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Didaktik & Methoden · Prompt Engineering

Peer Instruction: Gute Konzeptfragen mit KI entwickeln

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Bei Peer Instruction beantworten Lernende eine Konzeptfrage zuerst allein, diskutieren dann mit der Nachbarin und stimmen erneut ab. Eine KI kann Fragenentwürfe mit plausiblen falschen Antworten liefern; ob die Antwortmöglichkeiten wirklich typische Denkfehler abbilden, prüfen Sie fachlich selbst.

Das Problem

Frau Keller stellt im Unterricht eine Frage in die Runde. Zwei Lernende melden sich, antworten richtig, die Klasse nickt. Sie fährt fort und merkt später in der Prüfung, dass viele das Konzept doch nicht verstanden hatten. Wer sich nicht meldet, bleibt unsichtbar.

Eine Methode, die dieses Problem angeht, heisst Peer Instruction. Der Physiker Eric Mazur hat sie für Vorlesungen entwickelt, inzwischen wird sie auch in Schulen, in der Berufsbildung und in Kursen eingesetzt. Der Ablauf: Eine Konzeptfrage (eine Frage mit Antwortauswahl, die ein Verständnis prüft und nicht Faktenwissen) wird gestellt, alle antworten still, dann diskutieren Lernende ihre Antworten in kleinen Gruppen und stimmen noch einmal ab.

Der Trick liegt in der Frage. Gute Konzeptfragen haben falsche Antworten, die typische Fehlvorstellungen abbilden. Solche Fragen zu entwerfen, braucht Zeit und Fachwissen. KI kann Entwürfe liefern, doch das fachliche Urteil bleibt bei Ihnen.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Konzept bestimmen. Wählen Sie ein zentrales Konzept, bei dem Fehlvorstellungen häufig sind, etwa «Was passiert mit dem Gewicht beim Schmelzen von Eis?». Fragen zu Rechenfertigkeit passen weniger.
  1. Typische Denkfehler sammeln. Notieren Sie aus Ihrer Erfahrung, was Lernende üblicherweise falsch denken. Das ist das Material für die falschen Antwortmöglichkeiten.
  1. Frageentwurf erzeugen lassen. Nutzen Sie den Prompt unten. Die KI soll eine Frage mit drei bis vier Antworten schreiben, eine korrekt, die anderen je mit einer dieser Fehlvorstellungen.
  1. Fachlich prüfen. Lesen Sie jede Antwort kritisch. Ist genau eine richtig? Ist keine mehrdeutig? KI-Entwürfe haben manchmal zwei richtige Antworten oder erfinden Fehlvorstellungen, die niemand hat.
  1. Schwierigkeit austarieren. Die erste Abstimmung soll unterschiedliche Antworten sichtbar machen, damit Gesprächsbedarf entsteht. Ist die Frage zu leicht, entsteht kaum eine Diskussion; ist sie zu schwer, wird eher geraten.
  1. Ablauf durchführen. Frage zeigen, still abstimmen (Handzeichen, Karten oder digital), kurz in Paaren sprechen, erneut abstimmen, dann auflösen und die Gründe nennen lassen.
  1. Die Diskussion hören. Gehen Sie durch die Klasse. Dort hören Sie, welche Vorstellungen tatsächlich im Raum sind. Das ist wertvoller als das Abstimmungsergebnis.
  1. Fragen sammeln und verbessern. Behalten Sie Fragen, die funktioniert haben. Passen Sie Antworten an, die niemand gewählt hat.

Vorlage zum Kopieren

Du unterstützt mich als Lehrperson bei der Vorbereitung von Peer Instruction. Stufe: [Stufe]. Fach: [Fach]. Konzept: [z. B. Schmelzen von Eis und Masse].

Typische Fehlvorstellungen, die ich beobachte:
[Fehlvorstellung 1]
[Fehlvorstellung 2]

Aufgabe:
1. Schreibe eine Konzeptfrage ohne Rechnung mit vier Antwortmöglichkeiten. Genau eine Antwort ist richtig; jede falsche Antwort bildet eine meiner Fehlvorstellungen ab.
2. Gib an, welche Fehlvorstellung hinter jeder falschen Antwort steckt.
3. Schreibe eine kurze Begründung der richtigen Antwort in zwei Sätzen für die Auflösung.
4. Schlage eine Anschlussfrage vor, wenn bei der zweiten Abstimmung noch viele falsch liegen.
5. Verwende nur Fachinhalte, die zur Stufe passen, und erfinde keine Messwerte.

Passen Sie Fachbereich und Fehlvorstellungen an. Je genauer Sie diese kennen, desto besser werden die Antwortmöglichkeiten.

PhaseDauer (Richtwert)Was passiert
Frage zeigen1 MinuteAlle lesen still
Erste Abstimmung1 MinuteJede Person antwortet allein
Peer-Diskussion2–3 MinutenBegründen, überzeugen
Zweite Abstimmung1 MinuteAntworten ändern erlaubt
Auflösung2 MinutenLehrperson erklärt Gründe

Worauf Sie achten müssen

  • Fachliche Richtigkeit: KI-Fragen können mehrdeutig oder falsch sein. Lösen Sie jede Frage selbst, bevor Sie sie einsetzen.
  • Erfundene Denkfehler: Die KI erfindet gern Fehlvorstellungen, die Lernende nicht haben. Nutzen Sie Ihre Beobachtungen im Unterricht als Grundlage.
  • Sozialer Druck: Wer in der Diskussion vom Nachbarn überredet wird, hat nicht automatisch verstanden. Fragen Sie nach Begründungen, nicht nur nach dem Ergebnis.
  • Datenschutz: Abstimmungen mit Namen und Klickergebnissen einzelner Lernender sind Personendaten. Nutzen Sie anonyme Abstimmungen, und geben Sie keine Lernendendaten in öffentliche KI-Dienste ein. Welche Werkzeuge zulässig sind, regeln Schulen und Kantone unterschiedlich.
  • Zugang: Nicht jeder hat ein Gerät. Farbkarten oder Handzeichen funktionieren ohne Technik.
  • Eigenständiges Denken: Lassen Sie Lernende nicht während der Abstimmung eine KI befragen. Die Frage soll ihr eigenes Denken sichtbar machen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein fiktives Beispiel: Frau Keller will in der 8. Klasse die Vorstellung bearbeiten, dass ein Gegenstand im Wasser «leichter» wird, weil das Wasser ihn «trägt». Sie gibt der KI die Fehlvorstellung und bittet um eine Konzeptfrage zum Auftrieb.

Vorher: Sie erklärt das Konzept, die Klasse nickt. Nachher: Die Frage mit vier Antworten wird gezeigt; bei der ersten Abstimmung zeigen sich unterschiedliche Antworten. In der Diskussion hört sie, dass einige «Gewicht» und «Dichte» vermischen. Nach der zweiten Abstimmung können mehr Lernende ihre Wahl begründen. Eine Antwort der KI-Fassung hatte sie umformuliert, weil sie zwei Deutungen zuliess. Die Frage landet in ihrer Sammlung.

So hilft Ihnen Alpasana

Ob die KI brauchbare Fragen liefert, entscheidet sich im Auftrag: Fachbereich, Stufe, Fehlvorstellungen und Format müssen klar sein. Im Online-Kurs Prompt Engineering von absofort üben Sie, Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festzulegen und Ergebnisse zu überprüfen. Der Kurs beachtet den Datenschutz, erfordert keine Programmierkenntnisse und endet mit einem Zertifikat.

Die didaktische Entscheidung, welche Fragen zu Ihrer Klasse passen, bleibt bei Ihnen.

Häufige Fragen

Funktioniert Peer Instruction auch in kleinen Klassen?

Ja. Auch in kleinen Klassen kann eine anonyme Abstimmung Denkwege zeigen, die sonst verborgen bleiben. Wichtig ist, dass alle vor der Diskussion selbst antworten.

Wie viele Fragen pro Lektion sind sinnvoll?

Wählen Sie so wenige Fragen, dass genügend Zeit für Begründungen und Diskussion bleibt. Wie viele das sind, hängt von der Klasse und der Schwierigkeit der Fragen ab.

Kann ich die Fragen auch für Prüfungen nutzen?

Als Übung ja, aber prüfen Sie, ob Auswahlfragen das gewünschte Verständnis abbilden. Konzeptfragen helfen beim Lernen, ersetzen jedoch keine Beurteilung von Kompetenzen. Weitere Ideen für kurze Denkphasen stehen bei Think-Pair-Share mit KI: Impulse für echtes Mitdenken.

Was mache ich, wenn alle richtig antworten?

Dann war die Frage zu leicht. Nutzen Sie die Zeit für eine anspruchsvollere Anschlussfrage und verbessern Sie die Antworten für das nächste Mal.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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