Berufsbildung · Prompt Engineering
Vertiefungsarbeit: Interviewfragen mit KI auf Offenheit prüfen
Kurz gesagt
Nutzen Sie KI, um mögliche Vorannahmen und lenkende Formulierungen in einem selbst entwickelten Interviewleitfaden aufzuspüren. Prüfen Sie die Hinweise am Erkenntnisziel und testen Sie die überarbeiteten Fragen in einem kurzen Probeinterview.
Das Problem
Für die Vertiefungsarbeit, kurz VA, möchten Lernende Menschen zu eigenen Erfahrungen befragen. Eine Frage wie «Warum hat die neue Regel Ihre Arbeit verbessert?» legt die Verbesserung jedoch bereits nahe. Frau Keller will helfen, solche Vorannahmen zu erkennen, bevor die Gespräche stattfinden.
Ein Interviewleitfaden ist eine geordnete Sammlung von Fragen und möglichen Nachfragen. Er soll Erkenntnisse ermöglichen und die Gesprächspartner nicht zu erwarteten Antworten führen. KI kann Formulierungen prüfen, kennt aber weder die befragten Personen noch die tatsächliche Gesprächssituation.
ABU bedeutet allgemeinbildender Unterricht in der beruflichen Grundbildung. Stimmen Sie die Aufgabe auf den für Ihre Klasse geltenden Schullehrplan ab; kantonale und schulische Vorgaben können sich unterscheiden.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Fragestellung und Erkenntnisziel klären. Öffnen Sie die Vorgaben Ihrer Schule zur VA und notieren Sie die konkrete Untersuchungsfrage. Fragen Sie, welche Art von Wissen das Interview liefern kann: Erfahrungen, Abläufe oder Sichtweisen. Ein einzelnes Gespräch beantwortet nicht automatisch, wie eine ganze Berufsgruppe denkt.
- Den Leitfaden zuerst selbst entwerfen. Lassen Sie Lernende Themenblöcke und Fragen ohne KI schreiben. Zu jeder Frage notieren sie, was sie damit erfahren möchten. Das schützt davor, eine lange Liste scheinbar professioneller Fragen zu übernehmen, die wenig mit der eigenen Untersuchung zu tun hat.
- Vorannahmen im Text markieren. Prüfen Sie gemeinsam Wörter wie «immer», «endlich» oder «verbessert». Eine Suggestivfrage legt eine bestimmte Antwort nahe; eine offene Frage lässt Raum für eine eigene Darstellung. Beachten Sie, dass eine grammatisch offene Warum-Frage trotzdem eine unbelegte Voraussetzung enthalten kann.
- KI mit einem neutralen Leitfaden prüfen lassen. Übermitteln Sie einen fiktiven oder von Ihnen erstellten Leitfaden ohne Namen, Betriebe oder persönliche Einzelheiten. Verlangen Sie für jede vermutete Lenkung eine konkrete Begründung. Die KI soll die Erkenntnisabsicht erhalten und nicht einfach alle Fragen durch allgemeine Gesprächsfloskeln ersetzen.
- Fragen gezielt überarbeiten. Lassen Sie die Lernenden Vorschläge selbst auswählen und begründen. Trennen Sie Doppelfragen, die mehrere Themen gleichzeitig verlangen, und ersetzen Sie wertende Voraussetzungen. Ergänzen Sie neutrale Nachfragen wie «Können Sie dafür eine Situation beschreiben?», ohne Antworten bereits anzudeuten.
- Ein Probeinterview durchführen. Erproben Sie den Leitfaden mit einer freiwilligen Person im Unterricht an einem unverfänglichen Thema. Beobachten Sie Verständlichkeit, Reihenfolge und Gesprächsfluss. Wenn eine Frage missverstanden wird, klären Sie zuerst die Formulierung, statt sofort mangelndes Wissen der befragten Person zu vermuten.
- Vorgehen und Grenzen dokumentieren. Halten Sie überarbeitete Fragen und Gründe für Änderungen fest. Planen Sie Information, Freiwilligkeit und den Umgang mit Aufzeichnungen nach den schulischen Regeln. Bewerten Sie später, welche Antworten tatsächlich die Untersuchungsfrage betreffen und wo die Aussagekraft des Interviews begrenzt bleibt.
Vorlage zum Kopieren
Ein Prompt ist die Arbeitsanweisung an die KI. Nutzen Sie diese Vorlage als Lehrperson zur Vorbereitung und ersetzen Sie die Platzhalter ausschliesslich durch freigegebene Inhalte ohne Personendaten.
Prüfen Sie für mich als Lehrperson einen fiktiven Interviewleitfaden zur VA.
Untersuchungsfrage: [präzise Frage].
Erkenntnisziel: [Erfahrungen, Abläufe oder Sichtweisen].
Leitfaden ohne Personendaten: [selbst erstellte Fragen].
Markieren Sie Suggestion, wertende Vorannahmen, Doppelfragen und unklare Begriffe.
Begründen Sie jeden Hinweis an der Formulierung.
Schlagen Sie eine offenere Alternative mit gleichem Erkenntnisziel vor.
Erfinden Sie keine Antworten oder Interviewpartner.
Ergänzen Sie neutrale Nachfragen und Punkte für ein Probeinterview.Setzen Sie die Untersuchungsfrage vor den Leitfaden, damit die Überarbeitung den Zweck der Fragen berücksichtigt.
Worauf Sie achten müssen
- Privatsphäre: Geben Sie keine Schülerdaten in öffentliche KI-Dienste ein. Verwenden Sie erfundene Fälle oder sorgfältig ausgewählte sachliche Angaben; auch ohne Namen können ungewöhnliche Einzelheiten eine Person erkennbar machen.
- Verantwortung: KI kann überzeugend falsche Angaben erzeugen. Prüfen Sie Aussagen am Originalmaterial und entscheiden Sie selbst, welche Fassung Ihre Klasse erhält.
- Gesprächsschutz: Offene Fragen sind keine Erlaubnis, intime Angaben einzufordern. Klären Sie vor realen Gesprächen Information, Einverständnis und Aufzeichnung mit der Betreuung; besondere Datenschutz- und Rechtsfragen sind fachlich im Einzelfall zu prüfen.
- Zugang und Alter: Planen Sie eine gleichwertige Aufgabe auf Papier und verlangen Sie kein privates KI-Konto. Prüfen Sie bei direkter Nutzung die schulischen Vorgaben und Altersbedingungen des Dienstes.
| Ursprüngliche Formulierung | Offenere Richtung |
|---|---|
| Warum war die Umstellung hilfreich? | Wie haben Sie die Umstellung erlebt? |
| Sind Zeitdruck und Lärm belastend? | Erst nach Zeitdruck, danach getrennt nach Lärm fragen |
| Finden Sie das nicht unfair? | Wie beurteilen Sie diese Regelung? |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller betreut eine VA an einer Berufsfachschule in Schaffhausen. Eine Gruppe möchte Erfahrungen mit einer betrieblichen Neuerung untersuchen und fragt zunächst nur nach Vorteilen. Vorher hätte der Leitfaden vor allem bestätigende Antworten begünstigt.
Nach einer KI-gestützten Prüfung überarbeitet die Gruppe ihre Fragen und testet sie im Unterricht. Die neue Einstiegsfrage lässt positive, negative und gemischte Erfahrungen zu. Nachher können die Lernenden erklären, welche Vorannahme sie entfernt haben und weshalb das Interview trotzdem keine repräsentative Aussage über alle Betriebe erlaubt.
So hilft Ihnen Alpasana
Alpasana vermittelt das Formulieren klarer Prüfaufträge und den kritischen Umgang mit KI-Vorschlägen. Im Angebot Prompt-Engineering-Kurs finden Sie dafür einen möglichen Lernweg. Sie lernen, Aufgabe, Kontext, Ziel und Ausgabeformat klar festzulegen, Beispiele einzusetzen und KI-Antworten zu kontrollieren. Der Online-Kurs umfasst die schrittweise Bearbeitung komplexer Aufgaben sowie die Überarbeitung von Prompts; Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich.
Die Methodenauswahl und die Betreuung realer Interviews bleiben bei der Schule. Ein KI-Kurs ersetzt weder eine schulische Freigabe des Vorgehens noch die fachliche Beurteilung eines Leitfadens.
Häufige Fragen
Sind geschlossene Fragen grundsätzlich ungeeignet?
Nein, kurze Klärungsfragen können beispielsweise einen Ablauf präzisieren. Für Erfahrungen und Begründungen brauchen Sie zusätzlich Fragen, die ausführlichere Antworten ermöglichen.
Darf die KI ein Interview zur Übung simulieren?
Eine klar als erfunden gekennzeichnete Simulation kann Gesprächsführung veranschaulichen. Die erzeugten Antworten sind jedoch keine erhobenen Daten und dürfen nicht als Untersuchungsergebnis erscheinen.
Soll jede Frage immer gleich gestellt werden?
Ein gemeinsamer Kern kann die Vergleichbarkeit unterstützen, während neutrale Nachfragen Unklares vertiefen. Das konkrete Vorgehen muss zur Methode und zu den Vorgaben der betreuenden Lehrperson passen.
Vertiefen können Sie die Arbeit mit der begründeten Methodenwahl und den Grenzen der Dateninterpretation.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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