Branchen · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben
Bürgerbeteiligung mit KI auswerten
Kurz gesagt
Bei einer Befragung in der Gemeinde kann eine KI Freitextantworten nach Themen ordnen und Muster sichtbar machen. Sie sollten sie aber so einsetzen, dass seltene Anliegen nicht untergehen: Lassen Sie auch Einzelmeinungen auflisten, prüfen Sie Stichproben von Hand und legen Sie offen, wie ausgewertet wurde. Die Bewertung der Ergebnisse bleibt bei Menschen.
Das Problem
Die Gemeinde hat die Bevölkerung zur Neugestaltung des Dorfplatzes befragt. 340 Rückmeldungen sind eingegangen, viele davon mit freiem Text: Wünsche, Ängste, Ideen, Kritik. Die Verwaltung muss dem Gemeinderat in drei Wochen berichten, was die Bevölkerung denkt.
Von Hand alle Antworten zu lesen und zu ordnen, dauert Tage. Die Versuchung ist gross, die KI machen zu lassen: «Fasse die Rückmeldungen zusammen.» Das Ergebnis ist schnell da, aber es hat eine Schwäche. Eine Zusammenfassung betont das, was häufig vorkommt, und blendet Seltenes aus. Doch gerade ein einzelner, gut begründeter Hinweis, etwa zur Sicherheit von Kindern oder zur Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrende, kann entscheidend sein.
Dazu kommt ein Vertrauensthema: Wer sich beteiligt, will wissen, dass seine Stimme gehört wurde. Eine Auswertung muss deshalb nachvollziehbar sein. Diese Seite zeigt, wie Sie die KI als Ordnungshilfe nutzen, ohne die Aufgabe aus der Hand zu geben.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Ziel der Auswertung festlegen. Was soll am Ende vorliegen? Eine Themenübersicht, Argumente für und gegen eine Variante, ein Bericht für den Gemeinderat? Das bestimmt den Auftrag an die KI.
- Daten vorbereiten. Entfernen Sie Namen, Adressen und andere Angaben, die Personen erkennbar machen. Bei Freitext stehen sie manchmal im Text selbst, zum Beispiel «Ich wohne direkt am Platz».
- Themen zuerst von Hand skizzieren. Lesen Sie 30 bis 50 Antworten selbst und notieren Sie die Themen. So erhalten Sie ein eigenes Bild und können die KI später daran messen.
- KI ordnen lassen. Geben Sie die Antworten in Portionen ein und lassen Sie sie Themen zuordnen. Verlangen Sie je Thema eine Anzahl, repräsentative Zitate ohne Namen und eine gesonderte Liste mit Einzelmeinungen.
- Seltene Anliegen sichern. Lassen Sie die KI ausdrücklich Rückmeldungen auflisten, die zu keinem Thema passen. Lesen Sie diese Liste selbst durch.
- Stichproben prüfen. Ziehen Sie 30 zufällige Antworten und prüfen Sie, ob die KI sie richtig zugeordnet hat. Zeigt sich eine grössere Abweichung, passen Sie den Auftrag an.
- Ergebnis einordnen. Halten Sie fest, wer geantwortet hat und wer nicht. Eine freiwillige Befragung ist nicht repräsentativ. Das gehört in den Bericht.
- Transparent berichten. Schreiben Sie im Bericht, wie ausgewertet wurde, dass KI zur Ordnung diente und dass Menschen die Ergebnisse geprüft haben.
Vorlage zum Kopieren
Du hilfst einer Schweizer Gemeinde, Freitextantworten einer Bevölkerungsbefragung zu ordnen.
Thema der Befragung: [z. B. Neugestaltung des Dorfplatzes]
Frage, auf die geantwortet wurde: [Wortlaut der Frage]
Aufgabe:
1. Ordne die folgenden Antworten Themen zu. Bilde nicht mehr als [8] Themen und benenne sie knapp.
2. Gib je Thema die Anzahl der Antworten und zwei bis drei typische Aussagen in eigenen Worten an (keine Namen).
3. Erstelle eine eigene Liste «Einzelne oder seltene Anliegen», die zu keinem Thema passen, mit kurzer Beschreibung. Lasse nichts weg.
4. Zeige Argumente für und gegen die Varianten [A / B] getrennt.
5. Bewerte nichts und empfiehl nichts. Erfinde keine Zahlen. Wenn eine Zuordnung unklar ist, markiere sie mit [unklar].
Antworten (anonymisiert, nummeriert):
[Antworten einfügen]Passen Sie Thema, Frage und Zahl der Themen an. Geben Sie grosse Datenmengen in Portionen ein und führen Sie die Zählung zum Schluss selbst durch.
| Ziel | Was die KI übernimmt | Was Menschen tun |
|---|---|---|
| Themen finden | Vorschläge, Zuordnung | Themen prüfen, anpassen |
| Seltene Anliegen sichern | Gesonderte Liste | Liste selbst lesen |
| Zahlen | Grobe Zählung | Stichprobe und Nachzählen |
| Bericht | Textentwurf | Einordnung, Freigabe |
Worauf Sie achten müssen
- Personendaten. Freitexte können Namen, Adressen oder persönliche Umstände enthalten. Bereinigen Sie sie vor der Eingabe, und nutzen Sie nur ein freigegebenes Werkzeug. Siehe Welche Angaben sind Personendaten in einem KI-Prompt?.
- Zusage bei der Befragung. Wenn Sie den Teilnehmenden zugesagt haben, wie ihre Antworten verwendet werden, halten Sie sich daran. Die Verarbeitung mit KI gehört in die Information zur Befragung.
- Verzerrung. KI kann Themen ungleich gewichten oder Formulierungen in bestimmten Sprachstilen schlechter verstehen. Prüfen Sie besonders Antworten von Menschen mit wenig Deutsch.
- Nicht repräsentativ. Wer antwortet, ist oft nicht die Gemeinde im Querschnitt. Aussagen wie «Die Bevölkerung will» sind deshalb vorsichtig zu formulieren.
- Keine Abstimmung. Eine Befragung ist ein Meinungsbild und ersetzt weder Abstimmung noch Entscheid der zuständigen Organe.
- Halluzinierte Zitate. KI kann Aussagen erfinden, die nie gemacht wurden. Zitate immer mit dem Original abgleichen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Eine Gemeinde mit 4000 Einwohnern befragt zur Gestaltung des Dorfplatzes. 340 Rückmeldungen sind eingegangen. Die Gemeindeschreiberin liest zuerst 40 Antworten selbst und notiert sechs Themen: Parkplätze, Bäume und Schatten, Spielplatz, Märkte, Sicherheit, Zugänglichkeit.
Die KI ordnet die Antworten und liefert zusätzlich eine Liste mit 12 Einzelanliegen. Bei der Durchsicht fällt eine Rückmeldung auf: Eine Person weist darauf hin, dass die geplante Treppe für Rollstuhlfahrende ein Hindernis wäre. Das Thema «Zugänglichkeit» kam im Haupt-Ranking kaum vor, wird aber in den Bericht aufgenommen.
Der Gemeinderat erhält zwei Seiten: Themenübersicht, Einzelanliegen, Hinweis zur Methode. Er sieht, dass die KI nur sortiert hat und dass eine Person die Ergebnisse geprüft hat.
So hilft Ihnen Alpasana
Wenn Ihr Team lernen soll, KI für konkrete Arbeitsaufgaben wie die Auswertung von Texten, Daten und Rückmeldungen verantwortungsvoll einzusetzen, bieten die KI- und IT-Kurse für konkrete Arbeitsaufgaben von absofort Kurse mit Praxisaufgaben, KI-Lerncoach und verifizierbarem Abschluss. Beschrieben sind unter anderem Kurse zu Excel, Datenverständnis und Dashboards sowie zu Phishing, Deepfakes und betrieblichen KI-Richtlinien.
Die Kurse vermitteln Grundlagen für den sicheren Einsatz. Die Methode Ihrer Befragung planen Sie gemeinsam mit den zuständigen Stellen.
Häufige Fragen
Kann die KI sagen, was «die Mehrheit» will?
Sie kann zählen, wie oft ein Thema vorkommt. Daraus auf «die Mehrheit der Bevölkerung» zu schliessen, ist aber heikel, weil nicht alle teilgenommen haben. Formulieren Sie vorsichtig: «Von den 340 Antworten betrafen …».
Wie gehe ich mit Beleidigungen und Falschbehauptungen um?
Lassen Sie sie von der KI markieren, aber entscheiden Sie selbst, wie damit umgegangen wird. Im Bericht genügt meist ein Hinweis, dass einzelne Rückmeldungen nicht sachlich waren.
Reicht ein Kontrollblick auf die Zusammenfassung?
Nein. Prüfen Sie Stichproben der Zuordnung und lesen Sie die Liste der Einzelanliegen selbst. Nur so sehen Sie, ob wichtige Hinweise untergegangen sind.
Wie gross muss die Befragung sein, damit sich KI lohnt?
Für 30 Antworten lesen Sie besser selbst. Bei einigen Hundert Texten spart die KI-Ordnung Zeit, wenn Sie die Prüfung konsequent einplanen. Die Grenze ist fliessend und hängt von Ihren Ressourcen ab.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
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