Berufsbildung · Linup: KI sicher am Arbeitsplatz
QV-Material für KI-Übungen: Was muss vorher geklärt sein?
Kurz gesagt
Laden Sie QV-Aufgaben erst hoch, wenn Herkunft, Nutzungsrechte und die Erlaubnis für den konkreten KI-Dienst geklärt sind. Bei offenen Fragen arbeiten Sie mit selbst entwickelten Übungsfällen und fragen die zuständige Prüfungsorganisation.
Das Problem
Frau Keller hat Aufgaben aus einem früheren Qualifikationsverfahren erhalten. Das Qualifikationsverfahren, kurz QV, überprüft berufliche Kompetenzen am Ende der Ausbildung. Aus den Unterlagen möchte sie mit KI neue Übungen machen, weiss aber nicht, ob das Material veröffentlicht oder nur intern weitergegeben wurde.
Die blosse Verfügbarkeit einer Datei beantwortet diese Frage nicht. Eine ehemalige Prüfungsaufgabe kann weiterhin geschützt oder vertraulich sein; eine Unterrichtserlaubnis beantwortet zudem nicht automatisch die Frage nach einer Übermittlung an einen externen KI-Dienst. Frau Keller braucht deshalb eine nachvollziehbare Freigabe vor dem ersten Upload.
In der Schweizer Berufsbildung können je nach Beruf Prüfungsorganisation, kantonales Berufsbildungsamt und Rechteinhabende unterschiedliche Zuständigkeiten haben. Das Unterrichtsziel lautet hier: berufliches Können mit rechtmässig verwendbarem Material üben, ohne Prüfungsinhalte unkontrolliert weiterzugeben.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Material zunächst lokal sichten. Öffnen Sie die Datei auf dem Schulgerät, ohne sie in einen KI-Chat zu ziehen. Notieren Sie Herkunft, Beruf, Ausgabe, Prüfungsjahr und sichtbare Hinweise zur Verwendung. Unterscheiden Sie öffentlich veröffentlichte Aufgaben von internen Unterlagen und unbekannten Kopien.
- Lernziel ohne Prüfungsdetails beschreiben. Halten Sie fest, welches Können Sie üben möchten, etwa eine berufliche Entscheidung begründen. Ein Lernziel beschreibt, was Lernende anschliessend selbst leisten sollen. Oft lässt sich dafür ein eigener Fall schreiben, ohne die Originalaufgabe zu übernehmen.
- Zuständige Stelle ermitteln. Fragen Sie die verantwortliche Prüfungsorganisation, wer zur Vertraulichkeit Auskunft geben darf und wer die Nutzungsrechte klärt. Die Zustimmung einer Kollegin reicht dafür nicht. Bei ungeklärter Zuständigkeit hilft das kantonale Berufsbildungsamt als erste Anlaufstelle weiter.
- Die konkrete Nutzung schriftlich anfragen. Nennen Sie den vorgesehenen KI-Dienst, den Zweck, den betroffenen Auszug und den Kreis der späteren Nutzenden. Fragen Sie getrennt nach Upload, Bearbeitung und Weitergabe der neuen Übungen. Halten Sie fest, wer die Antwort gegeben hat und wofür sie gilt.
- Schulische Freigabe ergänzen. Lassen Sie den Dienst und seine Datenverarbeitung nach dem Verfahren Ihrer Schule beurteilen. Entfernte Namen lösen die Frage der Prüfungsvertraulichkeit nicht. Geben Sie nur Material ein, für das sowohl die Nutzung als auch der vorgesehene technische Weg geklärt sind.
- Übung fachlich abnehmen. Erstellen Sie zunächst einen kleinen Aufgabenentwurf. Prüfen Sie, ob er das Lernziel trifft, neue Fehler enthält oder geschützte Originalformulierungen unnötig übernimmt. Vermerken Sie deutlich, dass es sich um eine Übung und keine offizielle Prüfungsvorschau handelt.
- Freigabestand dokumentieren. Bewahren Sie Quellenhinweis, erlaubten Umfang und geprüfte Endfassung im vorgesehenen Schulablageort auf. Fehlt eine Antwort, bleibt das Original ausserhalb der KI. Lassen Sie die Lernenden einen eigenen Lösungsweg erklären, damit die Übung tatsächlich Können sichtbar macht.
Vorlage zum Kopieren
Ein Prompt ist die Arbeitsanweisung an die KI. Nutzen Sie diese Vorlage als Lehrperson zur Vorbereitung und ersetzen Sie die Platzhalter ausschliesslich durch freigegebene Inhalte ohne Personendaten.
Sie unterstützen mich als Lehrperson bei einer Materialfreigabe.
Lernziel: [beobachtbares berufliches Können].
Materialkategorie ohne Aufgabeninhalt: [öffentlich / intern / unbekannt].
Geplante Verwendung: [Dienst, Bearbeitung, Weitergabe].
Formulieren Sie eine sachliche Anfrage an [zuständige Stelle].
Trennen Sie Vertraulichkeit, Nutzungsrechte und Datenverarbeitung.
Fragen Sie nach Umfang und Bedingungen einer schriftlichen Erlaubnis.
Treffen Sie selbst keine rechtliche Freigabeentscheidung.
Schlagen Sie zusätzlich eine eigenständige Übung allein zum Lernziel vor.Setzen Sie nur eine Beschreibung des Materials ein und fügen Sie die ungeklärten Originalaufgaben nicht als Anhang hinzu.
Worauf Sie achten müssen
- Privatsphäre: Geben Sie keine Schülerdaten in öffentliche KI-Dienste ein. Verwenden Sie erfundene Fälle oder sorgfältig ausgewählte sachliche Angaben; auch ohne Namen können ungewöhnliche Einzelheiten eine Person erkennbar machen.
- Verantwortung: KI kann überzeugend falsche Angaben erzeugen. Prüfen Sie Aussagen am Originalmaterial und entscheiden Sie selbst, welche Fassung Ihre Klasse erhält.
- Rechtsklärung: Die Unterrichtsnutzung geschützter Werke hat Grenzen; die Informationen des IGE ersetzen keine Upload-Freigabe. Lassen Sie strittige Rechte und Geheimhaltungspflichten im Einzelfall fachlich prüfen.
- Zugang und Alter: Planen Sie eine gleichwertige Aufgabe auf Papier und verlangen Sie kein privates KI-Konto. Prüfen Sie bei direkter Nutzung die schulischen Vorgaben und Altersbedingungen des Dienstes.
| Prüffrage | Erforderlicher Nachweis |
|---|---|
| Woher stammt das Material? | Nachvollziehbare Originalquelle |
| Wer erlaubt welche Verwendung? | Zuständige Stelle und konkreter Umfang |
| Ist der KI-Dienst schulisch zugelassen? | Dokumentierter Entscheid der Schule |
| Ist die neue Aufgabe geeignet? | Fachliche Kontrolle durch die Lehrperson |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: An einer Berufsfachschule im Aargau möchte Frau Keller alte Prüfungsfälle für eine Übungssequenz variieren. Vorher sammelt sie Dateien aus verschiedenen Kollegiumsordnern, deren Herkunft teilweise fehlt. Sie stoppt die geplante Übermittlung und erstellt zunächst eine Materialliste.
Für einen Teil lässt sich die zuständige Stelle ermitteln; bei anderen Aufgaben bleibt die Verwendung ungeklärt. Frau Keller entwickelt dafür einen neuen beruflichen Fall aus dem Lernziel. Nachher besitzt die Klasse eine fachlich geprüfte Übung mit nachvollziehbarer Herkunft, während die ungeklärten Originaldateien ausserhalb des KI-Dienstes bleiben.
So hilft Ihnen Alpasana
Wenn das Kollegium gemeinsame Grundregeln für KI und Daten benötigt, kann Alpasana den Kompetenzaufbau unterstützen; im Angebot Linup-Kurs «KI sicher am Arbeitsplatz» finden Sie dafür einen möglichen Lernweg. Der Online-Kurs behandelt den Umgang mit Daten, die Prüfung von KI-Ergebnissen und das Erkennen von Betrugsversuchen. Ein Quiz und ein privater, überprüfbarer Schulungsnachweis dokumentieren den Abschluss. Für Teams sind Einladungen, Fortschrittsübersicht und eine Nachweismappe beschrieben.
Der Schulungsnachweis ersetzt weder die Erlaubnis der Rechteinhabenden noch einen Entscheid der Prüfungsorganisation. Diese Klärungen bleiben bei den zuständigen Stellen.
Häufige Fragen
Darf ich wenigstens einen kleinen Ausschnitt eingeben?
Auch ein Ausschnitt kann vertraulichen oder geschützten Inhalt enthalten. Klären Sie die konkrete Nutzung, statt aus der Länge auf eine Erlaubnis zu schliessen.
Genügt es, Namen und Schullogo zu entfernen?
Damit bearbeiten Sie allenfalls einen Teil der Datenschutzfrage. Prüfungsgeheimnis und Nutzungsrechte bleiben eigenständige Punkte, die Sie separat klären müssen.
Kann die KI aus der Aufgabe eine unverfängliche Variante machen?
Die Übermittlung wäre bereits erfolgt, bevor die Variante entsteht. Beschreiben Sie bei ungeklärter Freigabe nur das allgemeine Lernziel und entwerfen Sie daraus eine neue Aufgabe.
Vertiefen können Sie die Arbeit mit dem Abgleich von LAP-Übungen und der Kontrolle von IHK-Aufgabentypen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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