Berufsbildung · Linup: KI sicher am Arbeitsplatz
KI-Lernzeit im Lehrbetrieb: Was sollten wir vereinbaren?
Kurz gesagt
Wenn Lernende KI im Betrieb lernen oder nutzen, klärt eine kurze schriftliche Vereinbarung Zweck, Zeitfenster, erlaubte und verbotene Daten, Ansprechperson und Nachweis. KI kann einen Entwurf liefern; die Geschäftsleitung entscheidet und prüft rechtliche Fragen im Einzelfall.
Das Problem
Der Lernende fragt: «Darf ich ChatGPT für meine Lerndokumentation brauchen?» Die Berufsbildnerin zuckt mit den Schultern. In der Kaufleute-Abteilung nutzen einige KI-Werkzeuge für E-Mails, in der Werkstatt gar nicht. Niemand hat festgelegt, was erlaubt ist, wann Lernende KI üben dürfen und welche Daten tabu sind. Frau Keller möchte Klarheit schaffen, bevor etwas schiefgeht.
Ohne Regeln entstehen zwei Probleme. Erstens besteht ein Datenrisiko: Lernende geben vielleicht Kundendaten, Preise oder interne Informationen in öffentliche KI-Dienste ein, ohne es zu merken. Zweitens entsteht Ungleichheit: Einige Lernende nutzen KI heimlich, andere verzichten aus Unsicherheit, und die Berufsbildenden wissen nicht, was die Leistung wirklich zeigt. Hinzu kommt die Frage der Lernzeit: Wenn KI-Kompetenz zur Ausbildung gehört, braucht sie Zeit und Raum.
Eine kurze, schriftliche Vereinbarung zwischen Betrieb und Lernenden schafft Orientierung. Sie ist kein Vertrag mit rechtlicher Sonderwirkung, sondern eine Betriebsregel, die Zweck, Zeitfenster, Daten und Verantwortung festhält. KI kann einen Entwurf liefern. Die Verantwortung für Inhalt und rechtliche Prüfung bleibt bei der Geschäftsleitung.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Bestehende Regeln sichten. Gibt es im Betrieb eine KI-Richtlinie, ein Datenschutzreglement oder Vorgaben der IT? Die Lehrlingsvereinbarung muss dazu passen.
- Ziele klären. Wozu sollen Lernende KI lernen oder nutzen: Texte vorbereiten, recherchieren, Lernstoff üben? Wofür nicht? Halten Sie zwei bis vier Zwecke fest.
- Zeitfenster festlegen. Wie viel Zeit pro Woche steht für das Lernen mit KI bereit, und wann? Planen Sie es im Wochenplan ein, damit es nicht an der Produktion scheitert.
- Daten und Grenzen bestimmen. Welche Informationen dürfen nie eingegeben werden (Kundendaten, Preise, Passwörter, Personendaten, Betriebsgeheimnisse)? Welche Werkzeuge sind erlaubt?
- Ansprechperson und Meldeweg benennen. Wer beantwortet Fragen? An wen melden Lernende Unsicherheiten oder Fehler (zum Beispiel versehentlich eingegebene Daten)?
- Nachweis vereinbaren. Wie wird der Lernerfolg festgehalten: Eintrag in der Lerndokumentation, Kurszertifikat, Gespräch? Ein Grundkurs mit Teilnahmebestätigung kann dafür passen.
- Entwurf mit KI erstellen und prüfen. Lassen Sie sich einen Entwurf auf einer Seite vorschlagen. Besprechen Sie ihn mit Geschäftsleitung und, wo nötig, der Datenschutz- oder IT-Verantwortung.
- Mit Lernenden besprechen und unterschreiben. Erklären Sie jeden Punkt. Bei minderjährigen Lernenden informieren Sie auch die gesetzliche Vertretung, wenn Ihr Betrieb das so handhabt.
| Punkt | Beispiel für eine Regel |
|---|---|
| Zweck | KI zum Üben von Fachbegriffen und zum Vorbereiten von Texten |
| Zeitfenster | Eine halbe Stunde pro Woche, Dienstagnachmittag |
| Verbotene Daten | Kundendaten, Preise, interne Dokumente, Personendaten |
| Werkzeuge | Nur vom Betrieb freigegebene Dienste |
| Prüfung | KI-Ergebnisse werden geprüft, bevor sie verwendet werden |
| Ansprechperson | Berufsbildnerin oder IT-Verantwortliche |
| Nachweis | Eintrag in der Lerndokumentation, Grundkurs-Zertifikat |
Vorlage zum Kopieren
Ich möchte für meinen Lehrbetrieb ([Branche], [Anzahl] Lernende) eine kurze Vereinbarung zur Nutzung von KI und zur KI-Lernzeit entwerfen. Ich nenne keine Namen und keine Betriebsdaten.
Bestehende Regeln im Betrieb (Stichworte): [z. B. Datenschutzreglement, IT-Richtlinie]
Zwecke, für die Lernende KI nutzen sollen: [Stichworte]
Zeitfenster für KI-Lernzeit: [z. B. 30 Minuten pro Woche]
Erstelle einen Entwurf auf höchstens einer Seite mit den Abschnitten: Zweck, Zeitfenster, erlaubte Werkzeuge, nie eingeben (Datenliste), Prüfung der Ergebnisse, Ansprechperson und Meldeweg, Nachweis des Lernerfolgs, Überprüfung der Vereinbarung.
Verwende einfache Sprache, die auch Lernende im ersten Lehrjahr verstehen. Gib keine rechtlichen Zusagen und nenne keine Gesetzesartikel. Markiere Punkte, die die Geschäftsleitung oder eine Rechtsberatung prüfen soll, mit «prüfen».Setzen Sie Branche, bestehende Regeln, Zwecke und Zeit ein. Den Entwurf besprechen Sie mit der Geschäftsleitung, bevor er gilt.
Worauf Sie achten müssen
- Rechtliche Fragen im Einzelfall klären. Lehrvertrag, Arbeitszeit, Datenschutz und Weisungsrecht haben rechtliche Grundlagen. Eine KI-Vorlage ersetzt keine Beratung; bei Unsicherheit helfen die kantonale Berufsbildungsstelle, die Branchenorganisation oder eine Rechtsberatung. Orientierung zum Datenschutz im Alltag bietet der EDÖB.
- Betriebsgeheimnisse und Kundendaten. Sie gehören nicht in öffentliche KI-Dienste. Machen Sie das mit konkreten Beispielen deutlich, siehe Betriebsgeheimnisse in der Lerndokumentation.
- Schutz Jugendlicher. Viele Lernende sind minderjährig. Achten Sie auf Altersgrenzen und Nutzungsbedingungen der Dienste und auf die Information der gesetzlichen Vertretung.
- Nicht nur verbieten. Ein Verbot ohne Schulung führt zu heimlichem Gebrauch. Besser sind klare Regeln und Lernzeit.
- Abhängigkeit vermeiden. Lernende sollen Aufgaben auch ohne KI können. Siehe Hilfestufen und KI-Abhängigkeit.
- Regeln aktuell halten. Werkzeuge und betriebliche Regeln können sich ändern. Legen Sie passende Überprüfungszeitpunkte fest und prüfen Sie die Vereinbarung insbesondere bei wesentlichen Änderungen oder nach einem Vorfall.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein erfundenes Beispiel aus einem Treuhandbüro im Kanton Zürich: Frau Keller bildet zwei Lernende der Kaufmännischen Grundbildung aus.
Vorher: Eine Lernende nutzt KI für E-Mails, der andere hat Angst, Fehler zu machen. Niemand weiss, ob Mandantendaten in KI-Diensten landen.
Nachher: Mit der KI entwirft Frau Keller eine einseitige Vereinbarung. Sie ergänzt den Punkt «Mandantendaten nie eingeben» und lässt das Dokument von der Geschäftsleitung prüfen. Die Lernenden besprechen es mit ihr, unterschreiben es und planen jeden Dienstag 30 Minuten für KI-Übungen ein. Als Nachweis absolvieren beide einen Grundkurs und tragen das Zertifikat in ihre Lerndokumentation ein. Nach einem Jahr überarbeiten sie die Regeln gemeinsam.
So hilft Ihnen Alpasana
Damit Lernende und Mitarbeitende die Grundregeln im KI-Alltag kennenlernen, können Sie einen passenden Online-Kurs wie «KI sicher am Arbeitsplatz» prüfen. Kursinhalte, Funktionen, Sprache und Zeitaufwand können sich ändern; informieren Sie sich vor der Planung direkt beim Anbieter. Stimmen Sie den Kurs auf die betrieblichen Lernziele und Regeln ab.
Häufige Fragen
Muss ein Lehrbetrieb Regeln zu KI haben?
Eine ausdrückliche Pflicht für eine KI-Regel in jedem Lehrbetrieb sollten Sie nicht ohne Prüfung annehmen. Sinnvoll ist sie aber, weil Datenschutz und Betriebsgeheimnisse berührt sind. Fragen Sie bei Bedarf eine Fachstelle.
Darf ich Lernenden KI verbieten?
Der Betrieb kann Regeln festlegen, was im Betrieb genutzt wird. Wie weit das geht, hängt vom Einzelfall ab. Ein Verbot ohne Alternative und Schulung ist oft wenig wirksam.
Wie lange sollte die KI-Lernzeit dauern?
Das hängt von Lernziel, Arbeitsablauf und Vorkenntnissen ab. Legen Sie Zeitfenster passend zum betrieblichen Bedarf fest und überprüfen Sie, ob die Lernzeit ausreicht.
Wie dokumentiere ich die Lernzeit?
Mit einem kurzen Eintrag in der Lerndokumentation und, wenn ein Kurs besucht wird, einem Teilnahmenachweis. So können Berufsbildende im Standortgespräch daran anknüpfen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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