Zum Inhalt springen

Berufe & Funktionen · Übersetzen, Dolmetschen und Sprachtraining

KI-Übersetzung oder Dolmetschen beim Arztgespräch?

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Für einfache Fragen wie Termine oder den Weg kann eine Übersetzungs-App helfen. Bei Diagnosen, Aufklärung, Einwilligung und Therapie braucht es eine qualifizierte Dolmetscherin oder einen Dolmetscher, weil Übersetzungsfehler hier ernste Folgen haben können.

Das Problem

Eine Patientin spricht kaum Deutsch. Sie hat seit Tagen Bauchschmerzen und versucht, es zu erklären. Die MPA öffnet auf dem Handy eine Übersetzungs-App, spricht ein paar Sätze, und das Gerät antwortet in der Sprache der Patientin. Für «Haben Sie einen Termin?» funktioniert das gut. Aber was, wenn es um Symptome, Allergien oder eine Operation geht?

In der Medizin zählt jedes Wort. Ein falsch übersetztes «nicht», eine verwechselte Körperstelle oder ein missverstandenes Medikament kann zu falscher Behandlung führen. Zudem gehört zum ärztlichen Gespräch, dass Patientinnen verstehen, worin sie einwilligen.

Frau Müller, die in der Praxis die Organisation leitet, hat zwei Hilfen zur Auswahl: die Übersetzungs-App und eine Dolmetscherin. Wann ist was richtig? Diese Seite hilft beim Vergleich und bei einer klaren Regel für das Team.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Häufige Sprachen erfassen. Notieren Sie, welche Sprachen in Ihrer Praxis am häufigsten vorkommen. So wissen Sie, wo sich ein fester Dolmetscherkontakt lohnt.
  2. Gesprächsarten einteilen. Sortieren Sie nach Risiko: Organisatorisches (Termin, Weg, Öffnungszeiten), allgemeine Information (Verhalten nach dem Termin) und Medizinisches (Beschwerden, Diagnose, Aufklärung, Einwilligung).
  3. Regel festlegen. Organisatorisches darf mit App, Medizinisches braucht Dolmetschende. Halten Sie das schriftlich fest und besprechen Sie es im Team.
  4. Dolmetschdienst organisieren. Klären Sie vorab, wen Sie bei Bedarf anfragen: einen professionellen Dolmetschdienst, auch telefonisch, mit Zeiten und Kostenregelung. Informationen zum interkulturellen Dolmetschen bietet INTERPRET.
  5. Angehörige nicht als Dolmetschende einsetzen. Kinder und Verwandte sind oft befangen oder überfordert, und Patientinnen sprechen vor ihnen vielleicht nicht offen. Bitten Sie nur im Notfall darum und halten Sie das fest.
  6. App-Einsatz vorbereiten. Wenn Sie Apps für Einfaches nutzen, legen Sie geprüfte Standardsätze bereit und testen Sie, ob die Rückübersetzung stimmt. Prüfen Sie, wo die Daten verarbeitet werden.
  7. Verständnis sichern. Fragen Sie nach, ob die Person verstanden hat, indem sie die Hauptpunkte in eigenen Worten wiederholt («Teach-back»). Das gilt für App und Dolmetscherin.

Vorlage zum Kopieren

Mit diesem Prompt erstellen Sie einfache organisatorische Standardsätze, die eine Person mit Sprachkenntnissen gegenlesen soll:

Du hilfst einer Arztpraxis in der Schweiz, kurze organisatorische Standardsätze in [Zielsprache] zu übersetzen.
Sätze (Deutsch): [«Bitte füllen Sie dieses Formular aus.», «Der Termin dauert etwa [30] Minuten.», «Bitte nehmen Sie im Wartezimmer Platz.»]
Aufgabe:
1. Übersetze jeden Satz einfach und höflich.
2. Gib zu jedem Satz die Rückübersetzung ins Deutsche an.
3. Markiere Sätze, bei denen du dir unsicher bist.
Übersetze keine medizinischen Aussagen und gib keine Gesundheitsinformationen.

Lassen Sie die Sätze von einer Person, die die Sprache beherrscht, gegenprüfen, bevor Sie sie einsetzen.

Vergleich: App oder Dolmetscherin?

KriteriumÜbersetzungs-AppQualifizierte Dolmetscherin
VerfügbarkeitSofort, rund um die UhrTermin oder Telefonanfrage nötig
Genauigkeit bei FachbegriffenSchwankend, Fehler möglichFachlich geschult
Dialekt, Akzent, NuancenOft problematischErfasst Kontext und Ton
VerantwortungKeineBerufsregeln, in der Regel Schweigepflicht
DatenschutzJe nach Anbieter unklarVertraglich regelbar
Geeignet fürTermine, Wegbeschreibungen, einfache HinweiseBefunde, Aufklärung, Einwilligung, heikle Themen

Mehr zu Formularen in anderen Sprachen finden Sie bei Anamneseformular in einfacher Sprache. Allgemeine Grenzen von Übersetzungs-KI erklärt KI-Übersetzung: Grenzen.

Worauf Sie achten müssen

  • Medizinische Fehler. Übersetzungs-KI kann Fachbegriffe, Zahlen und Verneinungen falsch wiedergeben. Verlassen Sie sich nicht auf sie, wenn Gesundheit oder Einwilligung betroffen sind.
  • Datenschutz und Berufsgeheimnis. Gesprochene Inhalte der Patientin sind Gesundheitsdaten. Viele Apps senden Sprache an Server des Anbieters. Prüfen Sie vorher, wo Daten verarbeitet werden. Informationen zu KI und Datenschutz bietet der EDÖB.
  • Einwilligung nur mit Verständnis. Eine Zustimmung zu Untersuchung oder Eingriff gilt nur, wenn die Patientin verstanden hat, worum es geht. Setzen Sie hier Dolmetschende ein.
  • Selbstbestimmung. Patientinnen sollen mitentscheiden dürfen, ob Angehörige übersetzen. Fragen Sie nach und akzeptieren Sie ein Nein.
  • Kosten. Wer die Kosten für Dolmetschende trägt, ist je nach Kanton und Institution verschieden. Klären Sie das vorab, damit im Ernstfall nicht darauf verzichtet wird.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: In einer Hausarztpraxis in Schaffhausen sprechen etwa jede Woche mehrere Patientinnen kaum Deutsch. Bisher half die Tochter einer Patientin, manchmal auch eine Mitarbeiterin mit der App.

Vorher entstanden Missverständnisse, etwa über die Einnahme eines Medikaments. Nachher legt Frau Müller eine Regel fest: Organisatorisches mit geprüften Standardsätzen, alles Medizinische mit einer Dolmetscherin, bei Bedarf telefonisch. Die Standardsätze lässt sie von einer Dolmetscherin gegenlesen. Beim nächsten Termin einer ukrainisch sprechenden Patientin klärt eine Dolmetscherin Aufklärung und Medikation, und die Patientin wiederholt die wichtigsten Punkte in eigenen Worten.

So hilft Ihnen Alpasana

Alpasana bietet Übersetzen, Dolmetschen und Sprachtraining an. Dazu gehört Dolmetschen bei Behörden, Arzt, Bank und Gericht sowie Fachdolmetschen unter anderem in der Medizin, mit Schwerpunkt auf Ukrainisch, Russisch und Deutsch; weitere Kombinationen sind nach Projekt möglich. Für Dokumente gibt es Dokumentprüfung und eine verbindliche Offerte.

Ob und wann ein Einsatz in Ihrer Praxis möglich ist, klären Sie im Einzelfall mit Alpasana. Eine KI-App ersetzt diese Leistung nicht, und Alpasana gibt keine medizinischen Auskünfte.

Häufige Fragen

Darf ich eine Übersetzungs-App im Gespräch verwenden?

Für einfache, organisatorische Fragen ist das oft sinnvoll. Bei medizinischen Inhalten sind die Risiken hoch. Klären Sie ausserdem die Datenverarbeitung der App, bevor Sie Gespräche damit führen.

Kann eine Angehörige übersetzen?

Im Notfall manchmal nötig, im Normalfall nicht empfehlenswert. Angehörige übersetzen nicht neutral, und Patientinnen sprechen vor ihnen eventuell nicht alles an. Eine neutrale Dolmetscherin ist besser.

Wer bezahlt den Dolmetscher?

Das hängt von Kanton, Institution und Situation ab. Es gibt Regelungen in Spitälern und Programme für Dolmetschdienste. Klären Sie das im Voraus, damit die Kosten nicht zum Grund werden, auf Dolmetschende zu verzichten.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

Weiterlesen in der Galaxie