen: Sprachmodelle erfinden Literaturangaben, die plausibel aussehen. Prüfen Sie jede Angabe in der Datenbank. Mehr dazu: Erfundene Quellen erkennen.
  • Falsch wiedergegebener Inhalt: Auch echte Artikel können falsch zusammengefasst werden. Lesen Sie die Originalstelle, bevor Sie eine Aussage machen.
  • Verzerrte Vorsortierung: Die KI kann wichtige Arbeiten aussortieren, zum Beispiel solche mit ungewöhnlicher Wortwahl. Stichproben des «Nicht relevant»-Stapels schützen davor.
  • Vertrauliche Unterlagen: Interne Studienberichte und unveröffentlichte Daten gehören nicht in öffentliche KI-Werkzeuge. Halten Sie sich an die Regeln Ihres Unternehmens.
  • Urheberrecht: Volltexte von Fachartikeln sind meist geschützt. Ob Sie sie in ein KI-Werkzeug laden dürfen, hängt von Lizenz und Anbieter ab. Klären Sie das mit Ihrer Bibliothek oder Rechtsabteilung.
  • Nachvollziehbarkeit: In regulierten Bereichen muss ein Vorgehen nachvollziehbar sein. Das Rechercheprotokoll ist deshalb Pflicht und nicht Zugabe.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Ein Basler Pharmaunternehmen mit kleinem Medical-Information-Team erhält eine Anfrage zu einer Wirkstoffkombination. Die Mitarbeiterin lässt die KI Suchbegriffe und zwei Suchstrings vorschlagen und führt die Suche in einer Fachdatenbank selbst durch. Von rund 300 Treffern gibt sie die Abstracts in Gruppen in die KI und lässt sie nach Kriterien sortieren.

Bei der Stichprobe findet sie in der Gruppe «nicht relevant» zwei Studien, die sie als relevant einstuft. Sie passt die Kriterien an und wiederholt den Lauf. Am Ende liest sie die zwölf wichtigsten Volltexte selbst, prüft Zitat und DOI und notiert alles im Rechercheprotokoll. Die Antwort an die Ärztin stützt sich nur auf Originalquellen.

So hilft Ihnen Alpasana

Für Recherche und Vorbereitung bietet absofort Kurse zu konkreten Arbeitsaufgaben. Die Übersicht KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben enthält unter anderem Claude mit Projektstruktur, Prompt-Bibliothek, Qualitätsprüfung und Einsatzregeln sowie betriebliche KI-Richtlinien. Sie üben dort, Ergebnisse zu prüfen und KI verantwortungsvoll einzusetzen.

Die Kurse sind online, mit KI-Lerncoach, Praxisaufgaben und verifizierbarem Abschluss. Pharmaspezifische Regeln und Datenbanken gehören nicht zum belegten Kursinhalt.

Häufige Fragen

Darf ich eine KI nach den wichtigsten Studien zu einem Wirkstoff fragen?

Zur ersten Orientierung ja, aber behandeln Sie jede Antwort als Hinweis, nicht als Beleg. Suchen Sie die genannten Quellen in einer Fachdatenbank. Was Sie dort nicht finden, verwenden Sie nicht.

Wie erkenne ich eine erfundene Quelle?

Suchen Sie den Titel und die DOI-Kennung in einer Datenbank. Wenn nichts gefunden wird oder Titel und Autoren nicht zusammenpassen, ist die Quelle verdächtig. Auch echte Titel mit falscher Jahreszahl kommen vor.

Kann die KI Abstracts zuverlässig zusammenfassen?

Meistens gut, aber Fehler bei Zahlen, Patientengruppen und Aussagen sind möglich. Prüfen Sie wichtige Angaben am Text. Eine Hilfe finden Sie unter Studienzusammenfassungen prüfen.

Brauche ich ein Protokoll auch für eine kurze Anfrage?

Eine kurze Notiz mit Datum, Datenbank und Suchbegriffen genügt oft. Welche Anforderungen Ihr Unternehmen stellt, legt Ihre Qualitätsstelle fest.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

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