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Branchen · KI-Weiterbildung für Unternehmen

KI bei der Wunddokumentation: Was muss geprüft werden?

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

KI kann Wundfotos nicht verlässlich beurteilen und darf Wundbeschreibungen nicht ungeprüft erzeugen. Die Beurteilung, Dokumentation und Entscheide zur Behandlung bleiben bei pflegerischen und ärztlichen Fachpersonen. Wundbilder sind Gesundheitsdaten und gehören nur in freigegebene, geprüfte Systeme.

Das Problem

Wundversorgung braucht genaue Beobachtung und saubere Dokumentation: Grösse, Tiefe, Wundrand, Exsudat, Geruch, Schmerzen, Verlauf über die Zeit. Fotos erleichtern den Vergleich, und Berichte dokumentieren die Entscheide. Nun gibt es KI-Werkzeuge, die versprechen, Wunden auf Fotos auszumessen, zu beschreiben oder Berichte zu schreiben.

Sie möchten die Grenzen einer KI-Unterstützung bei Ihrer Wunddokumentation verstehen. Das ist wichtig, denn Fehler haben unmittelbare Folgen für die Behandlung: Eine falsch erkannte Wundgrenze, eine übersehene Rötung oder ein erfundener Befund kann zu falschen Entscheiden führen.

Zudem sind Wundbilder und Berichte Gesundheitsdaten. Ein Foto kann Personen erkennbar machen. Wer solche Daten in ein KI-Werkzeug lädt, trägt Verantwortung für Datenschutz und Zweck. Diese Seite hilft Ihnen, die richtigen Fragen zu stellen.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Klären Sie, was der KI-Dienst genau tut. Misst er Flächen, beschreibt er Wunden, vergleicht er Verläufe oder schreibt er Berichte? Lassen Sie sich die Funktion schriftlich erklären. Unterscheiden Sie Hilfe bei der Formulierung von Beurteilung.
  2. Prüfen Sie, ob es sich um ein Medizinprodukt handelt. Software, die Wundbilder auswertet oder Behandlungsentscheide unterstützt, kann als Medizinprodukt gelten und Anforderungen erfüllen müssen. Lassen Sie sich Zulassung und Einsatzbereich vom Anbieter belegen. Hinweise: KI und Medizinprodukte.
  3. Klären Sie den Datenschutz. Wundfotos und Berichte sind besonders schützenswerte Daten. Wo werden sie gespeichert, wer hat Zugriff, wird damit trainiert, gibt es einen Vertrag? Ohne klare Antworten setzen Sie den Dienst nicht ein.
  4. Holen Sie die nötigen Zustimmungen ein. Fotos brauchen die Information und das Einverständnis der Person oder der Vertretung nach den Vorgaben Ihres Betriebs.
  5. Prüfen Sie jede KI-Ausgabe gegen die Wunde selbst. Vergleichen Sie Masse, Beschreibung und Beurteilung mit Ihrer Beobachtung. Messen Sie bei Bedarf mit Ihrem eigenen Standardverfahren nach.
  6. Dokumentieren Sie eigenständig. Der Wundbericht ist Ihre fachliche Beurteilung. Eine KI-Beschreibung ersetzt sie nicht und darf nicht ungeprüft übernommen werden.
  7. Achten Sie auf Qualität der Bilder. Licht, Winkel, Massstab, Hautfarbe und Farbstich beeinflussen die Auswertung stark. Schlechte Bilder führen zu falschen Aussagen, auch bei guter Software.
  8. Beurteilen Sie regelmässig die Fehler. Sammeln Sie Fälle, in denen die KI danebenlag, und besprechen Sie sie im Team. Legen Sie fest, wann der Einsatz zu stoppen ist.

Vorlage zum Kopieren

Mit dieser Checkliste bewerten Sie ein Angebot. Sie können sie in ein Dokument übernehmen. Eine KI sollten Sie damit nicht beauftragen, echte Wunddaten zu verarbeiten.

PRÜFLISTE: KI-Werkzeug für Wunddokumentation (vor dem Einsatz)

Funktion
[ ] Was macht das Werkzeug genau (Foto messen / beschreiben / Verlauf vergleichen / Bericht schreiben)?
[ ] Wofür ist es laut Hersteller zugelassen oder bestimmt?
[ ] Gilt es als Medizinprodukt? Nachweis liegt vor: [ja/nein]

Daten
[ ] Wo werden Bilder und Berichte gespeichert (Land, Anbieter)?
[ ] Wer hat Zugriff? Wird mit den Daten trainiert?
[ ] Vertrag zur Datenbearbeitung vorhanden: [ja/nein]
[ ] Information und Zustimmung der Betroffenen geregelt: [ja/nein]

Qualität
[ ] Wie wurde die Genauigkeit geprüft? Belege vorhanden: [ja/nein]
[ ] Test an eigenen, nicht echten Beispielen oder mit freigegebenen Fällen durchgeführt: [ja/nein]
[ ] Fehlerarten bekannt (Hautfarbe, Licht, Verbände): [ja/nein]

Verantwortung
[ ] Wer beurteilt und dokumentiert die Wunde (Pflegefachperson, Arzt)? 
[ ] Wie wird jede KI-Ausgabe geprüft und freigegeben?
[ ] Notfall: Was geschieht bei Ausfall oder Fehler?

Entscheid: [Einsatz / kein Einsatz / Test mit Auflagen], Datum: [ ], verantwortlich: [ ]

Füllen Sie die Liste gemeinsam mit Pflegeleitung, IT und Datenschutzverantwortlicher aus.

Wo KI Hilfe leisten kann und wo nicht

AufgabeKI als Hilfe?Wer entscheidet
Wundbeurteilung (Stadium, Infekt)Nur mit zugelassenem Produkt, nie alleinFachperson
Fläche ausmessenUngenau, abhängig von BildqualitätFachperson mit Messverfahren
Bericht formulierenNur mit erfundenen Beispielen zum ÜbenFachperson schreibt selbst
Verlauf vergleichenNur geprüftFachperson
BehandlungsentscheidNeinÄrztin, Arzt, Fachperson

Worauf Sie achten müssen

  • Fehlerrisiko bei Bildern. KI-Systeme können bei verschiedenen Hautfarben, Beleuchtung oder Verbänden unterschiedlich gut arbeiten. Prüfen Sie, ob der Anbieter das untersucht hat.
  • Medizinprodukte und Regulierung. Software mit medizinischem Zweck unterliegt Regeln, auch im Zusammenhang mit der EU-KI-Verordnung (Hochrisiko-Systeme). Verlangen Sie Nachweise vom Anbieter und lassen Sie die Einordnung prüfen. Informationen bieten Swissmedic und die EU-Verordnung.
  • Datenschutz und Schweigepflicht. Wundfotos können Personen erkennbar machen. Es gelten das Datenschutzrecht und berufliche Schweigepflichten. Hinweise bietet der EDÖB.
  • Verantwortung bleibt bei Menschen. Auch wenn ein System Vorschläge macht, tragen Fachpersonen die Verantwortung für Beurteilung und Behandlung.
  • Vorsicht mit allgemeinen KI-Chats. Allgemeine Chat-Werkzeuge sind keine Medizinprodukte und nicht für Wundbeurteilung gedacht. Laden Sie dort keine Wundbilder hoch.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine Spitex-Organisation im Kanton Aargau erhält das Angebot einer App, die Wundfotos automatisch ausmisst und Berichte schreibt. Frau Müller, Teamleiterin Pflege, soll eine Einschätzung abgeben.

Vorher klang das Angebot verlockend. Mit der Prüfliste stellt sie fest: Der Anbieter nennt keinen Nachweis zur Genauigkeit bei unterschiedlichen Hautfarben, keine klare Auskunft zu Speicherort und Training, und keinen Hinweis auf eine Einstufung als Medizinprodukt.

Nachher empfiehlt sie, die App nicht einzusetzen, bis diese Punkte belegt sind. Das Team behält sein Messverfahren und die Dokumentation von Hand. Die Prüfliste bleibt für künftige Angebote.

So hilft Ihnen Alpasana

In der KI-Weiterbildung für Unternehmen lernen Mitarbeitende laut Beschreibung, KI-Ergebnisse und Daten sorgfältig zu behandeln, mit Schweizer Praxisbezug, Datenschutz und dem EU AI Act bei EU-Bezug als Lerninhalten. Das hilft, Angebote kritisch zu hinterfragen.

Eine Zulassungsprüfung von Medizinprodukten oder eine fachliche Beurteilung bietet das nicht. Für Firmenlösungen und Teambuchungen gibt es eine Kontaktmöglichkeit.

Häufige Fragen

Darf ich Wundfotos in einen allgemeinen KI-Chat hochladen?

Nein. Wundbilder sind besonders schützenswerte Gesundheitsdaten, und allgemeine Chat-Werkzeuge sind weder dafür vorgesehen noch geprüft. Verwenden Sie nur freigegebene Systeme Ihres Betriebs.

Kann die KI einen Verlauf zuverlässig vergleichen?

Das hängt von Produkt und Bildqualität ab. Ohne belegte Genauigkeit ist Vorsicht geboten. Die Fachperson prüft den Vergleich mit eigener Beobachtung.

Was, wenn die KI eine Verschlechterung meldet, die ich nicht sehe?

Nehmen Sie den Hinweis ernst, prüfen Sie die Wunde selbst und ziehen Sie bei Zweifel eine Kollegin oder den Arzt bei. Dokumentieren Sie Ihre eigene Beurteilung.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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